Experte: Extremismus attraktiv für Migranten auf Identitätssuche

Viele junge Migranten in Deutschland fühlen sich auf der Suche nach Identität von extrem-nationalistischen Ideologien ihrer Herkunftsländer angesprochen.

So gebe es in verschiedenen Einwanderergemeinschaften Rechtsextremisten, deren Kernelement gleichermaßen eine "Ideologie der Ungleichwertigkeit" sei, sagte der Politik- und Erziehungswissenschaftler Kemal Bozay am Donnerstag in Frankfurt am Main. Grundlegend dabei sei international der Antisemitismus, erläuterte Bozay auf einem Fachtag der Bildungsstätte Anne Frank.

Unter türkischstämmigen Einwanderern in Deutschland habe der Rechtsextremismus in den vergangenen Jahren zugenommen und sei zu einem bedeutenden Phänomen angewachsen, führte der Professor für Soziale Arbeit an der Internationalen Hochschule Düsseldorf aus. Die drei Verbände Avrupa Türk Konfederasyon, Avrupa Türk Birligi (ATB) und Avrupa Türk Islam Birligi (ATIB), alle Ableger der türkischen Partei MHP, hätten zusammen geschätzt 18.500 Mitglieder und damit viermal so viele wie die NPD.

Festes Wertegefüge attraktiv

Die ideologischen Grundzüge von deutschen und türkischen Rechtsextremisten seien die gleichen, etwa Rassismus, ein totalitäres Normverständnis und die Bejahung von Gewalt, nur in der Haltung zur Religion unterschieden sie sich: Während die deutschen Rechtsextremisten das Christentum ablehnten, überhöhten die türkischen Rechtsextremisten die Bedeutung des Islams in der Ideologie einer "türkisch-islamischen Synthese".

Die Anziehungskraft des Rechtsextremismus unter Türkischstämmigen führte Bozay zum einen auf den Import innenpolitischer Konflikte aus der Türkei zurück, zum anderen auf Ausgrenzungs- und Diskriminierungserfahrungen in Deutschland. Attraktiv für junge Menschen sei das feste Normen- und Wertegefüge der Extremisten, sagte Bozay. Gut und böse, recht und unrecht seien klar definiert. Die Extremisten vermittelten ein Gefühl der Zugehörigkeit und der Stärke durch die Abwertung anderer.

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