Kritik an Rinderexporten: Strafrechtler fordert Schutz für Tiere

epd-bild / Norbert Neetz

Kuh auf einem Bioland-Hofgut: Nicht jedes Rind hat es so gut (Archivbild)

Kuh auf einem Bioland-Hofgut: Nicht jedes Rind hat es so gut (Archivbild)

Der Mannheimer Strafrechtsprofessor Jens Bülte fordert schärfere Auflagen für den Export von Rindern in Länder außerhalb der EU.

"Wenn ein Veterinär solche Transporte in dem Wissen genehmigt, dass es am Bestimmungsort oder beim Transport zu Tierquälereien kommen könnte, begeht er eine strafbare Beihilfe, sollten die Tiere tatsächlich misshandelt werden", sagte Bülte der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit".

Mit Blick auf die Massentierhaltung kritisierte er Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Diese habe ausschließlich die wirtschaftlichen Bedingungen der Großagrarunternehmer im Blick, nicht die Interessen der Tiere.

Abfertigung von Zuchtrindertransporten

Beim "Tierwohl"-Label, das Klöckner einführen will, "finde ich schon den Begriff problematisch", fügte Bülte hinzu: "Dass die Tiere sich in der Haltung, die wir in Deutschland haben, wohlfühlen, dürfte ja nicht die Regel sein. 'Haltungskennzeichnung' wäre das treffendere Wort." Und weiter: "Am ehrlichsten wären da allerdings Fotos, die zeigen, wie Nutztiere typischerweise gehalten werden. Auf Zigarettenpackungen werden ja auch Aufklärungsbilder verwendet."

Der Deutsche Tierschutzbund forderte bei Zuchtrindertransporten in Drittstaaten am Mittwoch eine politische Klärung. Die Organisation begrüßte das Vorgehen der Bundesländer Bayern, Schleswig-Holstein und Hessen, die Lebendtiertransporte in bestimmte Nicht-EU-Länder vorläufig gestoppt haben. Der Tierschutzbund forderte Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner in einem Brief auf, die Abfertigung von Zuchtrindertransporten in Drittstaaten zu vereinheitlichen.

Handel mit Schlachttieren

"Es ist dringend notwendig, dass die Abfertigungspraxis so schnell wie möglich bundesweit einheitlich erfolgt und keine Exporte in Drittländer genehmigt werden, wenn nicht gewährleistet werden kann, dass alle tierschutzrechtlichen Bestimmungen bis zum Zielort eingehalten werden", sagt Tierschutzbund-Präsident Thomas Schröder in Bonn: "Außerdem muss sichergestellt sein, dass bei der Schlachtung mindestens der Standard der EU-Schlachtverordnung vorausgesetzt werden kann."

In Konsequenz dieser Forderungen sollten aus Sicht der Tierschützer keine Transporte mehr in die Türkei, Länder des Nahen Ostens, die Maghreb-Staaten sowie die zentralasiatischen Länder der ehemaligen Sowjetunion vorgenommen werden, hieß es weiter. Der Handel mit Schlachttieren sollte durch den Export von Fleisch und - im Fall von Zuchttieren - durch den Export genetischen Materials ersetzt werden.

Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes werden jedes Jahr vier Millionen Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen von der EU in Drittländer transportiert, viele von ihnen nur, um sie am Zielort zu schlachten. "Auf ihrem tagelangen Weg leiden die Tiere oft in engen, dunklen und verdreckten Transportern", so die Organisation. Regelmäßig komme es dabei zu Verletzungen oder sogar zum Tod der Tiere.

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