Gericht: Frau darf von Leihmutter ausgetragenes Kind adoptieren

epd-bild/Heike Lyding

Justitia auf dem Römerberg in Frankfurt am Main (Archivbild)

Justitia auf dem Römerberg in Frankfurt am Main (Archivbild)

Eine Mutter darf nach einem Beschluss des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main ihr von einer ausländischen Leihmutter ausgetragenes Kind adoptieren.

Die Inanspruchnahme einer in Deutschland verbotenen Leihmutterschaft im Ausland stelle keine "gesetzes- oder sittenwidrige Vermittlung oder Verbringung" dar, die eine Adoption erschweren würde, teilte das Gericht am Mittwoch mit. Das Amtsgericht Frankfurt hatte zuvor den Adoptionsantrag der Beschwerdeführerin zurückgewiesen (Beschluss vom 28.2.2019, AZ: 1 UF 71/18).

Dagegen legte die Mutter Beschwerde beim Oberlandesgericht ein. Sie und ihr Ehemann hatten laut Gericht in der Ukraine über eine sogenannte Leihmutterklinik Kontakt zu der Leihmutter aufgenommen und mit ihr vereinbart, dass sie für die genetischen Eltern das Kind austrägt. Zur Schwangerschaft kam es über eine künstliche Befruchtung, bei der Samenzellen des Vaters und Eizellen der deutschen Frau verwendet wurden. Die Leihmutter stimmte einer Adoption des Kindes durch die genetische Mutter zu. Die genetischen Eltern kehrten nach der Geburt in der Ukraine mit dem Kind nach Deutschland zurück und leben seitdem als Familie zusammen.

Wohl des Kindes

Nach deutschem Recht gelte die ukrainische Leihmutter als rechtliche Mutter, legte das Gericht dar. Die Adoption sei aber zu genehmigen, da sie dem Wohl des Kindes diene. Es bestehe bereits eine "enge und liebevolle Bindung und ein Eltern-Kind-Verhältnis zwischen der Beschwerdeführerin, ihrem Ehemann und dem Kind". Die Frau habe die Mutterrolle übernommen und werde diese weiterhin ausfüllen. Auch der Altersabstand von 53 Jahren zum Kind stehe der Adoption nicht entgegen.

In Deutschland seien die Leihmutterschaft und ihre Inanspruchnahme zwar verboten, nicht aber die Vermittlung der Leihmutterschaft im Ausland und die Verbringung des Kindes nach der Geburt nach Deutschland, befand das Oberlandesgericht. "Das Spannungsverhältnis zwischen dem Verbot der Leihmutterschaft und dem Wohl des durch Leihmutterschaft auf die Welt gebrachten Kindes, welches für das Verhalten der Erwachsenen nicht verantwortlich gemacht werden darf", müsse der Gesetzgeber klären. Der Beschluss ist unanfechtbar.

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