Katholische Kirche will mehr Frauen in Führungspositionen

epd-bild/Stephan Wallocha

Bischof Franz-Josef Bode (Archivbild)

Bischof Franz-Josef Bode (Archivbild)

Der Osnabrücker katholische Bischof Franz-Josef Bode hat seine deutschen Amtskollegen und die Verwaltungschefs der Bistümer dazu aufgerufen, Führungspositionen in ihren Bistümern häufiger mit Frauen zu besetzen.

Frauen sollten in der ganzen Vielfalt kirchlicher Leitungsaufgaben vorkommen, sagte Bode am Dienstag bei der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im emsländischen Lingen. "Wir müssen das wirklich wollen und auch umsetzen." Auch beim Thema sexueller Missbrauch sei es positiv, wenn Frauen mitentschieden. Sie könnten helfen, Vertrauen zurückzugewinnen, "das wir in vielerlei Hinsicht verspielt haben".

Der Frauenanteil auf den Leitungsebenen der Diözesen sei in den vergangenen fünf Jahren zwar von 13 auf 19 Prozent gestiegen. Das sei jedoch "bei weitem nicht zufriedenstellend. Wir wollten eigentlich schon bei 30 Prozent sein", betonte Bode. Er präsentierte als Leiter der Frauenkommission ein Mentoringprogramm für Frauen in der Kirche und eine aktuelle Studie zu Frauen in Leitungspositionen in den Verwaltungen der Diözesen. 2013 hatte die Bischofskonferenz sich erstmals das Ziel gesetzt, den Frauenanteil auf den oberen Ebenen zu erhöhen.

Nicht alle Ämter automatisch mit Klerikern besetzen

Bode, der auch stellvertretender Vorsitzender der Bischofskonferenz ist, plädierte dafür, nicht länger alle Ämter automatisch mit Klerikern zu besetzen. So könne etwa das Generalvikariat, also die Bistumsverwaltung, von einer Frau geleitet werden. Auch das Amt des Generalsekretärs der Deutschen Bischofskonferenz müsse nicht zwingend mit einem Mann besetzt werden. In der kirchlichen Öffentlichkeitsarbeit sollten Frauen verstärkt als Sprecherinnen und Repräsentantinnen der Kirche auftreten. "Das würde das Gesicht der Kirche positiv verändern."

Der Studie zufolge existieren noch zahlreiche Hindernisse, die Frauen den Weg in die oberen und mittleren Führungsebene erschwerten, berichtete Bode. Bei der Personalauswahl ließen sich die Verantwortlichen noch immer von traditionellen Frauen- und Familienbildern leiten. Die Stellen seien meistens Vollzeitstellen und für Frauen auch sonst wenig attraktiv. Nur vereinzelt würden neue Leitungsmodelle erprobt. Es fehle an Vorbildern und an Kandidatinnen, weil schon auf der mittleren Leitungsebene wenig Frauen arbeiteten.

Frauenanteil sinke bei steigender Leitungsebene

Die Autorin der Studie, die Theologin Andrea Qualbrink, betonte, Frauen seien auf der oberen und mittleren Leitungsebene der Generalvikariate nach wie vor unterrepräsentiert. Der Frauenanteil sinke bei steigender Leitungsebene. Vor allem die Bereiche Finanzen und Personalverwaltung würden nur von sehr wenigen Frauen geleitet.

An dem Mentoringprogramm für Frauen in der Kirche hätten bereits 100 Frauen aus 17 Bistümern teilgenommen, erläuterte die Leiterin des Programms, Birgit Mock vom Hildegardis-Verein in Bonn. Es stelle weiblichen Nachwuchskräften je eine erfahrene Führungspersönlichkeit zur Seite. Die Nachfrage sei weiterhin groß.

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