Berliner Caritas-Direktorin wirbt für mehr Offenheit in der Kirche

epd-bild/Annette Zoepf

Thema einer Tagung in Eichstätt: das kirchliche Arbeitsrecht

Thema einer Tagung in Eichstätt: das kirchliche Arbeitsrecht

In der Debatte über die wechselseitigen Loyalitätspflichten des Arbeitgebers Kirche und seiner Beschäftigten sei vieles in Bewegung geraten, sagt Ulrike Kostka.

Eine Niederlage der katholischen Kirche beim Bundesarbeitsgericht hat nach den Worten der Caritas-Direktorin des Erzbistums Berlin, Ulrike Kostka, für Erleichterung bei Beschäftigten des katholischen Wohlfahrtsverbandes gesorgt. "Jetzt heirate ich. Ich mache meinem Partner einen Antrag", war laut Kostka die spontane Reaktion einer Kollegin, nachdem das Bundesarbeitsgericht am 20. Februar entschieden hatte, dass ein katholisches Krankenhaus einem katholischen Chefarzt nach der Ehescheidung nicht wegen dessen Wiederheirat kündigen darf (AZ: 2 AZR 746/14). In der Debatte über die wechselseitigen Loyalitätspflichten des Arbeitgebers Kirche und seiner Beschäftigten sei vieles in Bewegung geraten, führte die Direktorin des Berliner Caritasverbandes in Eichstätt auf einer zweitägigen Fachtagung zum kirchlichen Arbeitsrecht aus, die am Dienstag zu Ende gehen sollte. Das verlange mehr Offenheit innerhalb der Kirche.

Auch Kirche soll Loyalitätserwartungen erfüllen

Viele Beschäftigte der katholischen Kirche und ihrer Sozialunternehmen befänden sich wegen der weltweiten Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen und ihrer jahrzehntelangen Vertuschung in einer Loyalitätskrise, sagte die Theologin. Sie fragten sich, ob sich noch zur Kirche stehen können. "Hier muss die Kirche ihren Mitarbeitern gegenüber Loyalitätserwartungen erfüllen", forderte Kostka.

Die Tatsache, dass die Konfessionszugehörigkeit sowohl bei Beschäftigten als auch bei Klienten weiter abnehme, verändere das Selbstverständnis in den Einrichtungen. Nach Kostkas Erfahrung suchen viele konfessionslose Menschen bewusst einen kirchlichen Arbeitgeber. Sie wollten "Teil einer Überzeugungsgemeinschaft" sein und fühlten sich von der Caritas als einer Organisation der tätigen Nächstenliebe angezogen. Das fordere insbesondere von den Leitungskräften, das christliche Profil der Caritas-Einrichtungen zu gestalten und den Beschäftigten unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Religion das christliche Ethos zu vermitteln.

Kostka begrüßte kulturelle und ethnische Vielfalt in Einrichtungen der Caritas. Im Berliner Landesverband bekenne sich nur jeder Zweite der 5.000 Beschäftigten aus 26 Nationen zu einer christlichen Religion. "Die Nicht-Christen sind neugierig auf unser Selbstverständnis. Sie sägen nicht an unserer Substanz", sagte Kostka. Sie wünsche sich, dass das Bistum und die Kirchengemeinden die Vielfalt in der Caritas akzeptieren.

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