Menschenrechtler fordern Untersuchung chinesischer Lager

epd-bild / Ruth Fend

Die muslimische Minderheit der Uiguren im Westen Chinas (Archivbild)

Die muslimische Minderheit der Uiguren im Westen Chinas (Archivbild)

Menschenrechtler fordern eine unabhängige Untersuchung von Chinas sogenannten Umerziehungslagern für Uiguren durch die internationale Gemeinschaft.

Der Direktor der "Gesellschaft für bedrohte Völker", Ulrich Delius, sagte am Montag in Berlin, der wahre Zweck der Lager sei, die muslimischen Insassen einzuschüchtern und zu indoktrinieren. Die Grünen-Sprecherin für Menschenrechte und humanitäre Hilfe im Bundestag, Margarete Bause, verlangte, dass die Bundesregierung sich im UN-Sicherheitsrat für eine solche Mission in der Region Xinjiang stark machen müsse. Deutschland hat in dem Gremium derzeit einen nicht-ständigen Sitz inne.

Der Großteil der muslimischen Minderheit der Uiguren lebt in der Autonomen Region Xinjiang im Nordwesten Chinas. Uiguren sind schweren Repressionen durch die Kommunistische Partei ausgesetzt und werden überwacht. Seit 2017 entstehen "Umerziehungslager", in denen vor allem Uiguren festgehalten werden. Laut Delius werden die Lager immer weiter ausgebaut und Unternehmen dort angesiedelt, in denen Lagerinsassen zu sehr geringen Löhnen arbeiten müssten.

Achtmonatige Internierung

Der ehemalige Gefangene Omer Bekali berichtete über seine Erfahrung während einer achtmonatigen Internierung. Er sei kasachischer Staatsbürger, seine Mutter Uigurin. Während eines Besuchs bei seinen Eltern sei er festgenommen, dann gefoltert und später in eines der Lager gebracht worden. Die chinesischen Behörden hätten ihm die Unterstützung von Terroristen sowie der Schmuggel von Menschen aus dem Land vorgeworfen.

Im Lager sei er angekettet, geschlagen, in schmutziges Wasser gehängt worden, sagte er. Man habe ihn gezwungen, stundenlang an einer Stelle zu stehen - bei großer Hitze in der Sonne oder bei Eiseskälte. Vor dem Essen habe er Heldenlieder über die kommunistische Partei singen, einmal die Woche Schweinefleisch essen müssen. Seinen Angaben nach waren nicht nur Uiguren im Lager, sondern unter anderem auch Kasachen und Usbeken. Jeden Tag hätten Leute gefehlt und man habe nie erfahren, was mit ihnen geschehen sei.

Kasachische Staatsangehörigkeit

Schließlich sei er wegen seiner kasachischen Staatsangehörigkeit freigelassen worden. Ohne die wäre er längst tot, ist er überzeugt. Seine Mutter und seine Schwester seien ebenfalls ins Lager gekommen, er habe nichts mehr von ihnen gehört.

Die Grünen-Abgeordnete Bause forderte die Bundesregierung auf, Omer Bekali ein humanitäres Visum auszustellen, damit er reisen und seine Geschichte international vortragen könne. Zudem müsse Deutschland sich für den Schutz Bekalis einsetzen, der derzeit mit seiner Frau und kleinen Kindern in der Türkei wohnt.

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