Oppositionschef: Stromausfall in Venezuela wegen Korruption

Korruption und Misswirtschaft in der Regierung Venezuelas sind laut Opposition die Ursachen für den massiven Stromausfall in den vergangenen Tagen.

"Diese Krise wurde nicht durch einen Tornado oder eine Naturkatastrophe, sondern von der Regierung ausgelöst", sagte der selbst ernannte Übergangspräsident und Oppositionsführer Juan Guaidó in einem am Montag veröffentlichten Interview im Deutschlandfunk. Dass die Regierung von einem Cyberangriff spreche, "ist doch ein Witz". Am Donnerstag war in ganz Venezuela der Strom ausgefallen. Noch immer ist ein Großteil des Landes ohne Energieversorgung. Präsident Nicolás Maduro machte einen Cyberangriff und Sabotage der USA für den Kollaps verantwortlich.

"Sabotage ist, die Investitionsgelder geraubt zu haben, Sabotage ist, die humanitäre Hilfe nicht ins Land zu lassen", sagte Guaidó. 2017 habe das Parlament versucht, die Verantwortlichen wegen Korruption im Energiesektor zur Rechenschaft zu ziehen. Jetzt sei die Rede von einem Hackerangriff, von elektromagnetischer Spannung. Bis heute gebe es keine formale Analyse eines Technikers in Venezuela. "Sie müssten also erst einmal die Ursache definieren und zugeben, dass sie die Krise zu verantworten haben", sagte Guaidó.

Auch am Montag blieben in Venezuela Schulen und öffentliche Einrichtungen wegen des Stromausfalls geschlossen. Guaidó kündigte an, das Parlament werde auf einer außerordentlichen Sitzung den Nationalen Notstand beschließen. "Wir können nicht den Blick verschließen vor der Tragödie, die unser Land erlebt", sagte Guaidó.

Marodes Stromnetz

Nach Angaben der Regierung war das Wasserkraftwerks Guri Ziel eines Hackerangriffs. Das Kraftwerk deckt 80 Prozent des landesweiten Strombedarfs. Laut der Opposition ließ hingegen ein Buschfeuer nahe einer wichtigen Hochspannungsleitung das Stromnetz kollabieren. Daraufhin hätten sich die Turbinen in Guri abgeschaltet.

Immer wieder kommt es in Venezuela zu Ausfällen des maroden Stromnetzes, das dem Militär unterstellt ist. Nach einer Umfrage der Organisation "Mediziner für die Gesundheit" (Médicos por la Salud) starben seit Donnerstag in den Krankenhäusern mindestens 21 Patienten, weil es keinen Strom gab. Entgegen der Behauptung der Regierung hätten nicht alle Kliniken Notstromaggregate, erklärte die Organisation.

In Venezuela tobt ein heftiger politischer Machtkampf. Parlamentspräsident Guaidó erklärte sich am 23. Januar 2019 zum Übergangspräsidenten. Inzwischen haben ihn mehr als 50 Länder als legitimen Interimsstaatschef anerkannt. Maduro kann unter anderen auf die Unterstützung von Russland, China, der Türkei und Kuba zählen. Das Militär ist bislang Maduros wichtigster Machtfaktor.

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