Altersdurchschnitt steigt in ländlichen Regionen schneller

epd-bild / Jens Schulze

Altes Paar geht im Schlosspark Meiningen (Thüringen) spazieren (Archivbild).

Altes Paar geht im Schlosspark Meiningen (Thüringen) spazieren (Archivbild).

In ländlichen Regionen ist das durchschnittliche Alter im Zeitraum von 1995 bis 2016 von 39,5 auf 44,8 Jahre gestiegen. Städte ziehen jüngere Menschen an.

Bei der Alterung der Gesellschaft in Deutschland zeigen sich einer Studie zufolge deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land. In den ländlichen Kreisen stieg das durchschnittliche Alter demnach im Zeitraum von 1995 bis 2016 von 39,5 auf 44,8 Jahre, wie aus einer am Montag veröffentlichten Untersuchung des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervorgeht. In den kreisfreien Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern sowie der Region Hannover und der Städteregion Aachen war der demografische Wandel deutlich langsamer. Von 1995 bis 2016 alterte die Bevölkerung dort von 40,7 auf 42,7 Jahre.

Der durchschnittliche Deutsche war 2016 demnach 44,2 Jahre alt. Eine deutliche Verjüngung war in Frankfurt am Main zu beobachten: Dort sank das mittlere Bevölkerungsalter von 41,3 auf 40,6 Jahre. Am schnellsten alterte hingegen die thüringische kreisfreie Stadt Suhl von 44,2 auf 50,3 Jahre. Für die Studie untersuchten die IW-Wissenschaftler die Entwicklungen in 71 kreisfreien Großstädten und 330 Kreisen.

Ost-West-Gefälle

Städte wachsen laut der Auswertung vor allem durch zwei Gruppen: Zum einen entscheiden sich jüngere ausländische Zuwanderer häufig für ein städtisches Leben. Zudem ziehen junge Deutsche oft in die Stadt, wenn sie etwa studieren oder einen neuen Job beginnen. "Davon profitieren mittelgroße Städte wie Heidelberg und Münster, in denen der Anteil der 20- bis 25-Jährigen höher ist als in den Millionenstädten", sagte IW-Ökonom Christian Oberst mit Blick auf traditionelle Universitätsstandorte. Der Anteil der 25- bis 45-Jährigen ist besonders hoch in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart.

Die Studienautoren stellten außerdem ein Ost-West-Gefälle fest. Die zehn Regionen mit den jüngsten Altersdurchschnitten von 40,1 bis 41,1 Jahren liegen demnach alle in Westdeutschland. Die zehn Regionen mit dem höchsten Altersschnitte (49,1 bis 50,3 Jahre) befinden sich hingegen in Ostdeutschland. Das verdeutliche den Handlungsbedarf im Osten, erklärten die IW-Wissenschaftler.

Dennoch sei das Problem vielfältig, weshalb es fallbezogene Antworten seitens der Länder oder der Regionen brauche. Je höher der Anteil älterer Menschen sei, desto höher seien tendenziell die Bedarfe im Gesundheitswesen und in der Pflege. Jüngere Menschen benötigten auf der anderen Seite eher Bildungseinrichtungen wie Kindertagesstätten und Schulen.

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