Medienwissenschaftler sieht Lokalpresse in ihrer Existenz bedroht

epd-bild/Stefan Arend

Die Funke Mediengruppe denkt über den Wegfall der gedruckten Zeitungen in ausgewählten Regionen nach.

Die Funke Mediengruppe denkt über den Wegfall der gedruckten Zeitungen in ausgewählten Regionen nach.

Der Medienwissenschaftler Michael Haller sieht die Lokal- und Regionalzeitungen in Deutschland in einer schweren Krise.

"Für die Lokal- und Regionalpresse wird die Lage in vielen Regionen tatsächlich existenzgefährdend", sagte der Leiter des Europäischen Instituts für Journalismus- und Kommunikationsforschung in Leipzig dem Berliner "Tagesspiegel" (Montag).

Dafür sieht der 73-Jährige drei Gründe: Erstens schrumpfe der Anzeigenteil, der früher mehr als zwei Drittel der Einnahmen gebracht habe. "Zweitens bleiben die jüngeren Erwachsenen weg, sie finden die Lokalzeitung langweilig", sagte Haller. Die Folge seien massive Einnahmenrückgänge. Drittens werde die Zustellung der Abo-Zeitung immer teurer: "Weil es immer weniger Abonnenten gibt, steigt der Vertriebsaufwand je Exemplar." Das gelte vor allem für Lokalausgaben in dünner besiedelten Gebieten.

Grundlegende Neuausrichtungen

Mehrere Verlagshäuser stehen derzeit vor grundlegenden Neuausrichtungen und lösten damit eine Debatte über die Zukunft der Zeitung aus. Die Kölner DuMont Mediengruppe prüft derzeit unter anderem eine "Veräußerung von Teilen des Portfolios". Spekuliert wird über einen Verkauf der Regionalzeitungen. In Thüringen denkt die Essener Funke Mediengruppe über den Wegfall der gedruckten Zeitungen in ausgewählten Regionen nach.

Haller bewertete die Strategien beider Häuser unterschiedlich. "Der Funke-Konzern hat den Glauben an die Zeitung noch nicht aufgegeben. Er investiert in sein Online-Angebot und hofft, dass er die jüngeren Leute dazu bringen wird, seine digitalen Produkte zu nutzen", sagte der Medienwissenschaftler. Bis jetzt allerdings gebe es in Deutschland noch keine Online-Lokalzeitung, die eine hohe Reichweite erzielt und rentabel ist. Im Kölner Mutterhaus von DuMont fehlten dagegen "die Entscheider, die für den Journalismus brennen, die zielstrebig die veralteten Printblätter umkrempeln und attraktive Onlineangebote entwickeln und konsequent im Markt halten".

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