Expertin: Tourismus hat auch Schattenseiten

epd-bild/Odile Jolys

Hotelstrand in Gambia

Hotelstrand in Gambia

Entwicklungsländer müssen nach Expertenmeinung mehr dafür tun, um die Bevölkerung an den positiven Effekten des Tourismus zu beteiligen.

In Entwicklungsländern landet der größte Teil der Einnahmen aus dem Tourismus nach der Auffassung von Laura Jäger von "Brot für die Welt" häufig bei internationalen Konzernen oder bei lokalen Eliten. So bringe der Tourismus den Urlaubsländern kaum Steuereinnahmen und könne sogar das soziale Gefälle verstärken. "Der Tourismus bringt zwar Geld ins Land, sein Potenzial zur Armutsreduzierung wird jedoch selten genutzt", schreibt Jäger von der Arbeitsstelle "Tourism Watch" bei "Brot für die Welt" in einem Beitrag für das Frankfurter Monatsmagazin "welt-sichten" (März-Ausgabe).

Wichtige Devisenquelle

Jäger verwies darauf, dass der Tourismus nach UN-Angaben rund zehn Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung erbringt und ein Zehntel der Arbeitsplätze stellt. Gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern wachse der Sektor überdurchschnittlich stark und sei eine wichtige Devisenquelle. Allerdings sei ein einseitiger Blick auf die Entwicklung gefährlich und berge auch Risiken: "Weitläufige Ferienanlagen benötigen große Landflächen, Hotelpools und Golfplätze schlucken große Wassermengen. Damit gräbt der Tourismus vielerorts der lokalen Landwirtschaft buchstäblich das Wasser ab."

Auch von der häufig durch Tourismus entstehenden Infrastruktur profitierten die Einheimischen nur selten, erklärte Jäger. Wenn man aber etwa die vorhandenen Tourismusstrukturen um kleinere Hotels ergänze, die aus lokalen Materialien gebaut werden, oder in Restaurants auf regionale Spezialitäten setze, könnten auch Handwerker, Bauern oder Fischer an den positiven Effekten des Tourismus teilhaben. In der Pflicht seien aber auch Reiseveranstalter und die Urlauber selbst. Diese müssten sich ihrer Verantwortung bewusst werden und die ortsansässige Bevölkerung gezielt unterstützen.

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