"Reporter ohne Grenzen": Weltweit 80 Medienschaffende getötet

epd-bild/Christian Ditsch

Pressekonferenz in Berlin, hier ist das Arbeiten für Jorunalisten sicher.

Pressekonferenz in Berlin, hier ist das Arbeiten für Jorunalisten sicher.

Mindestens 80 Medienschaffende sind laut "Reporter ohne Grenzen" 2018 im Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet worden, 15 mehr als im Vorjahr.
Deutschland spricht 2019

Mehr als die Hälfte von ihnen kam in nur fünf Ländern ums Leben: in Afghanistan, Syrien, Mexiko, Indien und im Jemen, wie die Organisation bei der Vorlage ihrer jährlichen Bilanz der Pressefreiheit am Dienstag in Berlin mitteilte. Zudem seien in diesem Jahr weltweit 348 Medienschaffende inhaftiert worden. Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) und weitere Politiker forderten angesichts der Bedrohung von Journalisten in vielen Ländern, einen UN-Sonderbeauftragten einzusetzen.

"Wenn die Pressefreiheit endet, dann stirbt die Demokratie. Kritischer Journalismus ist ein Fundament unserer demokratischen Gesellschaft", erklärte Barley in Berlin. Ein Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen könne für einen besseren Schutz von Journalisten weltweit politischen Druck aufbauen. "Ein solches Amt wäre ein Signal für die Bedeutung der Pressefreiheit", unterstrich die SPD-Politikerin. Ähnlich äußerten sich Vertreter von CDU/CSU und Grünen. "Reporter ohne Grenzen" fordert ebenfalls einen UN-Sonderbeauftragten für Journalisten.

Morde bleiben folgenlos

Nach wie vor seien bewaffnete Konflikte die größte Gefahr für Journalisten weltweit, erläuterte "Reporter ohne Grenzen"-Vorstandssprecher Michael Rediske. Ein erschreckendes Zeichen sei zugleich, dass so viele Journalisten außerhalb von Kriegsregionen ermordet werden. "Viel zu oft können Täter und Auftraggeber damit rechnen, dass selbst Morde für sie folgenlos bleiben", sagte Rediske. "Die Staatengemeinschaft muss endlich wirksame Mittel finden, Straflosigkeit überall auf der Welt zu beenden."

Die Länder mit den meisten getöteten Journalisten, Bürgerjournalisten und Medienmitarbeitern waren 2018 demnach Afghanistan (15 Tote), Syrien (elf), Mexiko (neun), Jemen (acht) und Indien (sechs). In den USA starben in diesem Jahr ebenfalls sechs Journalisten, vier von ihnen wurden bei einem Anschlag auf die Lokalzeitung "Capital Gazette" in Annapolis im Staat Maryland am 28. Juni gezielt getötet. Stichtag der Zählung war der 1. Dezember 2018.

Land ohne bewaffneten Konflikt

Auch in Europa herrscht nach Ansicht von "Reporter ohne Grenzen" ein zunehmend medienfeindliches Klima. Besorgniserregend sei, dass es selbst in EU-Staaten teils nur ein geringes Interesse gebe, Morde an Journalisten aufzuklären, sagte der Geschäftsführer der Journalistenorganisation, Christian Mihr, dem SWR. Hier sehe er auch ein Versagen der EU. In der EU waren im vergangenen Jahr die maltesische Investigativ-Journalistin Daphne Caruana Galizia und im Februar der Slowake Jan Kuciak erschossen worden.

Weltweit starben nach Angaben von "Reportern ohne Grenzen" im vergangenen Jahr 44 Medienschaffende in Gebieten mit bewaffneten Konflikten, 36 außerhalb solcher Gebiete. Wie schon im Vorjahr war Mexiko das Land ohne bewaffneten Konflikt, in dem die meisten Journalisten ermordet wurden.

Gezielt ermordet

49 der getöteten 80 Medienschaffenden seien wegen ihrer journalistischen Tätigkeit gezielt ermordet worden, heiß es. Die übrigen 31 seien im Einsatz ums Leben gekommen. Unter den Getöteten waren laut "Reporter ohne Grenzen" 63 professionelle Journalisten, 13 Bürgerjournalisten sowie vier Tontechniker und Fahrer. Drei der Getöteten waren demnach Frauen. In den vergangenen zehn Jahren seien weltweit 702 professionelle Journalisten getötet worden, hieß es weiter.

Die Zahl getöteter Bürgerjournalisten habe sich im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt, von sieben auf 13, erklärte "Reporter ohne Grenzen". Bürgerjournalisten spielten gerade in Ländern mit autoritären Regimen und Kriegsländern eine immer wichtigere Rolle in der Berichterstattung, denn viele Regionen seien für professionelle Journalisten dort kaum zugänglich.

Verbrechen konsequent ahnden

Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Menschenrechte und humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Brand, erklärte, die Berufung eines UN-Sonderbeauftragten sei aufgrund der zunehmenden Bedrohung von Medienschaffenden und der wachsenden Einschränkung von Presse- und Meinungsfreiheit weltweit dringend geboten. Verbrechen gegen Journalisten müssten konsequent geahndet werden. Die medienpolitische Sprecherin der Grünen, Margit Stumpp, forderte die Bundesregierung auf, sich endlich auf internationaler Ebene für einen Sonderbeauftragten starkzumachen.

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