Trisomie-Test: Ärzte wollen Bedingungen für Kassenleistung

Bluttests bei Schwangeren, die Auskunft über eine mögliche Trisomie beim ungeborenen Kind geben, könnten bald Kassenleistung sein. Pränatalmediziner warnen vor einem "Massen-Screening". Sie wollen das Angebot an Bedingungen knüpfen.

In der Diskussion um eine mögliche Kostenübernahme für Gen-Tests an Schwangeren durch die Krankenkassen haben Pränatalmediziner enge Voraussetzungen gefordert. Die Nicht-invasive Pränataldiagnostik (NIPD) sei in bestimmten Fällen sinnvoll, müsse aber in der gesamten Vorsorge eingebettet sein, um zu rechtfertigen, dass die Allgemeinheit die Kosten trägt, sagte der Präsident des Berufsverbandes niedergelassener Pränatalmediziner, Alexander Scharf, am Donnerstag in Berlin. Der Verband fordert eine verpflichtende Beratung vor dem Test und dass sie nur bei Risikogruppen auf Kosten der Kasse angewendet werden.

Der zuständige Gemeinsame Bundesausschuss prüft derzeit, ob der Test, der anhand des Bluts der Schwangeren mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit darüber Auskunft gibt, ob ein Kind Trisomie 21, 13 oder 18 hat, von den Krankenkassen übernommen werden soll. Derzeit müssen werdende Mütter die Kosten von etwa 200 Euro selbst tragen. Der Test birgt kein Risiko im Unterschied zu Fruchtwasseruntersuchungen, mit denen ein hohes Fehlgeburtsrisiko einhergeht.

Scharf argumentierte allerdings, nur die Untersuchung des Fruchtwassers, die von den Kassen bislang übernommen wird, sei mit einer Diagnose verbunden. Für eine eindeutige Aussage müsse diese Methode ergänzend ohnehin dazugezogen werden. Der Arzt aus Darmstadt forderte eine gesellschaftliche Debatte über den Test, der nach seiner Einschätzung falsch wahrgenommen wird. "Für die Frage, ob ein Kind gesund ist, ist es der falsche Test", sagte er. Diese Erwartung hätten aber viele.

Test sei "Opener"

Zudem vermutet er für die Zukunft eine Ausweitung auf andere Gen-Tests. Es gebe dabei eine große Dynamik. Der jetzt diskutierte Test sei ein "Opener", sagte Scharf.

Die Pränatalmedizinerin Nilgün Dutar sagte, viel wichtiger für die Beurteilung des Zustands des Ungeboren sei das Screening im ersten Schwangerschaftstrimester mit der Nackenfaltenmessung. Sie kostet nach Angaben des Verbands ebenfalls rund 200 Euro und wird nicht von den Kassen übernommen. Wesentlich häufigere Auffälligkeiten wie Herzfehler würden dort erkannt.

Die Züricher Ärztin und Ethikerin Tanja Krones sagte, in der Schweiz sei der Bluttest auf Trisomie Kassenleistung, "aber nicht für alle". Auch für eine deutsche Regelung schlägt Scharf vor, den Test nur für die Schwangeren zur Kassenleistung zu machen, die eine besondere Indikation haben. Alle anderen, die den Test trotzdem machen wollen, müssten ihn dann weiter selbst bezahlen, erläuterte Scharf.

Beratung von Schwangeren müsse verbessert werden

Die Grünen-Politikerin Corinna Rüffer begrüßte die Stellungnahme der Mediziner. Es sei gut, dass sie die Kostenübernahme kritisch sehen würden "und die Schleusen dafür nicht gänzlich öffnen" möchten, sagte die Bundestagsabgeordnete dem epd. "Die Beratung von Schwangeren muss in jedem Fall verbessert werden", fügte sie hin. Sie lehnt nach eigener Aussage die Übernahme der Tests in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen ab.

Rüffer gehört zu einer Gruppe von mehr als 100 Abgeordneten, die eine ethische Debatte im Parlament über die Tests einfordern. Experten rechnen damit, dass der Bundesausschuss die Gen-Tests zur Kassenleistung machen wird. Die Debatte hat bereits an Fahrt aufgenommen. Kürzlich stellte die Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eine Stellungnahme vor, in der sie sich für die Kostenübernahme durch Kassen, gleichzeitig aber für eine umfassende - allerdings nicht verpflichtende - Beratung der Schwangeren ausspricht.

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