Geld für Familien kommt bei Kindern an

epd-bild / Jens Schlüter

Babykonzert des Gewandhausorchesters Leipzig für Familien mit kleinen Kindern (Archiv-Bild)

Babykonzert des Gewandhausorchesters Leipzig für Familien mit kleinen Kindern (Archiv-Bild)

Das Vorurteil von einkommensschwachen Eltern, die das Kindergeld für Zigaretten und Bier ausgeben, ist laut einer Studie nicht haltbar. Demnach kommen Direktzahlungen wirklich bei den Kindern an. Dagegen werden zweckgebundene Mittel kaum angenommen.

Die meisten Eltern in Deutschland geben das Kindergeld einer Studie zufolge tatsächlich für ihren Nachwuchs aus. Wie eine am Mittwoch in Gütersloh veröffentlichte Untersuchung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung ergab, investierten Mütter und Väter das Geld vor allem in größere Wohnungen, aber auch in bessere Betreuung, Bildung und die Hobbys der Kinder. Das Vorurteil, dass staatliche Zahlungen für Alkohol, Tabak oder Unterhaltungselektronik "zweckentfremdet" werden, beruhe allein auf Einzelfällen, erklärte die Stiftung. Sozialverbände sehen sich durch die Studie in ihren Forderungen bestätigt.

Untersucht wurde die Verwendung des Kindergeldes und des in einigen Bundesländern gezahlten Landeserziehungsgeldes für den Zeitraum von 1984 bis 2016. Je 100 Euro Kindergeld steige die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind eine Kita besucht, um fünf Prozentpunkte, heißt es in der Studie. Die Zahlungen führten auch dazu, dass Kinder häufiger zum Sport (plus acht Prozentpunkte) oder zum Musikunterricht (plus elf Prozentpunkte bei Mädchen und Jungen zwischen sechs und 16 Jahren) gingen.

"Direkte finanzielle Leistungen für Familien sind sinnvoller als aufwendig zu beantragende Sachleistungen", sagte der Vorstand der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger. Bei zweckgebundenen Leistungen wie dem Bildungs- und Teilhabepaket legten jüngste Untersuchungen nahe, dass rund 30 Prozent der Mittel in den Verwaltungsaufwand flössen. Zudem beantragen viele Bedürftige die Mittel erst gar nicht.

Investitionen in Kitas und Schulen

Dräger forderte eine grundlegende Reform der Familienförderung, etwa durch ein Teilhabegeld, für das die Bertelsmann Stiftung und Wohlfahrtsverbände seit Jahren werben. Darin sollen bisherige Leistungen wie das Kindergeld, Teile des Bildungs- und Teilhabepakets, der Kinderzuschlag für Geringverdiener und die Grundsicherung für Kinder gebündelt werden. Das Teilhabegeld solle mit steigendem Einkommen der Eltern sinken und so gezielt Kinder aus ärmeren Familien unterstützen, erläuterte Dräger. Unerlässlich seien darüber hinaus Investitionen in Kitas und Schulen sowie Beratungsangebote für Eltern, Kinder und Jugendliche.

Auch der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks, Holger Hofmann, betonte: "Es bleiben keine Ausreden mehr, um Kinder finanziell so abzusichern, dass sie unabhängig von dem Einkommen ihrer Eltern gut aufwachsen können." Neben der Einführung einer Kindergrundsicherung müsse das System der Familienförderung entbürokratisiert werden. Viele Menschen verzweifelten an der Undurchsichtigkeit des Systems und beantragten Leistungen nicht, die ihnen zustünden, beklagte Hofmann.

Chancengleichheit für Kinder

Die Diakonie Deutschland erklärte, die Studie zeige, dass nicht die Eltern das Problem seien, sondern die unzureichenden Instrumente zur Bekämpfung von Kinderarmut. "Die gerade beschlossene Erhöhung des Kindergeldes kommt bei Familien, die Hartz IV beziehen, und bei vielen Alleinerziehenden erst gar nicht an, denn es wird mit dem Arbeitslosengeld II und dem Unterhaltsvorschuss verrechnet", kritisierte Diakonie-Präsident Ulrich Lilie.

Der Sozialverband VdK hält sowohl Geld- als auch Sachleistungen für wichtig, um Chancengleichheit für Kinder zu schaffen. So brauche es neben materiellen Mitteln auch ausreichende und kostenlose Betreuungs-, Bildungs- und Freizeitangebote. Der Deutsche Familienverband sieht seine Erfahrungen durch die Studie bestätigt. Fälle, in denen Eltern staatliche Transfermittel für Alkohol oder Tabak ausgäben, seien die Ausnahme und nicht die Regel. Es sei falsch, arme Familien unter Generalverdacht zu stellen, sagte Verbandsvizepräsident René Lampe.

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