Pogrom-Gedenken: Schuster geißelt AfD als "geistige Brandstifter"

epd-bild / Ralf Maro/version

Die Berliner Synagoge Rykestraße blieb in der Pogromnacht vom 9. November 1938 von weitgehenden Zerstörungen verschont.

Die Berliner Synagoge Rykestraße blieb in der Pogromnacht vom 9. November 1938 von weitgehenden Zerstörungen verschont.

Beim Gedenken zum 80. Jahrestag der nationalsozialistischen Reichspogromnacht hat der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, die AfD scharf kritisiert.

Zum 80. Jahrestag der nationalsozialistischen Reichspogromnacht haben am Freitag Vertreter des Judentums, von Bundesregierung, Bundestag, Kirchen und Gesellschaft in Berlin in einer zentralen Gedenkveranstaltung an die jüdischen Opfer des 9. November 1938 erinnert. An dem Gedenken in der Synagoge Rykestraße nahmen neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (beide CDU) auch zahlreiche Abgeordnete der Bundestagsfraktionen teil. Ausdrücklich nicht eingeladen hatte der Zentralrat der Juden als Hausherr Vertreter der AfD.

Zentralrats-Präsident Josef Schuster kritisierte die Partei als "geistige Brandstifter", die die Hetze gegen Flüchtlinge, Muslime und Juden perfektioniert habe. "Vor nichts haben sie Respekt. Sie instrumentalisieren die mutigen Widerstandkämpfer der Weißen Rose für ihre Zwecke. Sie verhöhnen die Opfer und Überlebenden der Schoah, indem sie die NS-Verbrechen relativieren. Sie betreiben Geschichtsklitterung und wollen unsere Gedenkkultur zerstören", sagte Schuster in seiner Ansprache.

"Wir müssen mutig sein"

"Es wäre für die jüdische Gemeinschaft unerträglich gewesen, heute, 80 Jahre nach der Pogromnacht, Vertreter dieser Partei unter uns zu wissen", betonte der Zentralratspräsident. "Daher haben wir diese Fraktion als einzige des Deutschen Bundestags nicht eingeladen."

Dass in Deutschland 2018 wieder jüdische Restaurants angegriffen und Flüchtlinge attackiert würden sowie Brandanschläge auf Asylunterkünfte stattfänden, bezeichnete Schuster als Schande für das Land. Diese Kräfte, die Hass und Hetze verbreiteten, dürften nicht noch mehr an Boden gewinnen: "Sie müssen so weit zurückgedrängt werden, bis sie ganz in der Versenkung verschwinden."

"Wir haben in den vergangenen Jahren die Demokratie und den Rechtsstaat als etwas Selbstverständliches hingenommen, vielleicht als etwas zu Selbstverständliches", mahnte Schuster. Doch mittlerweile sei zu spüren, dass Demokratie kein Selbstläufer sei: "Wir müssen etwas dafür tun. Wir müssen mutig sein. Und sowohl die nachwachsenden Generationen als auch die Menschen aus anderen Kulturen und politischen Systemen müssen wir zu überzeugten Demokraten machen."

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