Lesben- und Schwulenverband: Papst soll liberale Kräfte stärken

epd-bild/Andrea Enderlein

Schwules Paar

Schwules Paar

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) hat Papst Franziskus dazu aufgerufen, die liberalen Kräfte in seiner Kirche beim Thema Homosexualität zu stärken. Noch 2016 habe der Papst in seinem Schreiben "Amoris laetitia - Über die Liebe in der Familie" verkündet, dass jeder "Mensch, unabhängig von seiner sexuellen Orientierung, in seiner Würde geachtet und mit Respekt aufgenommen werden soll", erklärte Henny Engels aus dem LSVD-Bundesvorstand am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin auf Anfrage. Anlass sind irritierende Aussagen des Papstes auf dem Rückflug von Dublin vom Weltfamilientreffen nach Rom am Sonntagabend.

Vatikan relativiert Aussagen des Papstes

Auf dem Flug hatte der Papst vor Journalisten dafür plädiert, dass Eltern, deren Kinder sich zur Homosexualität bekennen, diese nicht verurteilen, sondern mit ihnen sprechen, ihnen Raum geben und sie nicht wegschicken. Allerdings bemerkte der Papst Medienberichten zufolge auch, wenn sich "diese Unruhe" bereits in der Kindheit zeige, könne viel mit Hilfe der Psychiatrie getan werden. Dies sei im Fall von jungen Menschen im Alter von 20 Jahren anders. Unterdessen hat der Vatikan die Aussagen des Papstes relativiert.

In seinem Schreiben "Amoris laetitia", erinnerte jetzt der Lesben- und Schwulenverband, habe der Papst dazu aufgerufen, dass jeder Mensch, unabhängig von seiner sexuellen Orientierung, weder ungerecht zurückgesetzt werden dürfe und man niemanden mit Aggression und Gewalt begegnen dürfe. "Wir möchten den Heiligen Vater an diese Aussage erinnern und ihn bekräftigen, seinen öffnenden Kurs weiter zu verfolgen", fügte Engels hinzu: "Die katholische Kirche muss besonders heute den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken und darf sich nicht auf die Seite derer stellen, die mit Hass und Hetze Stimmungen gegen Lesben und Schwule machen und die Gesellschaft spalten wollen."

Barmherzigkeit mit allen Menschen

Franziskus hatte 2013 kurz nach seiner Wahl zum Papst Aufsehen erregt, als er auf dem Rückflug von einer Brasilienreise sagte: "Wenn jemand schwul ist und den Herrn sucht, wer bin ich, ihn zu verurteilen?" Die katholische Familienlehre, nach der die Ehe heterosexuellen Paaren vorbehalten ist, lockerte er jedoch nicht. Franziskus forderte stattdessen Barmherzigkeit mit allen Menschen.

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