EKD-Chef in Amsterdam: Nicht mit Spaltung der Kirchen abfinden

epd-bild/Cristian Gennari/Agenzia Siciliani

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat anlässlich des 70-Jahr-Jubiläums des Weltkirchenrates in Amsterdam die Fortschritte der Ökumene gewürdigt.

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) sei die Antwort auf die Spaltung der Kirchen, sagte Bedford-Strohm am Donnerstag in der niederländischen Hauptstadt. "Es gibt keinen katholischen Christus, keinen orthodoxen Christus und keinen protestantischen Christus! Es gibt nur den einen Jesus Christus, der uns alle vereint. Wenn wir uns abfinden mit der Spaltung der Kirchen, verraten wir unseren Herrn Jesus Christus!"

Der ÖRK wurde am 23. August 1948 in Amsterdam gegründet. Er ist eine Gemeinschaft aus 350 Mitgliedskirchen, die insgesamt mehr als eine halbe Milliarde Christen zählt. Die römisch-katholische Kirche ist nicht Mitglied.

Er sei dankbar, "dass wir das Reformationsjubiläum 2017 zum ersten Mal in der Geschichte der letzten 500 Jahre nicht feierten, um protestantische Identität durch die Herabwürdigung anderer zu beweisen, sondern als einen ökumenischen Ruf, Christus wiederzuentdecken, so wie Martin Luther selbst danach strebte, Christus wiederzuentdecken", fügte Bedford-Strohm hinzu, der auch bayerischer Landesbischof ist. Konfessionelle Traditionen könnten niemals etwas anderes sein, "als ein Fingerzeig auf unseren Herrn Jesus Christus".

"ÖRK soll Spaltungen überwinden"

In vielen Teilen der Welt sei zu beobachten, wie politische Bewegungen zunehmen, die in ihren Programmen Spaltung, Intoleranz und die Verherrlichung ihrer eigenen Nation propagieren, so Bedford-Strohm: "Jahrzehnte eines stabilen gesellschaftlichen Konsenses haben ihre Macht verloren. Nationalismus, Rassismus und Ausgrenzung von Gruppen von Menschen scheinen plötzlich legitime Werkzeuge im politischen Wettbewerb zu sein – sogar im Zentrum der sogenannten freien Welt." Der Ökumenische Rat der Kirchen sei vor 70 Jahren gegründet worden, um genau solche Spaltungen zu überwinden, die zu einem schrecklichen Weltkrieg mit vielen Millionen Opfern geführt hatten.

Frömmigkeit sei eine "mächtige Kraft, um politisch zu werden", betonte Bedford-Strohm nach seinem Redemanuskript. "Wenn wir vom Leiden der Welt und unserer geringsten Brüder und Schwestern wirklich bewegt werden, müssen wir uns einmischen, um dieses Leiden zu überwinden – und wenn die Gründe für dieses Leiden politisch sind, müssen wir zu einer öffentlichen Kirche werden, die Position bezieht, wenn es in öffentlichen Debatten zu Fragen geistlicher und ethischer Führung kommt", sagte der evangelische Sozialethiker. Viele dieser Fragen könnten nur auf globaler Ebene verhandelt werden. Darum müsste der ÖRK jetzt dringend erfunden werden, wenn es ihn nicht schon gäbe.

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