Landtagspräsident bittet Ramstein-Opfer um Vergebung

epd-bild / view / Sabine Blatt

Gedenkstein für die Opfer der Flugkatastrophe auf der Air Base in Ramstein

Gedenkstein für die Opfer der Flugkatastrophe auf der Air Base in Ramstein

Der rheinland-pfälzische Landtagspräsident Hendrik Hering (SPD) hat die Opfer der Flugkatastrophe von Ramstein von 1988 für die mangelhafte politische Aufarbeitung der Geschehnisse um Vergebung gebeten.

"Einige Angehörige klagen bis heute, nicht mit dem Unglück abschließen zu können, weil niemand die Verantwortung übernommen hat", sagte er am Mittwoch in einer Gedenkstunde zum 30. Jahrestag des Unglücks im Mainzer Landtag. Die Hinterbliebenen hätten nie eine Entschuldigung von offizieller Seite erhalten.

Auch hätten sich Verletzte und Hinterbliebene "an schier unüberwindbaren Hürden abarbeiten" müssen, um eine Entschädigung zu erhalten. "Daran sind viele Opfer fast verzweifelt", sagte Hering, "sie fühlten sich im Stich gelassen." Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) erklärte in einer Ansprache, Rheinland-Pfalz werde das Unglück niemals vergessen. Nach der Flugkatastrophe auf dem US-Militärstützpunkt in der Westpfalz seien die richtigen Schlussfolgerungen gezogen worden: Im Rettungswesen, bei der Organisation von Großveranstaltungen und mit dem Aufbau der Notfallseelsorge habe es weitreichende Reformen geben.

Treffen der Hinterbliebenen

Die Psychologin Sybille Jatzko sagte bei der Gedenkfeier, dass auch nach 30 Jahren viele Opfer der Flugkatastrophe nicht mit den Ereignissen abgeschlossen hätten. Insbesondere für Menschen, die ihre Kinder in Ramstein verloren hatten, seien die Treffen der Hinterbliebenen noch immer wichtig. Einige hätten den Tod ihrer Familienmitglieder nie verwunden und seien an den Folgen der Flugkatastrophe zugrunde gegangen. Jatzko hatte gemeinsam mit ihrem Mann kurz nach dem Unglück die ehrenamtliche Trauerbegleitung für Angehörige der ums Leben gekommenen Flugschau-Besucher organisiert.

Ministerpräsidentin Dreyer kündigte in ihrer Rede auch an, dass es in Rheinland-Pfalz künftig einen Opferbeauftragten geben soll, der den Betroffenen bei möglichen künftigen Unglücken oder Naturkatastrophen zur Seite stehen werde. Das Amt, dessen Einrichtung ursprünglich die CDU-Opposition gefordert hatte, soll der Präsident des Landessozialamtes, Detlef Placzek, übernehmen.

Chaotische Szenen

Am 28. August 1988 waren bei einer Flugschau auf dem US-Militärstützpunkt Ramstein drei Maschinen der italienischen Kunstflugstaffel "Frecce Tricolori" zusammengestoßen. Eine der Maschinen stürzte nach der Kollision brennend in die Zuschauermenge. Dabei kamen 70 Menschen ums Leben, etwa 1.000 wurden verletzt, rund 450 von ihnen schwer. Nach dem Unglück spielten sich auf dem Militärflughafen chaotische Szenen ab, weil es keinen abgestimmten Notfallplan gab und deutsche Rettungskräfte nicht sofort zum Unglücksort vorgelassen wurden.

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