Mehr als eine Million Flutopfer in Notlagern in Südindien

Nach den schlimmsten Überschwemmungen in 100 Jahren sind im südindischen Bundesstaat Kerala mehr als eine Million Menschen obdachlos. Zugleich lehnte die indische Regierung laut lokalen Medienberichten am Mittwoch jede finanzielle Unterstützung aus dem Ausland ab.

Indien hat seit der Tsunami-Katastrophe 2004 keine ausländischen Hilfsgelder mehr angenommen. Anfang der Woche hatte die Regierung in Neu-Delhi die Überschwemmungen in Kerala zur nationalen Katastrophe erklärt. Die Zahl der Menschen in den mehr als 5.000 Notlagern liegt mittlerweile bei über einer Million. Die Rettungsarbeiten waren am Mittwoch in den meisten Gebieten allerdings abgeschlossen. Nur einige Teile, wie der Idukki-Distrikt, waren wegen Erdrutschen und Schlammlawinen immer noch weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten.

Seit dem 9. August kamen in Kerala mehr als 200 Menschen ums Leben. Insgesamt wurden aus dem Bundesstaat in diesem Jahr schon mehr als 400 Tote aufgrund von Fluten gemeldet. Die Überschwemmungen hatten das Leben in Kerala, das wegen seines tropischen Klimas, seiner malerischen Kanäle und Palmenstrände mehr als eine Million Touristen pro Jahr anzieht, weitgehend lahmgelegt. Als Folge eines anhaltenden Tiefdruckgebietes waren in den vergangenen zweieinhalb Monaten in Kerala fast 40 Prozent mehr Niederschlag gefallen als normalerweise üblich.

Image als aufstrebende Wirtschaftsmacht

Die Vereinigten Arabischen Emirate boten Indien fast 100 Millionen US-Dollar (rund 87 Millionen Euro) für die Flutopfer in Kerala angeboten. Das Emirat Katar offerierte um die fünf Millionen US-Dollar. Mehr als eine Millionen Menschen aus Kerala arbeiten in den beiden Golf-Staaten. Indien hat jedoch seit 14 Jahren bei Katastrophen keine finanzielle Hilfe mehr als dem Ausland akzeptiert, um sein Image als aufstrebende Wirtschaftsmacht nicht zu gefährden.

Derweil kritisierten Umweltexperten, dass die Regierung aus wirtschaftlichen Interessen den Bau neuer Kraftwerke, Kohlebergwerke, Hotelanlagen und Wohnkomplex gefördert habe, während sie die Warnungen vor Umweltproblemen ignoriert habe. Seen und Sümpfe, die vormals in der Lage gewesen wären, überschüssiges Regenwasser aufzunehmen, seien trockengelegt und bebaut worden. In einem Bericht von 2011 waren die Ökologen Muralee Thummarukudy und Madhav Gadgil zu dem Schluss gekommen, dass eine außergewöhnlich heftige Regenzeit unvermeidlich und dass Kerala nicht auf eine solche Katastrophe vorbereitet sei. In Indien sind in der diesjährigen Regenzeit, die im Juni begann, insgesamt rund 1.000 Menschen an den Folgen von Überschwemmungen gestorben.

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