Mexiko steht vor Schicksalswahl

epd-bild / Meinolf Koessmeier

Dorfplatz im mexikanischen Ort Cherán, acht Autostunden westlich von Mexiko-Stadt (Archivbild)

Dorfplatz im mexikanischen Ort Cherán, acht Autostunden westlich von Mexiko-Stadt (Archivbild)

Nach einem von Gewalt überschatteten Wahlkampf sind am Sonntag mehr als 70 Millionen Mexikaner aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen.

Als aussichtsreichster Kandidat gilt der Linkspolitiker Andrés Manuel López Obrador, der in Umfragen bei rund 49 Prozent der Stimmen liegt. Der ehemalige Bürgermeister von Mexiko-Stadt verspricht einen Kampf gegen die "Mafia der Korruption" und Sozialprogramme und will das Land befrieden. Im Wahlkampf wurden mehr als 120 Politiker ermordet.

Neben dem Staatsoberhaupt bestimmen die Mexikaner auch ein neues Parlament und neue Bürgermeister. Im Rennen um die Präsidentschaft liegt Ricardo Anaya von der konservativen PAN-Partei auf Platz zwei: Er kann laut Umfragen mit rund 29 Prozent der Stimmen rechnen. Es folgt abgeschlagen mit rund 20 Prozent José Antonio Meade, der für die Regierungspartei PRI antritt. Wer am Sonntag die meisten Stimmen erhält, ist gewählt. Das mexikanische Wahlrecht sieht keinen zweiten Wahlgang vor.

Das gewalttätigste Jahr seiner neueren Geschichte

Amtsinhaber Enrique Peña Nieto (PRI), der sich laut Verfassung nicht zur Wiederwahl stellen darf, ist es in den sechs Jahren seiner Amtszeit nicht gelungen, Mexiko von der Gewalt der Drogenkartelle zu befreien. 2017 erlebte das Land das gewalttätigste Jahr seiner neueren Geschichte. Mehr als 25.000 Menschen kamen im Zuge des Drogenkriegs ums Leben. Auch der Wahlkampf war von Gewalt und Einschüchterungen gezeichnet. In den ersten sechs Monaten des Jahres stieg die Mordrate nochmals um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an.

López Obrador, der sich im Wahlkampf nach den Anfangsbuchstaben seines Vornamens AMLO nennt, will die Korruption bei Polizei und Justiz abstellen und in Bildung und Gesundheit investieren. Unter den mehr als 50 Millionen armen Mexikanern setzen viele auf ihn große Hoffnungen. Seine Gegner werfen ihm Populismus vor und warnen davor, dass Mexiko ein zweites von Misswirtschaft geprägtes Venezuela werden könnte. Es ist der dritte Anlauf von López Obrador für das Präsidentenamt.

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