ELN-Guerilla kündigt Waffenpause für Stichwahl in Kolumbien an

Am Sonntag wählen die Kolumbianer einen neuen Präsidenten.
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In Kolumbien hat die letzte noch aktive Guerillagruppe ELN für die bevorstehende Stichwahl um das Präsidentenamt eine einseitige Waffenruhe verkündet. Vom 15. bis 19. Juni werde es keine militärischen Aktivitäten geben, erklärte die ELN am Montag. Die Abstimmung findet am Sonntag statt.

Nachfolger für Juan Manuel Santos gesucht

Regierung und ELN-Guerilla hatten Mitte Mai in der kubanischen Hauptstadt Havanna ihre seit vielen Wochen unterbrochenen Friedensverhandlungen wieder aufgenommen. Nach Angriffen der ELN auf Militärposten und Infrastruktur zu Beginn dieses Jahres unterbrach Präsident Juan Manuel Santos die Verhandlungen. Bereits zum ersten Wahlgang Mitte Mai erklärte die ELN eine einseitige Waffenruhe. Der Dialog zwischen Regierung und den linken Rebellen begann im Februar 2017.

Im zweiten Wahlgang treten der Rechtsaußen Iván Duque und der einstige Guerillero Gustavo Petro gegeneinander an. Im Umfragen liegt Duque mit rund zehn Prozentpunkten vorne. Er plädiert für Änderungen im Friedensvertrag mit der Farc-Guerilla, lehnt die laufenden Verhandlungen mit der ELN ab und vertritt streng konservative Werte. Petro, ehemaliger Bürgermeister der Hauptstadt Bogotá, präsentiert sich als Alternative zur traditionellen Politik und besetzt neue Themen wie Tierschutz und die Rechte Homosexueller. Santos kann nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten.

Gewalt bedroht Friedensprozess

Mit der größeren Farc-Guerilla unterzeichnete der kolumbianische Regierung bereits Ende 2016 ein Friedensabkommen, was Santos den Friedensnobelpreis einbrachte. Seit der Entwaffnung der Kämpfer rivalisieren allerdings kriminelle Gruppen, Paramilitärs, Dissidenten der einstigen Farc und teils auch die ELN-Guerilla um die Kontrolle in den von der Farc verlassenen Gebieten. Gewalt gegen die Bevölkerung und die Verfolgung von Aktivisten in diesen Regionen bedrohen den Fortbestand des Friedensprozesses.

Der Konflikt zwischen der Regierung, mehreren Rebellengruppen und paramilitärischen Todesschwadronen entzündete sich in den 60er Jahren an Landkonflikten und sozialer Ungerechtigkeit. Seither wurden etwa 300.000 Menschen getötet, mindestens sieben Millionen Kolumbianer mussten fliehen.

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