Haseloff: Ost-West-Unterschiede auch noch in 100 Jahren

epd-bild/Jens Schlueter

Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt

Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt

Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland werden nach Auffassung von des sachsen-anhaltinischen Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU) noch in 100 Jahren spürbar sein.

Bei vielen Indikatoren bleibe die alte DDR-Grenze bis heute "komplett abgebildet", sagte Haseloff am Mittwochabend in Leipzig. "Und das ist auch in den nächsten 100 Jahren nicht glatt zu streichen", fügte er hinzu.

Mit Blick auf die Unterschiede bei Einkommen, Renten oder Tarifverträgen in Ost und West sagte Haseloff: "Wir haben in vielen Bereichen ein juristisch geteiltes Land." Das werde "bis zum Ende des Jahrhunderts immer noch an der DDR-Grenze festmachbar" bleiben. Haseloff äußerte sich bei einer Veranstaltung von "Zeit" und "Zeit"-Stiftung zum Thema "Braucht Deutschland wirklich eine Ost-Quote?".

Faire Bildungschancen

Die Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Karola Wille, sagte, um Ostdeutsche in Führungspositionen zu bringen, brauche es faire Bildungschancen und Möglichkeiten des Aufstiegs. Hier seien viele Faktoren entscheidend, wie etwa die soziale Situation, betonte Wille. Mit Blick auf den Gleichheitsgrundsatz in Artikel 3 des Grundgesetzes ergänzte sie: Eine Quote für ostdeutsche Führungskräfte würde "wahrscheinlich schon rechtlich scheitern".

Haseloff sagte, er fände es schade, dass Ostdeutsche in Führungspositionen bundesweit unterrepräsentiert seien, habe aber persönlich kein Interesse daran, "seine Sozialisation einebnen zu lassen". Ob ein Bewerber etwa in einem Bundesministerium zum Zuge komme, entscheide in der Regel ein Personalverantwortlicher, "der zu 100 Prozent aus dem Westen kommt", erklärte Haseloff.

Dieser lege Kriterien an, die seinen eigenen Erfahrungen entsprächen und nehme am Ende denjenigen, "der so ist wie er", so Haseloff weiter. Hier müsse man sensibilisieren, "dass Anders-Sein nicht unbedingt ein Defizit in einem Unternehmen sein muss, sondern Komplettierung, Pluralität und Stärke", sagte der Politiker.

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