Missbrauch: Alle katholischen Bischöfe in Chile bieten Rücktritt an

epd-bild/Cristian Gennari

Papst Franziskus

Papst Franziskus

Alle 34 katholischen Bischöfe in Chile haben nach einem Krisentreffen mit Papst Franziskus über einen Missbrauchsskandal in dem südamerikanischen Land ihren Rücktritt angeboten.
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"Wir kündigen an, dass alle in Rom anwesenden Bischöfe ihre Ämter in die Hände des Heiligen Vaters gelegt haben, damit er frei über jeden von uns entscheiden kann", heißt es in einer am Freitag in Rom veröffentlichten Erklärung. Der chilenische Sender "T13" berichtete zudem über ein Geheimpapier, das Papst Franziskus den Bischöfen während des dreitägigen Treffens übergeben habe.

In dem Schreiben bezeichnet der Papst die Missbrauchsfälle als eine "offene schmerzende Wunde", die bisher nicht richtig behandelt worden sei. Die Probleme der chilenischen Kirche ließen sich nicht einfach durch Rücktritte lösen, heißt es weiter. "Wir müssen weiter gehen. Es wäre unverantwortlich von uns, nicht tiefer in die Wurzeln und Strukturen zu blicken, die diese konkreten Ereignisse geschehen ließen."

Ob Franziskus die Rücktrittsgesuche annimmt, war am Freitag unklar. In einem zweiten, vom Vatikan veröffentlichten Brief, sprach Franziskus von Wiedergutmachung und dankte den Bischöfen für die Gesprächsbereitschaft.  

Jahrelange Vertuschung

In Chile soll ein Priester, der Kinder sexuell missbraucht hat, jahrelang gedeckt worden sein. Auch Franziskus war wegen seines Umgangs mit den Missbrauchsfällen scharf in die Kritik geraten. In einem Brief an die chilenischen Bischöfe hatte sich der Papst vor wenigen Wochen entschuldigt und "schwerwiegende Fehler" bei der Beurteilung von Missbrauchsfällen eingestanden. Aufgrund eines Mangels an "ausgewogenen Informationen" habe er sich ein falsches Bild von der Situation gemacht.

Während seiner Chile-Reise Anfang des Jahres hatte Franziskus die Vorwürfe zunächst als "Verleumdung" zurückgewiesen, wenig später aber bedauert, dadurch mögliche Opfer verletzt zu haben. Der ehemalige Chefermittler des Vatikans bei Missbrauchsfällen, der maltesische Erzbischof Charles Scicluna, wurde beauftragt, Opfer und Zeugen in Chile anzuhören, und erstellte einen Bericht.

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