Hebammenverband: Arbeit in Kliniken attraktiver machen

epd-bild / Rolf Zöllner

Protest für die bundesweite Hebammenversorgung in Berlin 2014

Protest für die bundesweite Hebammenversorgung in Berlin 2014

Der Deutsche Hebammenverband fordert deutlich bessere Arbeitsbedingungen in der Geburtshilfe. "Die einzigartige Hilfe von Hebammen muss gesichert werden. Es ist nicht egal, wie wir geboren werden", sagte Verbandspräsidentin Ulrike Geppert-Orthofer.
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Die Geburtshilfe sei seit Jahren unterfinanziert und der Personalmangel steige. Die Arbeitsbedingungen insbesondere in Kliniken hätten sich verschlechtert, sagte die Expertin aus Anlass des Hebammentages am 5. Mai. Die Grünen forderten Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf, rasch für Verbesserungen zu sorgen.

Unregelmäßige Arbeitszeiten und eine geringe Entlohnung halten Hebammen nach eigenen Angaben von der Arbeit in Geburtshilfeabteilungen an Kliniken ab. Das geht aus einer Umfrage hervor, die die Deutsche Hebammenhilfe am Donnerstag in Berlin veröffentlichte. Interviewt wurden mehr als 100 Experten aus Krankenhäusern zum Thema Personalpolitik. Ziel war es, die Angebote der Kliniken mit den Ansprüchen von Hebammen und Entbindungspflegern an einen Arbeitsplatz abzugleichen.

Hohe emotionale Belastung

Laut Hebammenverband steht die Geburtshilfe in Deutschland vor zahlreichen Schwierigkeiten. Immer mehr Kreißsäle müssten schließen. Der Verbleib von Hebammen in ihrem Beruf ist mittlerweile kurz: bei durchschnittlich nicht mehr als sieben Jahren. Der aktuelle Hebammenmangel könne nur behoben werden, wenn sich die Arbeitsbedingungen verbessern, hieß es. Der Hebammenverband fordert dafür unter anderem eine bundesweit einheitliche Planung und neue Konzepte für die Versorgung rund um die Geburt, eine Personalbemessung in den Kreißsälen und weniger fachfremde Tätigkeiten für Hebammen.

Laut der Deutschen Hebammenhilfe wissen die Kliniken sehr genau, was Hebammen an der Jobsituation in der klinischen Geburtshilfe stört. Vor allem wurden von potenziellen Bewerbern familienunfreundliche Arbeitszeiten (69 Prozent) und eine geringe Entlohnung (64 Prozent) genannt. Als Hemmnisse, ein Angestelltenverhältnis einzugehen, wurden auch eine zu hohe emotionale Belastung der Hebammen und eine große Verantwortung angeführt (beide je 45 Prozent).

"Der Löwenanteil der jährlich über 760.000 Geburten in Deutschland wird zu fast 80 Prozent von angestellten Hebammen gestemmt", erklärte Florian Schwarz, Vorsitzender der Deutschen Hebammenhilfe. "Aber nur rund 9.300 der 24.000 deutschen Hebammen arbeiten als Angestellte in der Geburtshilfe." Das sei ein dramatisches Ungleichgewicht. Entschieden sich Hebammen erst einmal für die Selbstständigkeit, dann kehrten sie der aktiven Geburtshilfe meist den Rücken: "Umso wichtiger ist es, dass die Geburtskliniken dafür sorgen, die Arbeitsbedingungen im Kreißsaal spürbar attraktiver zu gestalten."

Jedes Jahr im Mai

Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, unterstützte die Forderungen der Verbände. Die Situation in der Geburtshilfe sei unverantwortlich. "Wir fordern Gesundheitsminister Spahn auf, endlich mehr für die Situation der Hebammen zu tun", sagte die Oppositionspolitikerin.

Der Hebammentag findet seit 1992 jedes Jahr am 5. Mai statt. Das diesjährige Motto des Internationalen Hebammenverbands (ICM) lautet: "Hebammenarbeit - wegweisend für die Versorgung von Mutter und Kind".

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