Bienensterben: EU verbietet Neonikotinoide

epd-bild / Thomas Rohnke

Bienenstock in Frankfurt am Main.

Bienenstock in Frankfurt am Main.

Beim Glyphosat hatte derselbe EU-Ausschuss noch zugunsten der Industrie und gegen die Umweltschützer votiert. Diesmal kam es in Brüssel anders. Die die Bienen bedrängenden Pflanzenschutzmittel werden verboten.
Deutschland spricht 2019

Drei für Bienen schädliche Insektizide werden in der EU weitgehend verboten. Vertreter der Mitgliedstaaten einigten sich am Freitag in Brüssel darauf, dass die sogenannten Neonikotinoide künftig nur noch in Gewächshäusern eingesetzt werden dürfen, wie die EU-Kommission mitteilte. Das Verbot der Substanzen Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam soll bis Jahresende in Kraft treten.

Der zuständige EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis begrüßte, dass die EU-Regierungen dem Vorschlag der Kommission gefolgt waren. Diese hatte sich ihrerseits auf die Einschätzung der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) berufen, wonach die Substanzen für gezüchtete Honigbienen wie auch für Wildbienen gefährlich sind.

Die Gesundheit der Bienen sei von "überragender Bedeutung", weil sie die natürliche Vielfalt, die Lebensmittelerzeugung und die Umwelt betreffe, erklärte Andriukaitis.

Bundesregierung stützt Verbotspläne

Die Bundesregierung hatte bei der Mehrheitsentscheidung in Brüssel für das Verbot votiert. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) erklärte anschließend, die Neonikotinoide hätten "auf dem Acker nichts zu suchen". "Das Artensterben aufzuhalten, ist eine der zentralen politischen Aufgaben unserer Zeit", fügte Schulze hinzu.

Lob kam von verschiedenen Seiten. "Die Biene leistet in unserem Ökosystem eine entscheidende Rolle durch die Bestäubung der Pflanzen und wir müssen alles in unserer Macht stehende dafür tun das Bienensterben zu verhindern", erklärte der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese. Der Grünen-Parlamentarier Martin Häusling sprach von einem großen Schritt gegen das Bienensterben. Deutschland müsse sich nun für ein "EU-weites Komplettverbot" einsetzen, forderte Häusling. In der Erklärung von Umweltministerin Schulze wurde dies nicht versprochen, sie kündigte allerdings "Eckpunkte für ein Aktionsprogramm zum Insektenschutz" an.

Greenpeace begrüßt das Votum

Auch Greenpeace begrüßte das Votum und forderte zugleich weitere Schritte. Die EU müsse sicherstellen, dass die drei Neonikotinoide nicht durch andere genauso gefährliche Substanzen ersetzt würden.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) verknüpfte sein Lob mit einer Warnung. Gewächshäuser, in denen die Neonikotinoide weiter erlaubt sein sollen, bildeten nämlich "keine geschlossenen Systeme". Die Substanzen könnten über das Wasser nach außen gelangen und so weiter Bienen und Insekten schädigen, erklärte der BUND.

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