Schleichwerbe-Verdacht bei "Pastewka": Zuständigkeit ungeklärt

Die Comedy-Serie "Pastewka" bei Amazon Prime Video entwickelt sich zum Präzedenzfall für die europäische Medienaufsicht.
Deutschland spricht 2019

Rund anderthalb Monate, nachdem sich die deutschen Medienanstalten wegen des Verdachts der Schleichwerbung an die Medienaufsicht in Luxemburg gewandt haben, ist die Zuständigkeit weiterhin ungeklärt. "Wir sind in Kontakt mit sämtlichen Beteiligten und warten auf Rückmeldungen", sagte der Direktor der Autorité Luxembourgeoise Indépendante de l'Audiovisuel (Alia), Romain Kohn, am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Solange die Frage der Zuständigkeit nicht restlos geklärt sei, werde der Verwaltungsrat keine inhaltliche Bewertung in Auftrag geben.

Seit Ende Januar abrufbar

Die Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), Cornelia Holsten, hatte die Alia Mitte Februar offiziell auf den Fall "Pastewka" hingewiesen. Formal zuständig für die Medienaufsicht ist in Europa immer derjenige Mitgliedstaat, in dem das betroffene Unternehmen seinen Sitz hat, in diesem Fall Luxemburg. Dort haben verschiedene Gesellschaften ihren Sitz, die hinter den Aktivitäten des US-Internetriesen Amazon in Deutschland stehen. Bei der Alia besteht jedoch Zweifel an der eigenen Zuständigkeit, nach Auskunft von Direktor Kohn unter anderem deshalb, weil Amazon Prime Video sich nicht bei der dortigen Aufsicht registriert habe.

Die achte Staffel der Serie, die von der Kölner Firma Brainpool TV produziert wird, ist seit Ende Januar bei Amazon abrufbar. Die Staffeln 1 bis 7 von "Pastewka" liefen beim deutschen Privatsender Sat.1, der die Serie jedoch 2014 absetzte.

Verdacht der unerlaubten Schleichwerbung

Als "Pastewka" noch bei Sat.1 lief, waren die Landesmedienanstalten hierzulande für die Aufsicht zuständig. Während in den ersten sieben Staffeln nach Angaben der Medienaufsicht Markenprodukte unkenntlich gemacht wurden, fallen in der neuesten Staffel zahlreiche Marken prominent auf, beispielsweise die Drogeriemarktkette DM, Media Markt, Nivea, Coca-Cola, Haribo, Sony und Dany Sahne. Da diese nicht als Produktplatzierungen gekennzeichnet wurden, besteht bei der Medienaufsicht der Verdacht der unerlaubten Schleichwerbung.

Die Produktionsfirma Brainpool TV weist den Vorwurf zurück. Die DLM hat nach Auskunft von Holsten zur Sachverhaltsaufklärung einen Gesprächstermin mit Amazon vereinbart. Dieser habe jedoch noch nicht stattgefunden.

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