Beckmann-Sammlung für Berliner Museen

epd-bild/Staatliche Museen zu Berlin/Kupferstichkabinett/Dietmar Katz

"Siesta" von Max Beckmann, 1923, Kaltnadelradierung

"Siesta" von Max Beckmann, 1923, Kaltnadelradierung

Die Staatlichen Museen zu Berlin haben ein bedeutendes Konvolut aus zwei Gemälden, 46 Zeichnungen und 52 druckgraphischen Werken von Max Beckmann (1884-1950) erhalten.

Für die Sammlungen der Nationalgalerie und des Kupferstichkabinetts wurde zudem ein Gemälde von Hans Purrmann (1880-1966) übergeben, wie die Staatlichen Museen am Dienstag mitteilten. Zur Verfügung gestellt wurden die Arbeiten von der Kunsthistorikerin und Max Beckmann-Forscherin Barbara Malwine Auguste Göpel (1922-2017). Die Werke sollen erstmals im September in einer gemeinsamen Sonderausstellung der Nationalgalerie und des Kupferstichkabinetts gezeigt werden.

Bei den Beckmann-Gemälden handelt es sich den Angaben zufolge um die Werke "Selbstbildnis in der Bar" von 1942 und "Bildnis Erhard Göpel" von 1944. Die in den Jahren 1900 bis 1947 entstandenen Zeichnungen - darunter Szenen von Beckmanns Fronteinsatz im Ersten Weltkrieg und Porträts des Künstlers, seiner zweiten Frau Quappi oder des Kunsthändlers Gottlieb Friedrich Reber - fungierten teilweise als Vorstudien bekannter Gemälde. Die druckgraphischen Arbeiten umfassten 52 Einzelblätter, die sich als Dauerleihgaben Barbara Göpels bereits seit den 90er Jahren im Bestand des Kupferstichkabinetts befinden. Das Hans-Purrmann-Gemälde "Häuser und Mauern in Porto d’Ischia" stamme aus dem Jahr 1955.

Aktiv am NS-Kunstraub beteiligt

"Dank der Schenkung von Barbara Göpel sind die Staatlichen Museen zu Berlin nunmehr in der glücklichen Lage, einen beeindruckenden Schatz an Werken Max Beckmanns zu versammeln", erklärte Generaldirektor Michael Eissenhauer. Die Werke ergänzten "in kongenialer Weise den weltberühmten Bestand der Klassischen Moderne in den Berliner Museen".

Barbara Göpel war die Witwe des Kunsthistorikers Erhard Göpel (1906-1966), dessen Rolle laut den Staatlichen Museen im Nationalsozialismus zutiefst ambivalent war. Göpel sei seit Februar 1942 für den "Sonderauftrag Linz" aktiv am NS-Kunstraub beteiligt gewesen. Zugleich habe er seinen als "entartet" diffamierten Künstlerfreund Max Beckmann vor dem Zugriff der Nationalsozialisten geschützt. Nach 1945 habe er sich mit seiner Ehefrau in der Forschung zur Kunst der Klassischen Moderne und zum Werk Beckmanns und Purrmanns verdient gemacht. In der Ausstellung im Herbst soll deshalb auch die Biografie Göpels thematisiert werden.

Den Staatlichen Museen zu Berlin komme bei der Annahme der Werke eine moralisch-ethische Verantwortung zu, hieß es. Zwar habe die eingehende Prüfung des Zentralarchivs bei allen vermachten Arbeiten keinen konkreten Verdacht auf Raubkunst ergeben. Die Staatlichen Museen fühlten sich aber weiterhin einem kritischen Umgang mit dem Erbe gemäß der Washingtoner Prinzipien verpflichtet.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.