Wegen Abtreibung verurteilte Frau in El Salvador überraschend frei

Eine wegen Abtreibung zu 30 Jahren Gefängnis verurteilte Frau ist in El Salvador überraschend vorzeitig freigelassen worden. Die Haftentlassung von Teodora del Carmen Vásquez wurde am Donnerstag (Ortszeit) nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs offiziell bekanntgegeben, wie die Tageszeitung "El Mundo" berichtete.

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Seid Ra'ad al-Hussein, begrüßte die Freilassung und forderte eine Revision aller ähnlichen Fälle. "Das ist eine positive Entscheidung, die den Weg bereiten könnte für die Freilassung weiterer Frauen, die in einer ähnlichen Lage sind", erklärte Seid am Freitag in Genf.

Die 35-jährige Vásquez war 2008 wegen Mordes an ihrem ungeborenen Kind verurteilt worden. Sie selbst hat stets ihre Unschuld beteuert und angegeben, das Kind sei tot geboren worden. Laut Autopsiebericht ist das Neugeborene kurz nach der Geburt erstickt. Noch im Dezember hatte dasselbe Gericht Vásquez' Berufungsantrag abgelehnt und ihr Mord in einem besonders schweren Fall vorgeworfen. El Salvador ist eines von wenigen Ländern in Lateinamerika, in denen ein generelles Abtreibungsverbot herrscht. Erst 1998 wurde die Gesetzgebung verschärft.

Mindestens 25 Frauen verurteilt worden

El Salvador müsse seinen internationalen Verpflichtungen zum Schutz der Menschenrechte nachkommen und das komplette Abtreibungsverbot aufheben, forderte der UN-Menschenrechtskommissar. Demnach sind mindestens 25 Frauen in dem mittelamerikanischen Land zu ähnlich langen Haftstrafen verurteilt worden wegen Abtreibungsvorwürfen. Ein internationales Expertenteam könne die Fälle prüfen, schlug Seid vor.

Der Fall Vásquez hatte international für scharfen Protest gesorgt. Vor Gericht sagte die Frau aus, sie habe während ihrer Arbeit in einer Schule starke Unterleibsschmerzen bekommen und einen Krankenwagen gerufen. Danach sei sie ohnmächtig geworden. Als sie wieder zu sich gekommen sei, sei sie bereits von Polizisten umringt gewesen.

Rechte von Frauen und Mädchen

Amnesty International begrüßte die Freilassung. "Es macht Mut zu sehen, dass sie aus dem Gefängnis kommt, wo sie ohnehin nie sein sollte", sagte die Regional-Direktorin für Amerika, Erika Guevara-Rosas. El Salvador sei aber noch weit davon entfernt, die Rechte von Frauen und Mädchen zu gewährleisten.

In El Salvador sind Abtreibungen auch nach Vergewaltigungen oder bei gesundheitlichen Risiken für die Mutter verboten. Ärzte sind verpflichtet, einen Verdacht auf Schwangerschaftsunterbrechung umgehend anzuzeigen. Andernfalls müssen auch sie mit einer hohen Haftstrafe rechnen. Auch in Honduras, Nicaragua, Haiti und der Dominikanischen Republik steht jegliche Form von Abtreibung unter Strafe und wird mit hohen Gefängnisstrafen geahndet.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.