Pfarrer ruft mit geschmolzenen Luther-Figuren zweite Reformation aus

epd-bild/Jörn Neumann

Pfarrer Hans Mörtter mit geschmolzenen Playmobil-Lutherfiguren

Pfarrer Hans Mörtter mit geschmolzenen Playmobil-Lutherfiguren

Ein Kölner Pfarrer hat am Reformationstag mit eingeschmolzenen Playmobil-Lutherfiguren für weltweite Solidarität und eine zweite Reformation geworben.
Deutschland spricht 2019

Pfarrer Hans Mörtter und der Künstler Rochus Aust formulierten am Dienstag in der Kölner Lutherkirche aus 95 zu Buchstaben eingeschmolzenen Luther-Figuren den Satz: "Für uneinschränkbare Nächstenwürde mit respektvollster Menschenliebe und grenzenlosestem Grundvertrauen."

In Anlehnung an Luthers 95 Thesen waren nach Mörtters Worten seit Freitag in 95 Städten Luther-Figuren für die Aktion eingeschmolzen worden, unter anderem in München, Stuttgart, Brüssel, Rom und Paris. Mörtter wollte mit der Aktion "L95 - 95 Stunden - 95 europäische Orte - 95 Buchstaben - 1 These" nach eigenen Worten auf eine Kommerzialisierung des Reformators Martin Luther (1483-1546) im Rahmen des 500. Reformationsjubiläums hinweisen. Er kritisierte die Feierlichkeiten zum Jubiläum als rückwärtsgewandt und als Selbstinszenierung der evangelischen Kirche.

Pfarrer fordert "globale Ökumene" und "kommunikative Selbsterneuerung"

Mörtter rief zu einer zweiten Reformation auf. In drei neuen Thesen verurteilte der Kölner Pfarrer "die kannibalistische Weltordnung, die Gier der Kapital-Märkte, die Herrschaft der Finanzoligarchie und der transkontinentalen Agrarkonzerne" als moderne "Antichristen". "Glaubwürdiges Christentum ist herausgefordert, gemeinsam mit den weltweit erstarkenden sozialen Bewegungen und den globalen Bauerngewerkschaften in mutigen Widerstand zu gehen für eine Welt, die endlich menschlich wird", erklärte der evangelische Pfarrer.

Die klassische Ökumene zwischen Katholiken und Protestanten habe sich überholt, heißt es in den Thesen weiter. Gott sei kein Besitz einzelner Religionen oder der christlichen Kirchen. "Nötig ist eine globale Ökumene, die aus dem engen christlichen Deutungshorizont heraustritt in offener, freier Begegnung mit dem Islam und den Weltreligionen." Die Kirchen müssten die Menschen in ihrem Bedürfnis nach Sinn und Spiritualität sowie einem lebensbezogenen Glauben ernst nehmen und sich "kommunikativ selbst erneuern", forderte Mörtter.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Lesermeinungen

Da sag noch mal einer wir Protestanten hätten keinen Humor. Das ist so ein hartnäckiges Vorurteil das kursiert :
Luther-playmobil-Männchen einschmelzen und ein Manifest verkuenden. Die armen Kinder, die damit Kirche oder was anderes spielen.

Woher haben die beiden Kuenstler diese Idee ?
Da hat der Beuys mal auf einer Dokumenta eine Krone zu einem Osterhasen eingeschmolzen und ein Manifest verkuendet. Daraufhin gabs Ärger. Und die "Pink Panthers" besprühten daraufhin seine Basaltsteine, worauf Beuys verärgert reagierte. Das war ein bisschen wie bei Monthy Pythons.Damals hatte ich, das Kind vom Lande, gar nichts über den Aufreger verstanden. Jetzt ein bisschen mehr. Ich bin ab und zu in der Lutherkirche.
Gerd Petzold