Preisträger fordern andere Investitions-Politik von Nobel-Stiftung

epd-bild/Rolf Zoellner

Xanthe Hall

Xanthe Hall

Die Investitionspolitik der Nobelpreis-Stiftung sorgt für heftige Irritationen. Nach Berichten über Geldanlagen bei Nuklearwaffenproduzenten will die Internationale Kampagne gegen Atomwaffen (Ican), daran etwas ändern. Die diesjährigen Friedensnobelpreisträger wollten mit der Stiftung zusammenarbeiten, damit sie ihr Vermögen nicht mehr bei Herstellern von Atomwaffen anlege, sagte Xanthe Hall vom Vorstand von Ican-Deutschland dem epd.

Damit reagierte Ican auf Recherchen ihrer Mitgliedsorganisation "Facing Finance"und des ZDF, wonach die Stiftung mit Sitz in Stockholm ihr Geld auch bei Waffenherstellern investiert.

"Das ist dasselbe Geld, mit welchem Alfred Nobel auf eine Verringerung von Militärmächten hinarbeiten wollte", sagte die Leiterin der norwegischen Umweltorganisation "Framtiden i våre hender" (Die Zukunft in unseren Händen), Anja Bakken Riise dem epd. Es sei schockierend, dass das ethische Regelwerk der Nobel-Stiftung derart beschränkt sei. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sie ihre Vermögenswerte von umgerechnet etwa 444 Millionen Euro auch in Fonds investiere, die Nuklearwaffen und Streumunition produzierten, sagte die Leiterin der Organisation, die seit Jahren Recherchen zu den Investitionen der Stiftung anstellt.

Investitionen durch Fonds

Nach Recherchen der finanzmarktkritischen Organisation "Facing Finance" und des ZDF werden die Millionen der Nobel-Stiftung unter anderem in Atomwaffen-Hersteller investiert, darunter in die Firmen Textron, Lockheed Martin und Raytheon. Alle drei Firmen seien Teil des US-amerikanischen Atomwaffenprogramms, so "Facing Finance".

Die Nobel-Stiftung war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. In einem Interview mit dem norwegischen Sender NRK Anfang Oktober hatte der Exekutiv-Direktor der Stiftung, Lars Heikensten, erklärt, er könne nicht beantworten, ob die Stiftung in Hersteller von Waffen, fossilen Energien oder Tabak investiere. Man sei nicht aktiv darin involviert, einzelne Firmen auszuwählen. Vielmehr würden die Investitionen durch Fonds getätigt. Die Stiftung habe allerding ethische Richtlinien entwickelt, die garantierten, dass es keinerlei Neuinvestitionen durch Fondsmanager gebe, die internationale Übereinkommen wie solche zu Landminen oder Streumunition verletzten.

Gegen Investitionen bei Waffenhändlern

Ican begegnete der Forderung ihres Mitglieds "Facing Finance", das Preisgeld von umgerechnet 945.000 Euro nicht anzunehmen, sondern an Opfer der Atombombenabwürfe von 1945 zu spenden, mit Zurückhaltung. Es sei besser, das Geld für die Arbeit von Ican einzusetzen und etwa in die Kampagne "Don´t Bank on the Bomb" gegen Investitionen bei Waffenherstellern zu stecken.

Die Nobelstiftung wurde 1900 gegründet. Sie verwaltet das Vermögen, mit dem unter anderem die Preisgelder für Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden finanziert werden. Gestiftet hatte die Auszeichnungen der schwedische Chemiker und Industrielle Alfred Nobel (1833-1896). Kürzlich erhöhte die Nobelstiftung alle Preisgelder um jeweils eine Million auf neun Millionen schwedische Kronen (etwa 945.000 Euro).  

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