Amnesty prangert Verbrechen gegen Minderheiten in Myanmar an

In den Kriegsregionen im Norden und Nordosten Myanmars haben Armee und bewaffnete Rebellen nach Recherchen von Amnesty International schwere Verbrechen an den Angehörigen ethnischer Minderheiten verübt.

Dazu zählten Folter, außergerichtliche Hinrichtungen, das Verschleppen von Menschen und willkürliche Bombardierungen von Dörfern in den Staaten Kachin und Shan an der Grenze zu China, kritisierte Amnesty International in einem am Mittwoch in London veröffentlichten Bericht. In manchen Fällen handelt es sich nach Einschätzung der Menschenrechtler um Kriegsverbrechen.

Für die Dokumentation führte Amnesty zwischen März und Mai dieses Jahres mehr als 140 Interviews mit zivilen Opfern, Augenzeugen, Gemeindevertretern und Repräsentanten humanitärer Organisationen. "Fast 100.000 Bewohner waren aufgrund des Konflikts und anhaltender Menschenrechtsverletzungen gezwungen, ihre Häuser und Höfe zu verlassen", sagte Amnesty-Referent Matthew Wells.

Schockierendes Muster an Gewalt

Dass Myanmars Militär Gräueltaten an den muslimischen Rohingya im Westen des Landes begehe, sei der internationalen Gemeinschaft bekannt, erklärte die Menschenrechtsorganisation. Im Bundesstaat Kachin im Norden und sowie im angrenzenden nördlichen Teil des Shan-Staates beobachte man ein ähnlich schockierendes Muster an Gewalt gegen die dortigen ethnischen Minderheiten. Der Konflikt war vor sechs Jahren wieder aufgeflammt, nachdem die Armee im Juni 2011 einen 17-jährigen Waffenstillstand mit den Kachin-Rebellen gebrochen hatte. Menschenrechtlern vor Ort zufolge haben sich die blutigen Auseinandersetzungen seitdem mit jedem Jahr verschlimmert.

Sämtliche Konfliktparteien seien aufgefordert, Zivilisten zu schützen, erklärte Amnesty. Auch dürfe Myanmars Regierung humanitären Organisationen den Zugang zu bestimmten Krisenregionen nicht länger verweigern.