Antidiskriminierungsstelle fordert "Ehe für alle"

epd-bild / Jens Schulze

Homosexuelles Paar.

Homosexuelles Paar.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat ihre Forderung an den Bundestag nach einer Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare bekräftigt.

"Gerade jetzt, wo der Gegenwind gegen Akzeptanz und Gleichberechtigung stärker wird, brauchen wir ein klares Zeichen", sagte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, Christine Lüders, in Berlin. Mit einer Aktion am Brandenburger Tor machte die Antidiskriminierungsstelle am Mittwoch auf den Internationalen Tag gegen Homo-, Bi- und Transphobie aufmerksam.

Lüders: Staat soll "mit gutem Beispiel vorangehen"

Mit der "Ehe für alle" wäre es homosexuellen Paaren möglich, Kinder zu adoptieren, erklärte Lüders. Studien zeigten, dass Schwule, Lesben und Bisexuelle genauso gute Eltern seien wie Heterosexuelle. "Gleichbehandlung schafft keine Sonderrechte, sie schafft Sonderrechte ab", sagte Lüders. Nach ihren Worten erfahren homo- und bisexuelle Menschen in Deutschland immer noch Benachteiligungen am Arbeitsplatz sowie Beleidigungen und Gewalt in der Öffentlichkeit: "Deswegen brauchen wir starke Zeichen für Akzeptanz und gleiche Rechte. Der Staat sollte hier mit gutem Beispiel vorangehen."

SPD, Grüne und Linke für Öffnung

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hob die Entscheidung hervor, die in der Nachkriegszeit nach dem "Schwulen-Paragrafen" verurteilten Männer zu rehabilitieren und zu entschädigen. "Diese Leute haben nichts verbrochen", sagte er vor dem Brandenburger Tor. Ihre Verurteilungen seien ein Fehler und ein Anschlag auf die Menschenwürde gewesen. Derzeit würden noch etwa 5.000 Urteile im Zentralregister geführt. Wer davon betroffen sei, könne über das Justizministerium seine Rehabilitierung beantragen.

Im Bundestag setzen sich Grüne und Linke für eine Öffnung der Ehe für Homosexuelle ein, die bislang zwar Lebenspartnerschaften eingehen, aber beispielsweise keine Kinder adoptieren können. Auch die SPD ist für die völlige rechtliche Gleichstellung. Wegen des Widerstands der Union in der großen Koalition gilt eine gesetzliche Änderung bis zur Bundestagswahl im September aber als unwahrscheinlich.