Wirtschaftsforscher: Fast 300.000 Kita-Plätze zuwenig

epd-bild / Stefan Arend

Betreuung von Kleinkindern in einer evangelischen Tagesstätte in Düsseldorf.

Betreuung von Kleinkindern in einer evangelischen Tagesstätte in Düsseldorf.

Obwohl Eltern einen Rechtsanspruch auf die Betreuung von Kleinkindern haben, fehlen in Deutschland weiterhin Kita-Plätze. Besonders groß ist der Mangel in Nordrhein-Westfalen.

In Deutschland fehlen 293.486 Betreuungsplätze für Kinder bis drei Jahren. Damit ist mehr als jedes zehnte Kleinkind (13,3 Prozent) unversorgt, wie Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln ergaben. Dabei ist die Betreuungslücke im Westen mit 14,8 Prozent etwa doppelt so groß wie in den östlichen Bundesländern, wo 7,3 Prozent der Kleinkinder keinen Platz finden. Über die Ergebnisse hatte zunächst die "Bild"-Zeitung (Mittwoch) berichtet. Seit 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ihre ein- bis dreijährigen Kinder.

Besonders groß ist der Mangel an Betreuungsplätzen demnach in Nordrhein-Westfalen, dort liegt die Betreuungslücke bei 16,2 Prozent (77.459 Plätze), in Bremen sogar bei 20,2 Prozent (3.763 Plätze). Ähnlich hoch ist die Quote in Rheinland Pfalz (16 Prozent) und Bayern (14,9 Prozent). Am besten schneiden Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen ab: Hier beläuft sich die Lücke auf 3,1 Prozent (1.238 Plätze) und 5,6 Prozent (6.164 Plätze).

Bedarf steigt

Wido Geis, Ökonom am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft, sagte der "Bild"-Zeitung, Familien seien früher auf Betreuung angewiesen, weil immer mehr Frauen immer früher zurück in den Job wollten. Nach seinen Berechnungen wird der Bedarf an Kita-Plätzen weiter steigen. "Deutschland braucht mehr als eine Millionen Plätze, im letzten Jahr lagen wir gerade mal bei 720 000 Plätzen", sagte der Experte.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) sagte, die Zahlen zeigten, dass mehr Betreuungsplätze gebraucht würden. "Daher treiben wir mit dem vierten Investitionsprogramm den Ausbau der Plätze mit einer Milliarde Euro voran und schaffen so die Grundlage für weitere 100.000 Plätze." Es sei klar, dass der Bund den Ländern und Kommunen auch in Zukunft unter die Arme greifen müsse. "2017 wird der Bund die Rekordsumme von fast 2,5 Milliarden Euro in Kindertagesbetreuung investieren", ergänzte die Ministerin.

Kritik der Grünen

Die Grünen kritisierten die Familienpolitik der Bundesregierung als "halbherzig". Der 2013 eingeführte Rechtsanspruch alleine genüge nicht, sagte Franziska Brantner, Sprecherin für Familienpolitik. "Die von der Bundesregierung bewilligten Mittel von 1,2 Milliarden Euro für 100.000 zusätzliche Plätze reichen hinten und vorne nicht." Auch die Fachkraft-Kind-Relation müsse gesetzlich verankert werden: "Denn es braucht nicht nur ein Recht auf einen Kitaplatz, sondern das Recht auf einen guten Kitaplatz."