Kampagne zur Ausrottung von Aids gestartet

Obwohl die Zahl der Aids-Patienten in Deutschland zurückgeht, erkranken jährlich immer noch mehr als 1.000 Menschen an der Immunschwächekrankheit. Mit einer Kampagne will die Deutsche Aids-Hilfe Neuerkrankungen bis 2020 beenden.

Bis zum Jahr 2020 soll es nach den Plänen der Deutschen Aids-Hilfe keine Neuerkrankungen der Immunschwächekrankheit mehr geben. Dazu startete die Organisation am Freitag die Kampagne "Kein Aids für alle". Geworben wird dabei unter anderem für frühzeitige HIV-Tests.

In Deutschland leben den Angaben zufolge knapp 13.000 Menschen unwissentlich mit HIV. Andere Menschen haben keinen Zugang zu HIV-Medikamenten. Sie alle laufen Gefahr, an Aids zu erkranken, hieß es.

Menschen wissen nichts von Infektion

Die Kampagne sei dringend nötig, mahnte die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) zum Kampagnenstart in Berlin. Zwar seien die Zahlen rückläufig, aber es gebe immer noch Neuerkrankungen. "Die Erwartung, an Aids nicht mehr sterben zu müssen, schwächt gerade in der jüngeren Generation das Bewusstsein für die Gefahren der Krankheit." Süssmuth hatte als Bundesgesundheitsministerin in den 1980er-Jahren die deutsche Präventionsstrategie gegen Aids auf den Weg gebracht und ist Ehrenmitglied der Aids-Hilfe.

Obwohl HIV nicht mehr zu Aids führen müsse, erkrankten in Deutschland jedes Jahr immer noch mehr als 1.000 Menschen an der Immunschwächekrankheit, sagte das Vorstandsmitglied der Deutschen Aids-Hilfe, Manuel Izdebski. Eines der Hauptprobleme sei, dass viele Menschen nichts von ihrer Infektion wüssten oder aus Angst vor Stigmatisierung den Test scheuten. Neben der Vermittlung von frühzeitigen Tests richtet sich die Kampagne "Kein Aids für alle" gegen die Stigmatisierung der Erkrankung.

Aufgeklärt werden sollten vor allem Menschen, die bisher schwer zu erreichen seien, hieß es. Dazu gehörten etwa Migranten ohne Papiere, Häftlinge oder Drogenabhängige. In den kommenden drei Jahren sollen zahlreiche Projekte mit Ärzten, Politikern sowie Haupt- und Ehrenamtlichen in der Aidshilfe starten.

Kondome für Migranten

Zu den Einzelprojekten zählen den Angaben zufolge etwa Testwochen auf Christopher-Street-Days, Kondome mit Informationen für Migranten oder Testangebote in Gefängnissen. Auch Tierärzte sollen über HIV-Tests aufgeklärt und in die Kampagne einbezogen werden. So könnten unter anderem Drogenabhängige erreicht werden, die sich häufiger mehr um die Gesundheit ihrer Hunde als die eigene kümmerten, wie es weiter hieß.

Die Kampagne ist den Angaben zufolge angelehnt an das Vorhaben der Vereinten Nationen, Aids bis 2030 weltweit zu beenden. Auch die Bundesregierung verfolgt in ihrer Strategie "BIS2030" unter anderem das Ziel, HIV-Spätdiagnosen zu vermeiden.

Er sei von dem Kampagnenziel fest überzeugt, sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) in einer Videobotschaft zum Kampagnenauftakt. "Gemeinsam können wir es erreichen. Aufbauend auf den Erfolgen der letzten Jahre, aber auch in dem Wissen, dass bei uns noch viel zu tun ist", erklärte der Minister.