Peter Hartz stellt Konzept gegen Arbeitslosigkeit vor

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Peter Hartz (Archivbild)

Peter Hartz (Archivbild)

Mit Vorschlägen gegen Langzeitarbeitslosigkeit und für mehr Hilfen für junge Menschen meldet sich der Architekt der Agenda 2010 zurück. Peter Hartz setzt auch auf Kooperationen in Europa.
Deutschland spricht 2019

Mit einem Konzept gegen Arbeitslosigkeit hat sich der Arbeitsmarktreformer Peter Hartz am Dienstag in der Öffentlichkeit zurückgemeldet. Vor allem zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa fordert Hartz mehr Einsatz. "Das Problem ist lösbar", sagte der Ex-VW-Manager, der als Berater von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) maßgeblich an dessen Agenda 2010 zum Umbau des Sozialstaats beteiligt war. Mit dem zukünftigen französischen Präsidenten Emmanuel Macron gebe es große Hoffnung, dass Deutschland und Frankreich gemeinsam Maßnahmen vorantreiben.

Von Betroffenen zu Beteiligten

Schätzungen zufolge gibt es in Europa rund vier Millionen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren, die keinen Job haben. Für eine Ausbildungsoffensive rechnet der Arbeitsmarktexperte mit Kosten von mehreren Zehntausend Euro pro Person. Hartz betonte den Zusammenhang zwischen den Chancen der Jugendlichen und deren Talenten. Diese gelte es zu entdecken. Man müsse die Jugendlichen von Betroffenen zu Beteiligten machen, sagte Hartz.

Er drängte zur Eile. "Wenn Sie einen Wasserrohrbruch haben, dann lassen Sie auch alles stehen und liegen und machen das", sagte der ehemalige VW-Manager. Er forderte den EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker auf, das Thema ganz oben auf die Agenda zu setzen.

Auch für Langzeitarbeitslose fordert Hartz mehr Chancen, damit sie auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen können. Die Langzeitarbeitslosigkeit in Deutschland habe sich verfestigt. Die Bewältigung dieses Problems sei nicht nur eine Frage der Weiterbildung oder der Vermittlungsbemühungen durch die Jobcenter. Man müsse auch verloren gegangene mentale und soziale Fähigkeiten dieser Menschen wieder neu beleben.

409 Euro für Alleinstehende

Hartz plädierte für individuelle Hilfen für Langzeitarbeitlose in kleinen Schritten. Konkret sprach sich der Arbeitsmarktexperte für ein sogenanntes "Minipreneur"-Konzept aus. Dabei handelt es sich um eine Art angeleitete Selbsthilfe. Unterstützung bekommen die Langzeitarbeitslosen von "A-Trainern", die selbst einmal arbeitslos waren. Ziel sei es, Arbeitgeber zu überzeugen, Menschen mit eingeschränkten Fähigkeiten und nicht erkannten Talenten dennoch einzustellen, sagte Hartz.

Mit Blick auf die Agenda 2010 zog Hartz eine weitgehend positive Bilanz. Die Bewältigung der Massenarbeitslosigkeit oder die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes seien gelungen. Allerdings müsse die Arbeitsmarktpolitik wieder stärker in den Fokus der Politik rücken. Hartz nannte auch Fehler bei der Agenda 2010. Seine Kommission hatte damals einen Betrag von 511 Euro für das Arbeitslosengeld II vorgeschlagen. Der Hartz-IV-Regelsatz beträgt derzeit 409 Euro für Alleinstehende.

Hartz hat seine Ideen mit Hilfe der SHS Foundation und gemeinsam mit Wissenschaftlern und Fachleuten entwickelt. Getragen wird die Stiftung vor allem von einem Förderverein.