Aachener Friedenspreis für Jugendnetzwerk und sizilianische Bewegung

epd-bild/Klaus Herzog

Aachener Friedenspreis

Aachener Friedenspreis

Der diesjährige Aachener Friedenspreis will ein "Zeichen gegen die zunehmende Entfesselung von Kriegen" setzen. Geehrt werden eine sizilianische Initiative gegen Rassismus und Militarismus sowie eine deutsche Jugend-Protestgruppe.
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Der Aachener Friedenspreis geht in diesem Jahr an eine italienische Protestbewegung, die für eine Entmilitarisierung Siziliens kämpft. Zweiter Preisträger ist das deutsche Jugendnetzwerk für Politische Aktion (JunepA), das sich unter anderem an Blockaden am Atomwaffenstützpunkt Büchel in der Eifel beteiligt, wie die Friedenspreisinitiative am Montag in Aachen mitteilte. Die symbolisch mit jeweils 1.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am Antikriegstag am 1. September verliehen.

Kampf gegen US-Militärstützpunkt

Mit der Auszeichnung der sizilianischen Initiative "No MUOS" will der Verein "Aachener Friedenspreis" nach eigenen Angaben "die Gruppe durch Solidarität und öffentliche Aufmerksamkeit in ihrem Widerstand bestärken und ein Zeichen gegen die zunehmende Entfesselung von Kriegen setzen". "No MUOS" kämpft seit 2009 für eine Schließung von Radar- und Sendeanlagen auf einem US-Militärstützpunkt auf der süditalienischen Insel.

Die gesellschaftlich breit getragene Gruppe kritisiert, dass das Satellitenkommunikations-System MUOS mit seiner Überwachungstechnologie den Weltfrieden, die Umwelt und die Gesundheit der Inselbewohner bedrohe. Sie wehrt sich mit verschiedenen Protestformen gegen die italienischen, US-amerikanischen und Nato-Militärstrukturen auf Sizilien, wie es hieß. Die Anlagen seien "sowohl in Kriegseinsätze als auch in die tödliche EU-Migrationspolitik eingebunden".

Das Jugendnetzwerk JunepA werde für seine "kreativen Formen des zivilen Ungehorsams" geehrt, mit denen die Aktivisten immer dort seien, "wo es brennt und wo es den Finger in die Wunden der heutigen Zeit zu legen gilt", hieß es in der Preisbegründung. Die 2013 gegründete Vernetzungsplattform setze sich mit vielfältigen Aktionen nicht nur gegen Atomwaffen und Rüstungsexporte ein, sondern auch gegen Freihandel und für Klimaschutz. JunepA besteht neben vielen über das gesamte Bundesgebiet verstreuten Einzelpersonen aus den drei Regionalgruppen Südwest, Lüneburg und Berlin.

"Raus aus der Komfortzone"

Das Netzwerk beteiligt sich laut Friedenspreisinitiative seit drei Jahren an Protesten gegen Atomwaffen am Fliegerhorst Büchel. Mit ihrem zivilen Ungehorsam wollten die Aktivisten "Sand im Getriebe der Kriegsmaschinerie sein". In diesem Jahr plane JunepA zudem Aktionen unter anderem vor einer Waffenfabrik des Rheinmetall-Konzerns, beim G20-Gipfel und gegen einen Castortransport. Die Auszeichnung solle Motivation für viele weitere junge Menschen sein, sich politisch zu engagieren und friedlich für eine bessere Welt zu kämpfen, hieß es.

JunepA-Pressesprecherin Clara Tempel sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Düsseldorf, angesichts von Krieg und Gewalt in vielen Teilen der Welt seien junge Menschen heute dringender denn je aufgerufen, sich aktiv für den Frieden einzusetzen. "Die Zivilgesellschaft muss raus aus ihrer Komfortzone und sich laut gegen Unrecht zur Wehr setzen", sagte Tempel. Dazu seien auch Mittel des zivilen Ungehorsams nötig.

Der Aachener Friedenspreis wird seit 1988 an Menschen verliehen, die sich an der Basis für Frieden und Völkerverständigung einsetzen. Er wird von rund 50 kirchlichen, politischen, gewerkschaftlichen und gesellschaftlichen Gruppen sowie von etwa 350 Einzelpersonen getragen, die im Verein "Aachener Friedenspreis" zusammengeschlossen sind.