Lichtergottesdienst in der Konstantinbasilika Trier

Gegen das Dunkel
Kirchgang - Konstantinbasilika in Trier

Peter Schickert / dpa picture alliance

Riesig, und man fühlt sich gar nicht klein: Konstantinbasilika in Trier

Kirchgang - Konstantinbasilika in Trier

Eine Kerze anzünden, still werden - was war, ist gewesen, sagt die Pastorin. Ein stärkender Gottesdienst im Advent.

Konstantinbasilika Trier, Sonntag, 18 Uhr. Ein Herrnhuter Stern schwebt unter der 33 Meter hohen Kassettendecke. Jede zweite Bank ist besetzt, immer nur an den Enden. Ein älteres Ehepaar tut sich schwer mit der Corona-Sitzordnung. Die Hinweisschilder "Herzlich willkommen" sind im Halbdunkel kaum zu erkennen, schon gar nicht, wenn die Brille über dem Mundschutz beschlägt.

Burkhard Weitz

Burkhard Weitz ist chrismon-Redakteur und zusammen mit Claudia Keller  verantwortlich für die Aboausgabe chrismon plus. Er studierte Theologie und Religionswissenschaften in Bielefeld, Hamburg, Amsterdam (Niederlande) und Philadelphia (USA). Er ist ordinierter Pfarrer und Journalist. Über eine freie Mitarbeit kam er zum "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt" und war seither mehrfach auf Recherchen in den USA, im Nahen Osten und in Westafrika.      
Lena UphoffPortrait Burkhard Weitz, verantwortlicher Redakteur für chrismon plus

Man fühlt sich gar nicht klein im riesigen Kaisersaal, eher geborgen. "Am Abend eine Kerze anzünden und still werden bei ihrem Licht für eine Zeit", spricht Pfarrerin Friederike Kuhlmann-Fleck 30 Meter weiter vorne ins Mikrofon, nachdem sie selbst eine Kerze angemacht hat. Ihre Stimme klingt nah. Die Orgel setzt ein, 30 Meter hinten, ein Lichtfleck auf der Rückwand der Basilika mit der Silhouette des Organisten. Ihr Klang erfüllt den Raum. "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit", sagt die Pastorin. Wegen der Pandemie darf die Gemeinde nicht singen. Pastorin und Organist wechseln sich ab, Orgelklänge unterlegen die Worte der Choräle.

 Peter Schickert / dpa picture alliance

Die Pastorin überlegt, wie in Zeiten der Pandemie das Leben stillsteht: "Ist er­zwungene Umkehr überhaupt eine? Was uns in den Advent ruft, das sind die alten Texte, die vielleicht doch eine Nummer zu groß sind, von denen wir hoffen, sie werden wahr." Eine Lektorin kündigt Jesaja 60,1 an. Man ­erwartet Luthers Übersetzung: "Mache dich auf, werde licht." Sie liest: "Der Herr sagt: Steh auf, du trauernde Zionsstadt! Lass dein Gesicht hell strahlen" – die Gute Nachricht, eine moderne Übertragung. Auch okay.

Zwei Tage später tötet hier einer fünf Menschen

"Keine noch so adventliche Stimmung zaubert das Dunkel weg", sagt die Pastorin. In die Fürbitte nimmt sie jene auf, "die ver­bittert sind, die Dunkelheit ausbreiten. Sende dein Licht". Vaterunser-Gemurmel breitet sich aus. Die Orgel intoniert das Adventslied vom Anfang: "Komm, o mein Heiland, Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist."

"Am Abend eine Kerze anzünden und still werden", sagt die Pastorin. "Und dann die Kerze behutsam auspusten. Und sehen, wie der Rauch sich kräuselt, ein dünner Faden aufsteigt und verweht. Was war, ist gewesen. Ein neuer Tag wird kommen. Im Dunkel berge ich mich in Gottes Hand." Gestärkt stolpert der Kirchgänger hinaus in die Fußgängerzone. – Zwei Tage später rast hier ein 51-Jähriger mit einem ­Geländewagen im Zickzackkurs durch die Menge und tötet fünf Menschen. Auch den Opfern und dem Täter darf die Fürbitte der Pas­torin gelten.

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