Drive-in Gottesdienst, Frankfurt Nieder-Erlenbach

Vaterunser plus Lichthupe
Kirchgang - Nieder-Erlenbach

Burkhard Weitz

Pfingstsonntag auf dem Supermarktparkplatz in Nieder-Erlenbach

Kirchgang - Nieder-Erlenbach

Frankfurt-Nieder-Erlenbach, Sonntag, 10 Uhr: Da ist der Kirchgänger extra früh ­vorgefahren, nimmt den Helferinnen mit Mundschutz und Handschuhen schnell den Liedzettel ab – und bekommt vom Herrn in leuchtgelber Schutzweste doch nur den sichtbehinderten Platz zugewiesen. Ab 9.30 Uhr ­ ist Einlass. Um 9.34 sind die besten Plätze schon weg. Beim Aldi-Markt sind Sträucher zwischen die Parkbuchten gepflanzt. Was an Einkaufstagen Schatten spendet, versperrt jetzt den Blick auf den mit Zweigen geschmückten Anhänger, auf dem Pastorin ­Petra Lehwalder und zwei junge Frauen am E-Piano Mikrofone und Verstärker testen.

Burkhard Weitz

Burkhard Weitz ist chrismon-Redakteur und zusammen mit Claudia Keller  verantwortlich für die Aboausgabe chrismon plus. Er studierte Theologie und Religionswissenschaften in Bielefeld, Hamburg, Amsterdam (Niederlande) und Philadelphia (USA). Er ist ordinierter Pfarrer und Journalist. Über eine freie Mitarbeit kam er zum "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt" und war seither mehrfach auf Recherchen in den USA, im Nahen Osten und in Westafrika.      
Lena UphoffPortrait Burkhard Weitz, verantwortlicher Redakteur für chrismon plus

Pfingstsonntag mit Drive-in-­Gottesdienst: Um Corona-Ansteckungen zu vermeiden, lässt man die Gemeinde im Auto sitzen. Die Dorfkirche im Norden der Mainmetropole Frankfurt böte bei geltenden Abstandsregeln nur 18 Leuten Platz. Auf den Aldi-Parkplatz ­ im Gewerbegebiet passen dagegen alle 60 ­Autos, es bleiben sogar noch Lücken frei. In fast allen sitzen mindestens zwei Personen, macht 120 Kirchgänger oder mehr.

Pfingstsonntag auf dem Supermarktparkplatz

Die Seitenfenster sind heruntergelassen, ein kühler Wind zieht durchs Auto. Der Herr im Nachbarauto niest zweimal. "Gesundheit!" Er blickt irritiert herüber. Gemeinschaft im Gotteshaus fühlt sich anders an.

Die Glocken der Nieder-Erlenbacher Pfarr­kirche ertönen vom Band. "Schönes Geläut, ne?", sagt Pastorin Lehwalder. Das E-Piano intoniert eine lustige jazzige Weise. "Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Wege", sagt die Pastorin, "und da der Heilige Geist alle Türen und Fenster überwindet, gelangt er auch durch die Scheiben der Autos." Sie bittet die Gemeinde, jedes Amen mit der Lichthupe zu erwidern. Einer erwischt nach dem ersten Gebet den falschen Hebel und setzt den Scheibenwischer in Gang.

Lied hinterm Lenkrad

Dank den Sängerinnen am Klavier fällt es nicht schwer, hinterm Lenkrad in "Wo Menschen sich vergessen" einzustimmen. Lehwalder predigt über den Heiligen Geist: Man könne ihn schwer beschreiben, müsse ihn erleben. "Wenn man plötzlich Kraft gewinnt." Oder Besonnenheit. Die sei nötig in der Corona- Krise. "Vom Geist begabte Menschen handeln in Liebe, nicht nach einer Kosten-Nutzen-Rechnung".

  

"Geh aus, mein Herz", deuten die Lippen hinter den Windschutzscheiben an. Die Pastorin dankt den Mitwirkenden. Die Gemeinde hupt. "Ein wunderschönes Pfingstfest", wünscht Lehwalder. "Bleiben Sie gesund." Böööp!

Kontakt

Evangelische Kirchengemeinde Nieder-Erlenbach

Pfarrerin Petra Lehwalder
An der Bleiche 10
60437 Frankfurt
Tel: 06101/9893630

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Lesermeinungen

"Vom Geist begabte Menschen handeln in Liebe, nicht nach einer Kosten-Nutzen-Rechnung"

Wir sind alle im SELBEN Maße "durchströmt" vom Geist der Gott/Gemeinschaft/Mensch ist, mit VERNUNFTBEGABUNG für das Ziel/die Aufgabe "wie im Himmel all so auf Erden".

Leider hat Mensch, mit der "Vertreibung aus dem Paradies" (Mensch erster und bisher einzige GEISTIGE Evolutionssprung), nur das Erbe der instinktiven Bewusstseinsschwäche in Angst, Gewalt und "Individualbewusstsein" zum nun "freiheitlichen" Wettbewerb gepflegt, was zur Folge hat, dass der Geist in der Vorsehung stillsteht und Mensch in seiner heuchlerisch-verlogenen Symptomatik von "gut und böse" verkommt, anstatt Mensch in zweifelsfrei wirklich-wahrhaftiger Vernunftbegabung mit EINDEUTIGER Wahrheit der Bibel zu gottgefälligem Verantwortungsbewusstsein zu fusionieren / zu befreien.

Wettbewerb ist die Ursache aller unwahrheitlichen Symptomatik dieser Welt- und "Werteordnung", also wird besonders der Rassismus erst verschwinden, wenn wir unser "Zusammenleben" gänzlich OHNE die Symptomatik des nun "freiheitlichen" Wettbewerb gestalten/Globalisierung!

Gottes Wege sind NICHT unergründlich - die Lichthupe der zweifelsfrei-eindeutigen Wahrheit ✌