Gottesdienst in der Christophoruskirche im Südosten von Berlin

Wasser des Lebens
Kirchgang

Manu/Flickr

Christophoruskirche im Berliner Bezirk Treptow Köpenick

Christophoruskirche, Berlin-Friedrichshagen, Sonntag, 10 Uhr:

Auf dem Giebel­mosaik über dem Eingang der trutzigen Gründerzeitburg kämpft sich Christophorus durch die blauen Wellen des Müggelsees. Schwer hockt das Jesuskind auf seiner Schulter. Der See ist eine Viertelstunde Fußmarsch entfernt und zieht im gutbürgerlichen Südosten Berlins viele Besucher an.

Gunda Bartels

Gunda Bartels ist Redakteurin im Kulturteil des Tagesspiegels.
Christopher Rowe

Die meisten Kirchgänger eilen in den Schatten der Emporen. Der Tag wird heiß. Schöne Geste: Im Vorraum steht ein Tisch mit Wasserkaraffen. Die Bankreihen sind an diesem Feriensonntag schütter besetzt. Die Atmosphäre ist fröhlich und familiär. Das Vorspiel des Posaunenchors setzt einen erhebenden, fast triumphalen Akzent.

 chrismon
Die Erinnerung an die eigene Taufe. Darum soll’s gehen. Pfarrer Markus Böttcher und Prädikantin Almuth Wenta sind ein gutes Gespann. Er trägt Schwarz, sie Weiß. Er spricht Gott als Mutter und Vater an, sie klingt pastoraler. Mit Wasser aus dem Taufbecken wandern sie durchs Kirchenschiff und malen nasse Kreuze in Handflächen. "Dein Name ist in Gottes Buch geschrieben", sagt dazu der Pfarrer. Der Satz wärmt das Herz, das Wasser kühlt die Hand.

Die Tauferinnerungen des Pfarrers und eini­ger Gemeindeglieder ersetzen die Predigt. So fromm wie sie ausfallen, müssen sie fast alle Theologen im Ruhestand sein. Hinterher stellt sich raus: Stimmt. Und weil Friedrichsha­gen als Künstlerdorf gilt, sieht ein Pastor auch schon mal wie ein Künstler aus. Mit Rasputinbart und Bauernkittel. Zumindest der Schalk, der von seiner Taufe durch den eigenen Vater erzählt. Er habe ihn Gerhard nach Paul Gerhardt und Martin nach Martin Luther genannt. Vermeintlich. Doch eigentlich nach Onkel und Opa. "Durch die Taufe gehört das Kind Gott und ist ganz frei", ruft er, "und dann tanzt die heilige Trinität, und der Getaufte tanzt mit!"

Die Taufe kann Geborgenheit spenden

Pfarrer Böttcher beschwört in der Erinnerung an seinen Paten die Geborgenheit spendende Kraft der Taufe und schließt das Versprechen des Taufbefehls aus Matthäus 28 an: "Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende."
Man möge die Tauferinnerung und den Posaunenklang in die kommende Woche mitnehmen, wünscht Pfarrer Böttcher. Das fällt angesichts des schmissigen Tango-­Nachspiels nicht schwer. Applaus der Gemeinde brandet auf. Im Vorraum schenken sich die Leute gegenseitig Gläser voll. Jetzt erstmal ein Leitungswasser des Lebens!

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