Ursula Ott erledigt magisch

Nicht alles, was passt, ist gleich magisch
Wer alles magisch findet, spricht zu viel englisch oder ist zu esoterisch.
Deutschland spricht 2019

Danke, liebe chrismon-Leserinnen und Leser, dass Sie mir Stoff an­liefern zum Erledigen. Ich mach das gerne, ehrlich, fühlt sich an wie Auftragskillen in friedlich. Eine ganze Abschussliste schickte Leserin Anna Christians, mein Liebling darauf: "magisch". Danke, das nervt mich schon lange – weil es nämlich ein schönes Wort ist. Das dringend vor Mode und Marketing geschützt werden sollte.

Ursula Ott

Ursula Ott ist Chefredakteurin von chrismon und Chefredakteurin von evangelisch.de. Sie studierte Diplom-Journalistik in München und Paris und besuchte die Deutsche Journalistenschule in München. Sie arbeitete als Gerichtsreporterin bei der "Frankfurter Rundschau", als Redakteurin bei "Emma", als Autorin und Kolumnistin bei der "Woche", bei der "Brigitte" und bei "Sonntag aktuell" sowie als freie Autorin für Radio und Fernsehen.
Foto: Lena UphoffUrsula Ott, chrismon Chefredakteurin

Magisch kommt vom altgriechischen Wort mágos, also weise. Aber ist es wirklich weise oder wenigstens zauberhaft, dass Dresden jetzt nur noch auf Platz 7 der "Magic Cities" ist, weil ­
"die Gesamtmarktkennzahlen 
minus 3,75 % Zimmer­er­trag" 
aufweisen? So die Unternehmensberatung 
Deloitte, die den 
Schluss zieht: 
"In den letzten zehn Jahren versprühte ­Dresden mehr Magie". Berater und PR-Leute versprühen ja vor allem Poesie oder schlechtes Englisch – denn da kommt die Mode her. "It’s magic", sagt der Ami gern, und daraus machen Onlineportale dann "Magische Plätze rund um den Globus". Auf dem Gipfel des Zauberbergs angeblich Dubai, wo es aussehen mag wie bei 1001 Nacht. Wo aber die reale Prinzessin Latifa 
dem WDR gerade sagte: "Als Frau ist dein ­Leben hier nichts wert". Zauberhaft? Weise?

Wer bleibt da ohne Persönlichkeitsstörung?

Magisch scheint manchmal auch Schön­sprech zu sein für: besonders. "Die 5 magi­schen Momente des Lebens" heißt ein Buch, in dem es um Wendepunkte im Leben geht. Die Autorin spricht vom "Zauberkünstler in uns". Puh, in uns steckt doch schon das innere Kind, der innere Kritiker, der innere Garten und der innere Richter. Wer da ohne Persönlichkeitsstörung bleibt, muss tatsächlich ­zaubern können. Nicht dass am Ende Kar­nickel aus dem Hut fliegen.
In all diesem esoterischen Kram steckt ­natürlich ein Stück Weisheit.

Es gibt Momente im Leben – und vermutlich auch in Dresden und in Dubai –, wo es drauf ankommt. Wo man sich entscheiden muss. Wo was geht. Mir ist da die kernige VW-Managerin lieber, die jungen Frauen auf der Suche nach sich selbst nicht etwa sagt: "Sei deine innere Zauberin", sondern: "Was du tust, passt das für dich selbst?"

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Lesermeinungen

Hallo Frau Ott,
Ihr Kommentar "Erledigt" in chrismon 09/19 spricht mir aus der Seele und bringt mich tatsächlich mal dazu, selbst einen solchen abzugeben! Auch mir liegt die Haltung von Hiltrud Werner näher und dazu passt ein Spruch, den ich auf der BUGA in Heilbronn passenderweise im Garten der Landfrauen entdeckte. "Die Welt braucht mehr Räubertöchter und weniger Prinzessinnen!" Dem ist nichts hinzuzufügen, finde ich!!
Ich bin beruflich als Frauenärztin tätig und mir begegnet täglich beides. Und nein, wenn ich ehrlich bin, dann werden die Räubertöchter nicht weniger. Aber irgendwie stehen die Prinzessinnen mehr im Vordergrund und ja, ich finde ihr Einfluss wird größer dank der sozialen Medien.
Mit freundlichen Grüßen
Ingeborg Rupp