Ursula Ott erledigt "Typ"

Typ "Christkind" – 
da stimmt was nicht . . .
Egal, ob es ein Psychotest, eine Umfrage oder eine dubiose Studie ist: permanent wird man als "Typ" eingeordnet.

Ich bin der Typ "Heavy Frühstücker", weil ich jeden Morgen "mit einer ersten Mahlzeit in den Tag starte und eine Zeitung lese". Aha. Die Hochburg dieses "Frühstückstyps" liegt in Brandenburg. Da ich mein Müsli mal in Hessen, mal in Nord­rhein-Westfalen anrühre, bin ich nicht sicher: Muss ich mir Sorgen um mich machen? Da ich beim Frühstück Zeitung lese, habe ich um 6.30 Uhr nur wenig Augen und ­Ohren für die anderen am Tisch. Das gäbe aber Punkte beim "Achtsamkeitstest". Der machte mich schon bei Ankunft in meinem Mailfach sauer. "Welcher Achtsamkeitstyp sind Sie?" – was ist das denn für eine blöde Suggestivfrage? Und wenn ich gar nicht achtsam sein möchte, weil ich das für eine gequirlte 
Lifestyle-­Mode 
halte? Dann geht es mir so, wie wenn man Kinder fragt: Magst du Brokkoli oder Spinat? Dabei hassen sie grünes Gemüse.

Ursula Ott

Ursula Ott ist Chefredakteurin von chrismon und Chefredakteurin von evangelisch.de. Sie studierte Diplom-Journalistik in München und Paris und besuchte die Deutsche Journalistenschule in München. Sie arbeitete als Gerichtsreporterin bei der "Frankfurter Rundschau", als Redakteurin bei "Emma", als Autorin und Kolumnistin bei der "Woche", bei der "Brigitte" und bei "Sonntag aktuell" sowie als freie Autorin für Radio und Fernsehen.
Foto: Lena UphoffUrsula Ott, chrismon Chefredakteurin

Der Achtsamkeitstest ist gesponsert von ­einer Wund- und Heilsalbe, die auf Platz 5 der meistverkauften Medikamente in Deutschland rangiert. Der Frühstückstest ist eine Marketingaktion der Zeitungsverlage. Und die unzähligen Tests "Welcher Weihnachtstyp bist du?" gibt’s von Frauenzeitschriften und der Verbraucherzentrale. Die Weihnachtstests sind besonders trist, denn es geht meistens um mäßig existenzielle Fragen: Silberne oder rote Glaskugeln? Wachskerzen oder Lichterketten? Braten oder vegan? Bei einem der Tests, die ich gemacht habe, kam heraus: "Ursula, du bist ein Christkind!" Einspruch! Das Christkind will uns ja gerade sagen: Gott ist Mensch ge­worden. Ein anderer werden, das ist ein Grundgedanke 
in der Bibel. Nicht immer derselbe "Typ Mensch". 
Saulus wurde sogar Paulus. Und ich, Ursula Ott, soll immer nur derselbe Typ Frühstück, Achtsamkeit und Heiligabend sein? Bitte gebt mir Wundsalbe!

Wenn wir alle an Heiligabend immer nur das veranstalten, was wir seit 30 Jahren so ­machen, dann wird es für manche richtig hart: für die frisch Getrennten, für die Witwen, für unsere neuen Nachbarn aus Aleppo. Man kann gerade Weihachten auch mal anders 
feiern: Ideen finden Sie auf Seite 37. Noch ist Zeit 
für die Planung. Machen Sie was draus!

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.