Präses Annette Kurschus über den wachsenden Antisemitismus

Jesus war 
ein jüdisches Kind
Christen und Juden sind 
eng miteinander verbunden. Gerade wir Christen sollten dafür sorgen, dass Juden hier frei leben können.

Vorgelesen: Auf ein Wort "Jesus war ein jüdisches Kind"

Eigentlich hängt sie außen. Leicht geneigt, am rechten Türrahmen. Eigentlich. Das ist aber heute zu gefährlich, höre ich. "Wir haben unsere Mesusa lieber innen aufgehängt, hinter der Tür, damit man sie von außen nicht sieht." Die Mesusa ist eine Kapsel mit einer kleinen Schriftrolle drin: "Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Das schreibe auf die Tür­­pfosten deines Hauses." Worte, die darauf hinweisen: Hier wird jüdisch gelebt, geglaubt, gebetet. Hier sind ­Jüdinnen und Juden zu Hause.

Aber beinahe die Hälfte aller jungen jüdischen Europäerinnen und Europäer trägt bewusst keine jüdischen Symbole nach außen. Keine Kippa, keinen Davidstern und eben keine Mesusa. Zu gefährlich. Was ist das für ein Zuhause?

Annette Kurschus

Annette Kurschus, Jahrgang 1963, ist seit 2012 Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen mit Sitz in Bielefeld. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt in der Landeskirche bekleidet. Seit 2015 ist die Theologin zudem stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).
EKvW

Ein Viertel der Deutschen – das ergab 2019 eine repräsentative Umfrage des World Jewish Congress – hegt antisemitische Gedanken. Antisemitische Straftaten nehmen zu. Die Zahl der Gewaltdelikte hat sich in Deutschland binnen eines Jahres beinahe verdoppelt. Am jüdischen Versöhnungstag gab es einen Anschlag auf die Synagoge in Halle, während Jüdinnen und Juden drinnen beteten. Warum gab es keinen Polizeischutz? Wie kann es sein, dass die Gefahrenlage offenbar so verheerend falsch eingeschätzt wurde?

Was hindert uns, sofort einzuhaken?

"Du Jude!", schallt es aggressiv über unsere Schulhöfe. Das darf nicht unwidersprochen durchgehen, als sei es ein harmloses Schimpfwort. Was läuft da schief, wenn doch die Schoah zum Kernbestand jedes schulischen Geschichts­unterrichts gehört? Was hindert uns daran, sofort einzuhaken: "Was meinst du damit?", "Weißt du eigentlich, was du da sagst?"

Bis in die Kirchen hinein reicht der gesellschaftliche Rückhalt antidemokratischer und offen antisemitischer Kräfte. Vielleicht hatten wir insgeheim gehofft, unsere schuldhafte Geschichte mache uns dagegen immun. Wir werden gerade eines Besseren – oder sagen wir richtiger: eines Schlechteren – belehrt.

Was wird, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt?

Immerhin: Die Reaktion auf den Terroranschlag in ­Halle folgte prompt. In vielen Städten unseres Landes ­gingen Menschen auf die Straßen, Hunderte bildeten Menschen­ketten um Synagogen in ihrer Mitte. Gott sei Dank gibt es solche klaren und starken Zeichen der Solidarität.

Darüber hinaus ist es dringend an der Zeit, dass wir uns selbstkritisch fragen: Wie steht es eigentlich um ­unsere viel gerühmte Erinnerungskultur? Und was soll werden, wenn es bald keine Zeitzeugen mehr gibt, die aus eigener Erfahrung erzählen können, was sie erlebt haben in Auschwitz oder Bergen-Belsen? Was sie erlitten haben im Krieg? Unsere Kinder müssen wieder neu lernen, dass Demokratie und Frieden kostbare Errungenschaften sind, um die man kämpfen und die man sorgsam pflegen und gestalten muss. Es steht viel auf dem Spiel.

Juden und Christen sind Geschwister

Bald begehen Jüdinnen und Juden ihr Lichterfest ­Chanukka, während Christinnen und Christen die Geburt Jesu feiern. Der Herr der Kirche kam als jüdisches Kind zur Welt, im Stall zwischen Ochs und Esel, in Bethlehem, wo jüdisch gelebt, geglaubt und gebetet wurde. "Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein."

Über die Geburtsgeschichte Jesu sind Christinnen und Christen unlöslich mit dem Judentum verbunden, so dass es für uns keinen anderen Ort geben kann als den an der Seite von Jüdinnen und Juden: als Geschwister. Und so ist es auch und gerade an uns, entschieden dafür Sorge zu tragen, dass die Mesusa wieder hängen kann, wo sie hingehört: außen. Nicht nur eigentlich.

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Lesermeinungen

Sehr eehrte Frau Kurschus
seit einiger Zeit lese ich die Zeitschrift "chrismon", ich bekomme sie mit meiner Tageszeitung. Zuerst habe ich sie zur Seite gelegt - ich bin nicht religiös gebunden - was aber nicht bedeutet, dass ich keinen Glauben habe. Ja, ich glaube, dass es einen Macht gibt, die uns lenkt und leitet. Ich bedanke mich auch ständig, wenn ich Klippen umschifft habe und sehe auch die Ohrfeigen, wenn ich aus Schaden nicht gelernt habe.
Ich stehe kurz vor meinem 77. Lebensjahr und bin seit 11 Jahren verwitwet. Irgend wann vor 6 Jahren kam mir der Gedanke, über geschichtliche Begebenheiten zurecherchieren und in der Folge entstanden Bücher - die ersten waren noch recht unterentwickelt, aber dan fand ich meinen Stil und begann, über die Entwicklung der Menscheit im Alten Orient - in Mesopotamien über einen Zeitraum von 20 000 Jahren zu recherchieren: Beschreibungnen von Chronisten, wissenschaftliche Bericht, Ergebnisse von Ausgrabungen etc. Mein Ziel war es, nicht punktuell über einzelne Begebenheiten zu schreiben, sondern eine chronologische Aneinanderreihung der Prozesse im Alten Orient zu erstellen. Dann kam ich an die hochinteressanten Themen der Entwicklung des philosophischen Gedankengutes und davon nocht zu trennen die Entstehung des Monotheismus. Meine erste Recherche galt dem Judentum. Ich war erstaunt, was ich alles erfuhr. Man muss natürlich versuchen, die Dinge aus seiner mystischen Darstellung herauszulösen und zu relativieren. Es ist ohnehin schwer, geschichtliche Begebenheiten in " seiner Zeit " zu verstehen, da wir dies stets aus unseren heutigen Lebensumständen, der sozialen Umstände heraus betrachten.
Aber nun zum Judentum. Dass Jesus ein Jude war und die Juden von den Christen abgelehnt wurden, lernte ich im Religionsunterricht, habe aber nie die Ursachen und Zusammenhänge verstanden. Das Judentum war ja - nach Zaratustra - nach meiner Ansicht die erste Religion, die ei Volk mittels des monotheistischen Glaubens "in Schach halten" konnte und durch die fehlende Bildung zum Gehorsam zu bringen war. Der Richter und Befehlshaber war ja Gott (JHWH), der Mensch nur die ausführende Hand seiner Befehle. Mose war ja ein gebildeter Mensch, da er am Hof des Pharao aufwuchs. Der Auszug aus Ägypten war ja lang andauernder Prozess und das Volk musste an Disziplin gewöhnt werden und das durch Worte, die ein "Gott" sprach. Das ist weder zu bewwisen, aber auch nicht zu widerlegen.
Wissenschaftler haben sich ja sehr intensiv mit der Darstellung der "Zehn Plagen" vor dem Exodus mittels Grabungen, Klimaforschungen etc. befasst. Teilweise konnten Begebenheiten als theoretisch möglich bestätigt werden.Aber an jeder Überlieferung ist ja bekanntlich ein Krümchen Wahrheit dran, zumal die Überlieferung zunächst nur mündlich erfolgte und erst Jahrhunderte später zur Niederschfift kam. Die Tafeln, die Mose mit den "Zehn Geboteb" am Berg Sina von seinem Gott JHWH erhielt, müssen ja eine realistische Form erhalten, ich gehe davon aus, dass Mose sie selbst geschrieben hat oder ein Schreikundiger im Auftrag Mose`s.
Aber zu Frage, weshalb die Juden nicht vielerorts nicht sonderlich gemocht werden, es ist ja kei Phänomen der Gegenwart oder der jüngsten Vergangenheit.Ich war bereits entsetzt beim Lesen über die "Zehn Plagen", wie Gott die Ägypter strafte. Er tat es ja gegen das Volk, den Herrscher hat es ja kaum getroffen und ER hat ja die Juden knechten lassen.
Wie stand es mit der " Landnahme Kanaans ", dem von Gott "verheissenen Land für das Volk Israel". JHWH befahl, ja befahl - und Ungehorsam duldete er nicht; das war ja der Machtstab, den man nun gegen das Volk in der Hand hatte. Als Mose zum Empfang der Zehn Gebote abwesend war, verlangte das Volk von Aaron die Schaffung eines anderen Gottes (siehe Goldenes Kalb) ... Nach der Rückkehr Mose`s, erhielt dieser den Befehl von JHWH, alle Abtrünnigen mit dem Schwert zu töten...(heutigen Diktatoren gleich). Bereits Abraham musste seinen Gehorsam beweisen - Opferung Isaaks, wer damals die Befehle überbrachte, ist nicht nachvollziehbar.
Im "Exodus" rettet JHWH die Juden, indem er das ägyptische Heer vernichtete ... siehe das Siegeslied der Mirjam " Lasst uns JHWH singen, denn er hat eine herrliche Tat getan, Ross und Mann hat er ins Meer gestürzt." Wieder traf es die Falschen, wenn Gott so mächtig ist, hätte er die Krieger bekehren können. So zieht sich der Faden durch alle 5 Bücher Mose´s ... siehe Deutoronomistisches Geschichtswerk (Bücher Josua - 2. Kön) Aber für mich ist die Landnahme Kanaans (ca. 1230 - 1208 v.Chr.) eines der gravierendsten Ereignisse, die im Auftrag JHWH`s stattgefunden haben und für alle Zeiten Hass auf die Juden lenkten. Die Bibel berichtet im Kontxt der Landnahme auch über Ausrottungen fremder Nachbarvölker Israels im Auftrage Gottes, und die Frauen und Kinder nicht verschonen sollten.
Die biblische Geschichtsschreibung unterscheidet sich in Bezug auf Krieg nicht wesentlich von der orientalischer Grossreiche. Jedoch deutet sie die Katastrophen der Geschichte Israels im Anschluss als "Gericht Gottes". Die Propheten legitimierten die grausamen Taten als Gebot Gottes, so z.B. die Beseitigung Uriahs durch König David, um dessen Witwe zur Frau nehmen zu können.
Sicher ist auch, dass die Christen eine unumkehrbare Feindschaft gegen die Juden hegen, da sie diese als Mörder an Jesus sehen.
Die Christen will ich hier nicht hofieren, in Bezug auf "Landnahme" waren sie später nicht anders und verbreiteten auch gewltsam ihre Religion, und ebenfalls "im Auftrag Gottes" unter Nutzun der fehlenden Bildung im Volk.
Mein Fazit zu dieser Gesamtthematik ist: man sollte sich in aller Offenheit und Ehrlichkeit zu seiner Vergangenheit bekennen. In ganz neutraler objektiver Form sollte dies geschehen. Ja, es war so, aber die Umstände können wir heute nicht mehr werten, da wir sie nicht beurteilen können. Das gilt auch insbesondere für die orthodoxen Kirchen und die römisch-katholische Kirche. Ich hoffe, dass Sie in meiner Meinungsäusserung kein antisemitisches Denken halten, aber man sollte das auch nicht ständig in den Vordergrund rücken, dadurch werden immer wieder diese Reaktionen ausgelöst.
Mit freundlichen Grüssen
Karin Ziem

Scheinbar wissen gewisse "falsche Heilige" nicht mehr, auf welche Seite sie sich schlagen sollen: gegen Islamfeindlichkeit, dann wieder gegen Judenhass, Hauptsache man tut was für die anderen. Aus dem Fokus gerät die eigene Gruppe, die dann sogar noch ertragen muss, wie sie von Ihren Brüdern diffamiert wird, weil viele den weichgespülten und sich jämmerlich anbiedernden neoliberalen Protestantismus nicht teilen! Ihr werdet Euch vor dem Thron wiederfinden und diese Frage beantworten müssen! Wer seine Werte für die Werte anderer verkauft, ist ein gottloser Heuchler! Schaut man auf die abrahamitischen Religionen, so fällt eines jedem auf: das Christentum hat seine frühen Wurzeln im Judentum, ja. Somit besteht hier vielleicht eine gewisse Nähe, die sich auch kulturell nicht verleugnen läßt - auch heute nicht! Und das ist gut so!

Jetzt nehmen wir folgenden Bibeltext:
- Nehemia 3.4

Und diesen werfe ich vor Eure Füße:
- Hosea 9.10

Hört auf mit dem Götzendienst und unterscheidet Freund von Feind und andersherum!
Wenn Ihr nicht für unsere hohen Christlichen Werte einstehen wollt, dann werden es andere tun!
In meinen Augen seid Ihr vom Pfad abgekommen und führt einen unheiligen verlogenen Krieg gegen das eigene Blut!

Das offene Auge ist ein gutes, doch sieht es laufend weg, ist es ein blindes!

Sehr geehrte Damen und Herren,
muss man jedem Zeitgeist hinterherlaufen? Gibt es kein Vertrauen in das Selbstbewusstsein Ihrer Leser(!), dass diese sich auch ohne die Krampfformulierung "Christ und Christinnen", "Juden und Jüdinnen" (ach es muss ja heißen "Christinnen und Christen", "Jüdinnen und Juden"!) beachtet und angesprochen fühlen? Merken Sie nicht, wie durch diese Worthülsen die Aussagen der Sätze leidet?
Mit freundlichen Grüßen
E. Hickl

Sehr geehrte Redaktion!
Die Analyse von Annette Kurschus führt noch nicht weit genug. Denn schon jetzt, wo noch die letzten Zeitzeugen leben, lässt sich leider in Deutschland eine abnehmende Empathie gegenüber den Opfern der NS-Herrschaft beobachten, wenn man nur einmal an den Ghettorenten-Skandal in Nordrhein-Westfalen denkt, wo ein Sozialrichter, der die ihm zugewiesenen Fälle nicht nur anhand der lückenhaften Akten bearbeiten wollte, sondern die betroffenen Personen besuchte, um weitere Informationen einzuholen, sich plötzlich selbst vor Gericht zu verantworten hatte. Deshalb muss eine breite gesellschaftliche Debatte über die Zukunft der Erinnerungskultur sofort gestartet werden, zumal es ebenfalls Städte wie Hamburg gibt, wo beispielsweise im ehemaligen Gestapo-Hauptquartier namens "Stadthöfe", wo immerhin die Deportation von Menschen jüdischen Glaubens aus ganz Norddeutschland organisiert wurde, gerade anstatt einer würdigen Gedenkstätte und trotz vieler Bürgerproteste lieber ein schnöder Shoppingtempel entstehen soll!
Rasmus Ph. Helt

Sehr geehrte Damen und Herren,
mit großer Freude habe ich in der aktuellen Ausgabe die Gedanken von Annette Kurschus über Judentum und Christentum gelesen. Richten Sie ihr bitte meinen Dank aus!
Nicht nur, weil ich Theologe bin (Altenheim-Seelsorger nach Tätigkeiten in Gemeinden, im Gefängnis und im Krankenhaus), sondern auch als Enkel einer jüdischen Großmutter, die nur mit Glück und Mut den Nazis entkam, berührt mich dieses Thema sehr unmittelbar.
Ich habe im Rahmen meiner theologischen Überlegungen einige Thesen aufgeschrieben, die ich Ihnen und selbstverständlich auch Frau Kurschus gern zur Verfügung stelle - siehe Anlage. Nach meiner letzten Endes eher sich festigenden Überzeugung müssen wir in der christlichen Theologie immer mehr den Schritt hin zu einem Dialog mit dem Judentum auf Augenhöhe wagen (er ist nach wie vor ganz und gar nicht selbstverständlich) - unter Einbeziehung der Tatsache, dass Jesus Jude war und blieb.
Eine gesegnete verbleibende Adventszeit und ein gesegnetes Weihnachtsfest Ihnen allen!
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich Tietze

Nicht nur Juden und Christen sind durch ihre traditionellen Wurzeln verbunden, auch die Muslime gehören dazu! Und alle ruhen auf den gewaltigen Schultern der griechischen Philosophie, insbesondere auf denen Platons. Aber alle drei hängen fest an ihren jeweiligen vordergründigen Symbolen, statt zu ihren Wurzeln vorzudringen. Hier liegt das Problem! Es geht darum, die Idee der Philosophie zu begreifen. Allein hierin kommen die Menschen überein. Aus allem kann man aussteigen, kann hin und her pendeln zwischen den Religionen, nur aus der Philosophie kann man nicht aussteigen.

Zitat: "Über die Geburtsgeschichte Jesu sind Christinnen und Christen unlösbar mit dem Judentum verbunden".

Antisemitismus als göttliche Fügung? Die Geschichte der Symbiose zwischen Juden und Christen beginnt wesentlich früher als zur Stunde Null am 24.12.. Noch genauer, nur AT u. NT sind zusammen Quellen und Säulen des Christentums. Diese Einsicht wurde von ca. 400 bis ca. 1945 um der puren Macht Willen verraten. In und mit AT + NT ist die prophetische Abfolge gesagt und getan worden. Und es ist noch bizarrer! Der angeblich von den Juden zu verantwortende Tod von Jesus ist der ursprüngliche Akt der Religionsstiftung. In der Wahrheit des Christentum ist die Selbstopferung Gottes in seiner 2. Person und seinem 3. Wesen aber auch von Beginn der Schöpfung an als eine unausweichlich göttliche Fügung vorgesehen gewesen. Die Juden bzw. ihre Handlanger sind demnach göttliche Werkzeuge. Wiederum diese Eigenschaft als göttliche Jesusmörder hat zum religiös begründeten Antisemitismus geführt. Wenn sie, wie beansprucht, Geschwister sind, dann mit unterschiedlichen Eltern? Mit dem christlichen Antisemitismus wurde demnach die eigene Religionsstiftung bis aufs Messer (Pogrome, etc.) bekämpft. Verstärkt wurde diese christliche Grundeinstellung noch durch den Anspruch der Juden, die älteste und nachweislich begründetste Monotheistische Religion und das wahrhaft auserwählte Volk Gottes zu sein. Diese Konkurrenzsituation konnte noch nie verstanden und beherrscht werden. Auch nicht durch die schönsten und erhabensten Kanzelsprüche und mittelalterlichen semantischen Begründungskapriolen. Das ganze neue Testament ist eine Fundamentalkritik am Judentum, gipfelnd im Mordvorwurf an jedem 24.12. Und in welchem Umfang bis zum 8.5.45 bedenkenlos verfolgt wurde, können Sie dem Buch „Protestanten ohne Protest“, herausgegeben von der Evangelische Akademie der Pfalz, v. Chr. Picker u. A., entnehmen. Hier zeigt sich die totale Unvereinbarkeit zwischen der Historie, den moralischen und ethischen Ansprüchen, den Taten der unchristlichen Verfolgung von Juden und der verwirrenden Exegese von überlieferten Inhalten. Jetzt „mea culpa“ zu machen und zu hoffen, zu fordern und zu behaupten, dass das Christentum von Anfang an mit dem Judentum in einer viel gerühmten Geschwisterschaft bestand, ist schon ein eigenartiger Anspruch. Hier hat schon immer die angemahnte Erinnerungskultur erbärmlich versagt. Genau wie die an die schon vor 1933 begonnenen und dann im Juli / September 1933 vereinbarten Konkordaten und deren Folgen bis heute. Das Christentum war immer, und ist es mit dem Vorwurf des Jesusmordes bis heute, eine religiös begründet Mord-Quelle des Antisemitismus.