Pro Reli In Berliner Schulen wird der Religionsunterricht systematisch benachteiligt.

Eine Bürgerinitiative kämpft um einen Volksentscheid.

In Berlin, der deutschen Hauptstadt, ist Religion kein ordentliches Unterrichtsfach. Ab der Sekundarstufe I hat das Abgeordnetenhaus ein Pflichtfach Ethik eingeführt. Da eine Abmeldung von diesem Fach ausgeschlossen ist, benachteiligt die Berliner Regelung diejenigen Schülerinnen und Schüler, die evangelischen oder katholischen Religionsunterricht besuchen möchten. Sie können das nur zusätzlich zum Ethikunterricht tun.

Die Verdichtung der Stundentafel durch die Einführung des Turbo-Abiturs nach zwölf Schuljahren macht es außerordentlich schwer, den Religionsunterricht als weiteres, nicht einmal normal benotetes Fach zu besuchen. Berliner Abiturienten bringen übrigens von diesen zwölf Schuljahren nur sechs auf dem Gymnasium zu; denn die Grundschulzeit dauert ebenfalls sechs Jahre.

Ein Volksbegehren, ausgerechnet in Bderlin, wo es Glaube und Religion besonders schwer haben

Mit einem Volksbegehren gegen die Benachteiligung des Religionsunterrichts, hätte in Berlin noch vor zehn Jahren niemand gerechnet. Ausgerechnet in Berlin, hätte mancher gesagt. Ausgerechnet in der Stadt, in der Glaube und Religion es traditionell besonders schwer haben. Aber eine Bürgerbewegung ist in Gang gekommen. "Pro Reli" zielt auf Fairness und Wahlfreiheit. Religion und Ethik sollen als ordentliche Unterrichtsfächer gleichberechtigt sein. Schüler und Eltern sollen die Möglichkeit erhalten, das vom Grundgesetz geschützte Recht der positiven Religionsfreiheit auch im Bildungsbereich in Anspruch zu nehmen.

Über die christlich orientierten Jugendlichen hinaus erwartet auch eine beachtliche Anzahl von Schülern, die kirchlich nicht gebunden sind, in der Schule eine solide und sachkundige Einführung in die Welt des Christentums im Vergleich zu anderen Religionen und Weltanschauungen.

Mit 39 000 Unterschriften hat die Bürgerinitiative das erste Ziel des Volksbegehrens bereits erreicht. Nun müssen in der nächsten Stufe bis zum 21. Januar 2009 mindestens 170 000 Unterschriften gesammelt werden. Ich bin zuversichtlich, dass das gelingt. Wenn diese Zahl erreicht wird, ist die Tür zu einem Volksentscheid geöffnet.

Religion muss ein ordentliches Unterrichtsfach sein

Auch in Berlin zeigt sich die wachsende Aufmerksamkeit für die Fragen von Religion und Glauben. Für das persönliche Leben ist eine innere Klarheit in Glaubensfragen ebenso wichtig wie für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Gerade in einer Zeit, in der verschiedene religiöse und weltanschauliche Haltungen nebeneinander stehen, kann die Schule Fragen der religiösen Bildung nicht ausklammern. Auch das Problem des islamischen Religionsunterrichts lässt sich nur dort einigermaßen überzeugend lösen, wo Religion ein ordentliches Unterrichtsfach ist.

Wichtig ist es aber auch, dass Schülerinnen und Schüler Schlüsselthemen der religiösen und ethischen Orientierung im Klassenverband besprechen. Deshalb schlagen wir in Berlin gemeinsame Unterrichtsprojekte für die verschiedenen Lerngruppen vor, die sich in einem Wahlpflichtbereich Religion / Ethik bilden.

Schülerinnen und Schüler sollen wählen; sie sollen aber auch gemeinsam lernen. Gerade im Blick auf das wichtige Ziel der Integration ist dieser Ansatz richtig.

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