Olympia - China steht weltweit in der Kritik

Auch die evangelische Kirche lädt dazu ein, ein Zeichen für die Menschenrechte zu setzen

Am 8.8.08 um 8.08 Uhr abends werden die Olympischen Spiele eröffnet. Alles ist präzise vorbereitet. Der längste Fackellauf aller Zeiten wurde geplant als glanzvolle "Reise der Harmonie". Selbst auf dem Mount Everest war eine Station, und am 20./21. Juni soll eine in Lhasa, Tibet, sein! 302 Wettbewerbe in 28 Sportarten werden ausgetragen, 205 Nationen nehmen teil, mehrere Milliarden Euro wurden in die Infrastruktur und die Organisation investiert. Alles schien perfekt.

Die große Inszenierung von Geld, Glanz und Sport gerät zum Symbollauf um die Menschenrechte

Und nun das! Da stören Menschen den Fackellauf. Diese große Inszenierung von Geld, Glanz und Sport, geschützt durch eine chinesische Elitetruppe, gerät zum Symbollauf im Streit um die Menschenrechte. Da könnte die Beobachterin fast fragen: Bedient sich Gott auch in diesem Fall der ungewöhnlichsten Wege? "Ihr gedachtet, es böse mit mir zu machen, aber Gott ließ es gut werden": Dieser biblische Satz am Ende einer langen Geschichte von Verrat und Enttäuschung (1. Mose 50,20) kam mir in den Sinn, als ich die Menschenrechtsaktivisten sah, die den Fackellauf in verschiedenen Ländern störten. Es scheint, als wird dieser Fackellauf zum Lauf für die Freiheit, zum Zeichen, dass es neben einer Globalisierung von Macht und Geld doch auch ein weltweites Bewusstsein für Recht und Unrecht, für den Wert der Freiheit und den Schutz der Menschenwürde gibt. Der Fackellauf zur Olympiade wurde von Joseph Goebbels für die Spiele 1936 in Nazideutschland organisiert. Jetzt wirbt der Lauf wieder für ein Land, in dem die Menschenrechte brutal unterdrückt werden.

Wer die chinesischen Warnungen hört, die Spiele nicht zu "funktionalisieren", dem gefriert das Lächeln. Wer funktionalisiert denn hier was? Schon 2001, bei der Vergabe der Spiele nach Peking, hatten Menschrechtsorganisationen dagegen protestiert. Es gibt in China keine Presse- und Meinungsfreiheit. In Tibet wurde gerade wieder ein Aufstand niedergeschlagen, Mitglieder der Religionsgemeinschaft Fa-lun-Gong werden brutal verfolgt, Christen haben einen schweren Stand, Regimekritiker werden inhaftiert, unerwünschte Personen aus der Stadt geschafft.

Wer funktionalisiert denn hier was? 

Die Hoffnung, die Spiele brächten einen politischen Wandel, muss das Regime durch Gespräche mit seinen Kritikern erfüllen. Als das IOC vor chinesischen Drohungen kuschte, schadete es der Glaubwürdigkeit dieser Spiele - sie sollen doch "dem Frieden der Welt" dienen. Dazu gehören die Menschenwürde ebenso wie eine friedvolle Gesellschaft und die Ablehnung jeder Diskriminierung etwa von Frauen wurde das bisher ernst genommen?

Dass Menschen bei diesem Spektakel nicht zynisch werden, lässt sich nur verhindern, wenn die Spiele zum Zeichen der Ermutigung werden: für diejenigen, die sich in China, Tibet und der ganzen Welt für Menschenrechte einsetzen. Auch Adidas und VW als Olympia-Sponsoren können die Menschenrechtsfrage ins Spiel bringen. Das ist eine ganz neue Chance für Olympia: Spiele auch als Zeichen für Menschenrechte weltweit zu verstehen. Ob die Funktionäre dazu den Mut haben?

Mut machen möchte ich ihnen mit einer kleinen Geste. Wer hier oder in Peking ein Zeichen setzen will, dem geben wir von der Landeskirche ein Armband mit. Auf ihm steht der visionäre Satz aus Psalm 85: ". ..dass Gerechtigkeit und Friede sich küssen", dazu ein Facettenkreuz und "Olympia 2008". Ein schlichtes Zeichen, das sagt: Wir respektieren, dass Chinesen ihr Land lieben, aber wir lassen die Unterdrückung der Menschenrechte nicht durch eine Glitzerfassade überblenden.

PS: Sie können die Armbänder bestellen unter www.evlka.de

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.