In guten wie in bösen Tagen

Die Ehe hat offensichtlich etwas Faszinierendes, doch scheint sie nicht leicht zu leben zu sein.

Eine Zeitungsnotiz fand ich interessant: Wolfgang Joop, der große Modedesigner, bereue die Trennung von Frau und Kindern. Das SZ-Magazin zitierte ihn mit den Worten: Er habe nicht eine sexuelle Erfahrung gemacht, "die so fantastisch war, dass es sich dafür lohnt, seine Kinder zu verlassen"!

Die Ehe hat etwas Faszinierendes, doch scheint sie nicht leicht zu sein.

Die Klatschspalten sind voll von Nachrichten über Hochzeiten, Scheidungen und Wiederverheiratungen. Eine dritte oder vierte Ehe ist ­ nicht nur bei Politikern ­ keine Seltenheit. Die Scheidungsraten sind so hoch wie noch nie. Die Ehe hat offensichtlich etwas Faszinierendes, doch scheint sie nicht leicht zu leben zu sein.

Ich schreibe dies kurz vor meinem 33. Hochzeitstag. Ich kenne die Zeiten, in denen ich meiner Frau Anlass gegeben hätte, sich scheiden zu lassen: Ich war von 8 Uhr bis 24 Uhr dienstlich unterwegs und meine Frau saß zu Hause und wartete. Dabei hatte ich ihr doch versprochen, spätestens um 21.30 Uhr zurück zu sein. Aber da waren die jungen Studentinnen, die mit mir, dem Studentenpfarrer, dringend ihre Probleme besprechen mussten. Ich meinte, meine Frau werde das schon verstehen.

Als meine Töchter dringend die Zeit und Aufmerksamkeit ihres Vaters brauchten, war ich unterwegs zu Konferenzen oder Sitzungen. Die Enttäuschung über meine Abwesenheit musste meine Frau ausbaden.

Solche Geschichten könnte ich viele erzählen. Alle hätten sie den gleichen Tenor: Gründe, sich von mir scheiden zu lassen, hätte meine Frau genügend finden können. Ich bin dafür dankbar, dass meine Frau und ich so erzogen worden sind, dass sich der Gedanke an eine Scheidung uns nie wirklich aufdrängte. "Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden": Das war für uns eine so klare und eindeutige Maxime, dass wir darum gekämpft haben, miteinander zu leben, ohne dass dies zu Lasten des oder der anderen geht. Heute sind wir beide froh, dass wir 33 Jahre zusammen leben durften und uns hoffentlich noch viele gemeinsame Jahre geschenkt werden.

Die Verantwortung liegt dabei nie nur auf einer Seite

Ich weiß auch: Es gibt Konstellationen, bei denen es für alle Beteiligten das Beste ist, wenn eine Ehe geschieden wird. Schon das Neue Testament kennt solche Situationen und jeder von uns wird aus seinem Bekanntenkreis solche Lebensgeschichten erzählen können. Die Verantwortung liegt dabei nie nur auf einer Seite.

Wer seine Schuld Gott bekennt, der macht den Weg frei für ihre Vergebung und bekommt eine Chance zum Neuanfang. Deshalb lehnt es unsere Kirche auch nicht grundsätzlich ab, für Wiederverheiratete in einer kirchlichen Trauung den Segen Gottes zu erbitten.

Ein Neuanfang ist immer möglich ­ wo und wenn Schuld eingestanden wird. Wenn mein Eindruck nicht täuscht, kommt es jedoch oft erst gar nicht dazu. Viele Menschen sind schnell beim Scheidungsanwalt, wenn es in ihrer Ehe Probleme gibt. Oft folgt dann genauso schnell eine zweite Ehe, in der die beiden nicht unbedingt besser zusammenpassen als in der zurückliegenden Partnerschaft. Doch diese Ehe gelingt nicht selten deshalb besser, weil die Partner etwas dazugelernt und erkannt haben: Eine Ehe zu führen bedeutet (auch) harte Arbeit.

Doch diese Arbeit lohnt sich. Es ist schön, auf lange Jahre gemeinsamer Erfahrung zurückzublicken. Zu wissen: Es gibt einen Menschen, dem ich vorbehaltlos vertrauen kann, der mich bis in mein Innerstes versteht und auch alle meine Schwächen kennt. Diese Erfahrung hilft gerade auch dann, wenn es einem schlecht geht. Eine Ehe ist ein unvergleichliches, wunderbares Gut ­ "in guten wie in bösen Tagen". Johannes Friedrich

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