Afrikanische Tragödie

Europa muss der noch jungen Afrikanischen Union tatkräftig helfen

Monatelang sind arabische Milizen über die Dörfer hergefallen, plünderten sie aus und brannten sie nieder. Sie folterten, vergewaltigten und mordeten. Hunderttausende Menschen flohen und fristen nun in Flüchtlingslagern im Tschad oder in der sudanesischen Krisenregion Dafur ihr Dasein.

Seit Februar dieses Jahres eskalierten die Auseinandersetzungen zwischen afrikanischen Rebellen und arabischen Milizen in Dafur. Über 30000 Menschen kamen allein in den ersten Wochen des Konflikts ums Leben. Unterstützt von der sudanesischen Regierung, die Angriffe gegen die Dörfer der afrikanischen Bevölkerung fliegen ließ, führen arabische Milizen einen rassistisch motivierten Krieg. Der UNO-Koordinator für die humanitäre Hilfe im Sudan spricht von einem organisierten Versuch, eine ganze Volksgruppe auszulöschen, der UNO-Menschenrechtskommissar bezichtigt die sudanesische Regierung der aktiven Mittäterschaft bei Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Zunehmend werden Hunger und der Mangel an Medikamenten als Waffen eingesetzt.

Zunehmend werden Hunger und der Mangel an Wasser und Medikamenten als Waffen eingesetzt. Mit Schikanen verhindert die sudanesische Regierung, dass die bereitgestellten Hilfsmittel zu den Bedürftigen gelangen. Die Helferinnen und Helfer des UN-Flüchtlingshilfswerks, der Welthungerhilfe, von Diakonie und Caritas, von "Ärzte ohne Grenzen" und weiteren Hilfsorganisationen versuchen das ihnen Mögliche und verdienen dabei jede Unterstützung. Sie kämpfen auch gegen die Zeit. Denn mit begonnener Regenzeit können sie Tausende von Flüchtlingen wahrscheinlich nicht mehr erreichen. Experten befürchten den Tod von bis zu 350000 Menschen. Lange Wochen hatte es gedauert, bis diese humanitäre Katastrophe angemessen in den Gremien der UNO behandelt wurde. Beharrliches deutsches Drängen trug endlich Früchte. Dabei zeigt ein einstimmiger Beschluss des Deutschen Bundestages, dass hier alle Fraktionen an einem Strang ziehen.

Was mich schockierte: Als sich im Mai die dramatischen Berichte über die Lage in Dafur und das Vorgehen der sudanesischen Regierung häuften, entschied sich die afrikanische Staatengruppe, den Sudan erneut in die UNO-Menschenrechtskommission zu entsenden. Ein Regime, das sich an einem Vertreibungs- und Vernichtungskrieg gegen die afrikanische Bevölkerung im eigenen Land beteiligt, erfuhr gesamtafrikanische Solidarität. Ein unglaublicher Vorgang. Vor gut zehn Jahren ist die Völkergemeinschaft "kollektiv gescheitert" (UNO-Generalsekretär Kofi Annan), als es darum ging, den sich abzeichnenden Völkermord in Ruanda zu verhindern. 800000 Menschen wurden ermordet. (Siehe auch Seite 80.) Die Zuspitzung in Dafur und die fragwürdige Solidarität unter den Herrschenden in Afrika lassen es als fraglich erscheinen, ob überhaupt Lehren aus dem Völkermord in Ruanda gezogen wurden. Kofi Annan hat zwar am 7. April einen UNO-Aktionsplan zur Verhinderung von Völkermorden vorgeschlagen. Notwendig aber ist vor allem die Bereitschaft, frühzeitige Warnungen ernster zu nehmen und politisch entschlossener zu handeln. Die Beteuerungen afrikanischer Politiker für Demokratie und Menschenrechte sind nur glaubwürdig, wenn diese Politiker verbrecherischen Regimen entschieden Einhalt gebieten.

Europa muss der noch jungen Afrikanischen Union tatkräftig helfen

Europa muss der noch jungen Afrikanischen Union tatkräftig helfen, die erforderlichen Fähigkeiten zu erlangen. Ohne unsere Bereitschaft, mehr Verantwortung für Afrika zu übernehmen, behalten jene bitteren Kritiker aus Afrika Recht, die vermuten: Ein Völkermord in ihrem Kontinent lässt viele Europäer kalt.

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