Ursula Ott über Müllvermeidung und Klimaschutz

Liebe Tüftler, Impfstoff ging ja fix. Jetzt bitte Müll abbauen!
Toll, dass es einen Wettlauf um Impfstoffe gibt. Dasselbe brauchen wir jetzt fürs Klima!

Mein persönlicher CO2-Fußabdruck könnte seit Corona locker bei Kinder­größe 28 sein. Keine Flüge, kaum Autofahrten und jede Menge menschliche Nestwärme produziert während der Feiertage rund um den heimischen Tisch und Herd. Aber ich fürchte, meine Bilanz wird versaut durch den Verpackungsmüll, den ­unser Haushalt hinterlässt. Da sind wir eher bei Fußabdruck Größe 48.

Ursula Ott

Ursula Ott ist Chefredakteurin von chrismon und Chefredakteurin von evangelisch.de. Sie studierte Diplom-Journalistik in München und Paris und besuchte die Deutsche Journalistenschule in München. Sie arbeitete als Gerichtsreporterin bei der "Frankfurter Rundschau", als Redakteurin bei "Emma", als Autorin und Kolumnistin bei der "Woche", bei der "Brigitte" und bei "Sonntag aktuell" sowie als freie Autorin für Radio und Fernsehen.
Foto: Lena UphoffUrsula Ott, chrismon Chefredakteurin

Dabei versuche ich schon, besser zu werden. Meine Lieblingskollegin hat mir einen Henkelmann geschenkt, mit dem ich zum Vietnamesen trabe. Der schichtet sein Com Cari, das er in drei verschiedenen Töpfen liebevoll zubereitet – Reis, Tofusoße, ­Salat – ­ohne mit der Wimper zu zucken in meinen tragbaren Topf. Ha! Dreimal Styropor gespart, drei Plastik­deckel und eine Papiertüte. Stolz brüste ich mich als Botschafterin des verpackungs­freien Take-away.

Und gehe dann doch wieder ohne zu überlegen am Rhein spazieren, habe Lust auf einen Milchkaffee, rege mich beim Streetfood-Wagen auf über die Doofen, die ihre quadratischen Pizzakartons in runde Papierkörbe stopfen. Dabei bin ich selber doof, wieder mal ohne meinen Thermosbecher aus dem Haus gegangen und einen aus Pappe gekauft.

­Ökologisch sinnvolle Erfindungen müssen ge­fördert werden

Um zehn Prozent ist der Ver­packungsberg angewachsen seit ­Corona. Das geht auf keinen Fall so weiter. Im neuen Jahr gilt: Hirn einschalten vor dem Losgehen. Und der Politik auf die Füße treten: Eine Tüftler­nation, die in acht Monaten einen Impfstoff entwickelt, wird ja wohl was Besseres erfinden können als zweier­lei Plastik um die Käse­scheiben? Das muss poli­tisch gesteuert werden, ­ökologisch sinnvolle Erfindungen müssen ge­fördert und Umweltsauereien be­steuert werden – Augen auf bei der nächsten Bundestagswahl.

Und dann schön vor der eigenen Haustür kehren. Willi Weitzel hat in den letzten zwölf Monaten für chrismon Familien besucht, die es besser ­machen – mit dem Müll, dem Strom, dem Sparbuch. Und in seiner letzten ­Folge – mit dem Filmedrehen. Der ­Kollege ist ja Fernsehprofi. Apropos eigene Haustür. Vor meiner Tür, offenbar ein besonders pittoreskes Eck in der Kölner Südstadt, staune ich oft über das tag­hell beleuchtete Filmset von WDR oder RTL. Kabel, Lampen, Catering, Maske. Muss das sein?, fragt Schauspielerin Pheline Roggan: "Warum müssen beheizte Wohnmobile rumstehen, schlimmstenfalls für jeden Schauspieler eins? Es ist anstrengend, ­alte Gewohnheiten umzustoßen." Stimmt. Danke, Willi, du hast uns gezeigt, was geht! Jetzt sind wir selber dran.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Lesermeinungen

Liebe Frau Ott,
Ihr aktueller"Ansage"-Text spricht mir aus der Seele. Wir müssen Müll abbauen, im Interesse des Umwelt-, Arten- und Ressourcen-Schutz. Und auch im Hinblick auf die Verbreitung von Viren - die sich uns zum Wirt holen, weil die Lebensgrundlage ihrer ursprünglichen Wirte zunehmend entfällt - lohnt sich ein Blick auf unseren Umgang mit Wegwerfartikeln, die oft zu Umweltmüll werden. Und es lohnt sich, der Politik auf die Füße zu treten, dass sie auch ihr Handeln überprüft. Dabei können Sie mir vielleicht helfen, indem sie in Ihren Kommunikationskanälen auf die Problematik eines neuen Müllbergs aufmerksam machen: Auf der einen Seite kaufen wir zunehmend in Unverpackt-Läden (so es sie gibt) oder nehmen einen Trinkbecher mit für den Coffe to go, packen das Gemüse in den Korb statt in die Tüte ... Auf der anderen Seite produzieren wir seit Ende Januar einen für die Umwelt höchst problematischen Müll mit den verordneten Wegwerfmasken, die ursprünglich nur für ganz spezielle Arbeitsbereiche gedacht waren. Sowohl RKI als auch die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie, die Gesellschaft für Virologie und die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin haben Zweifel daran, dass diese Masken im Alltag ihren vorgesehenen Zweck erfüllen bzw. geeigneter sind als die Mund-Nasen-Bedeckung aus Stoff. Das wird aus den Stellungnahmen, die ich im Anhang zusammengestellt habe - mit Quellenhinweis - deutlich. Interessant ist auch die
Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene:
https://www.krankenhaushygiene.de/pdfdata/2021_01_15_Stellungnahme-FFP2%...
Der gesundheitliche Nutzen der Wegwerfmasken im Alltagsgeschehen ist offensichtlich derzeit noch unbekannt. Bekannt und sichtbar ist der Umweltschaden: zunehmend liegen getragene Masken auf der Straße, an Büschen, auf dem Feld, im Bach ... Zum Nachteil der Natur. Nachteilig sind auch die Millionen von getragenen und vorbildlich entsorgten (thermisch recylierten) Masken. Denn sie tragen zum übermäßigen Ressourcenverbrauch bei: Wie (fast) alles sind die Grundstoffe für die Masken endlich. Obwohl ich weiß, dass es schwierig ist, Kritik an den Coronamaßnahmen der Politik zu äußern - die "Querdenker" und Coronaleugner haben das Feld vermint - denke ich, dass wir bei der neuen "Maskenverordnung" der Politik auf die Füße treten müssen. Sie müssen im Interesse des Umweltschutzes möglichst schnell klären lassen, ob und wie die neuen "Alltags-Wegwerf-Masken" als Virenbekämpfer wirken. Wenn sie uns tatsächlich besser schützen, ist ihr Einsatz akzeptabel. Wenn sich aber das bewahrheitet, was die oben erwähnten Institute und Gesellschaften befürchten, dann müssen die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker die Reißleine ziehen und zum textilen, waschbaren Mund-und-Nasenschutz zurückkehren. Ganz ohne, wie vor dem Entdecken des Virus, wird es wohl längere Zeit nicht gehen. Aber gerade deshalb sollten wir die Umwelt im Blick behalten und nicht einfach "aus dem Vollen schöpfen". Nach mir die Sintflut, ist eine bequeme, aber keine gute Strategie. Es freut mich, wenn Sie meine Bedenken teilen (nach Ihrer "Ansage" kann ich mir das durchaus vorstellen) und sie an andere - Multiplikatoren - weitergeben. Wenn Sie Rückfragen haben, können Sie mich gern kontaktieren, telefonisch oder per Mail. Viele Grüße an Sie und Ihr Redaktionsteam und danke für die informative, teilweise berührende ganz oft fesselnde Zeitschrift

Sehr geehrte Redaktion Leserpost,
Sehr zu Recht fordert Ursula Ott, es müsse „politisch gesteuert werden, ökologisch sinnvolle Erfindungen müssen gefördert und Umweltsauereien besteuert werden“. Gesundheit von Umwelt und Klima sollte oberste Priorität haben - wie Gesundheit von Mensch und Gesellschaft. Alles was ihr schadet müsste entsprechend teuer eingepreist werden. Deutschland hat nicht nur ein Müll- und CO2-Problem, sondern auch ein Alkohol-Problem. 1,8 Millionen Deutsche sind alkoholabhängig. 10 liter reiner Alkohol pro Kopf und Jahr werden hierzulande konsumiert. Weil die Alltagsdroge Lifestyle ist, viel zu billig jederzeit verfügbar, und sogar beworben wird, anstatt mit Schockbildern wie auf Zigarettenschachteln vor den Folgen zu warnen. Weil der Staat zwar „Keine Macht den Drogen“ fordert - sich andererseits aber Alkohol-förderlich verhält. Warum? Den sehr geringen Steuereinnahmen, von denen der Staat profitiert, stehen etwa zehn mal so hohe Ausgaben, dh 20-40 Milliarden Euro, gegenüber, die von den Betroffenen, den Krankenkassen und Rentenversicherungen getragen werden, aber nicht vom Staat. Auch da ist es, im Zuge der Corona Pandemie und steigender Gesundheitskosten, Zeit für einen politisch gesteuerten Bewusstseinswandel.
Mit freundlichen Grüßen
Sabine Matthes

Liebe Frau Ott,
kaum schreibt man was, kommt die Gegenrede. Lang, lang ist es her (>=35 Jahre), da holten wir mit eigenem Geschirr in der Mensa das Essen, um der Plastikflut eine Absage zu machen. Und dann, kurze Zeit später, wurden Hygiene-Auflagen zum Glück größer. Keine Salmonellen, keine Neurovieren,...
Wir haben dann außerhalb des Fließbandes umgefüllt. Jedoch nicht gerechnet, wieviel überflüssiger Abwasch dadurch entstand, durch unseren Anspruch, mit Tischdecke in Ruhe zu Hause zu essen. Solange weiterhin mit WohnzimmerMehrTonnern die Brötchen geholt und
der Einkauf gemacht wird, kann ich über die Klimakatastrophe nur lächeln, vom warmen Wohnzimmer aus. Ach ja, Spaziergang mit berlebensanzug und Expeditionsgepäck und Verpflegung was sollte man das erwähnen. Der menschliche Körper bekommt doch fast nichts mehr mit vom normalen“ Leben.
Wieviel Sekunden Leben im Jahr lassen Sie/wir noch an sich/uns ran.
Mit freundlichen Grüßen
Benno Hubert

P.S. Müll abbauen: Viele können mit ihrem Leben jetzt so wenig anfangen, dass sie Keller und Böden aufräumen. (klingt ganz schön arrogant, egal, es wird alles besser und nach dem Ableben sowieso!!)