Gute Argumente: Mit dem Fahrrad statt mit dem Auto fahren

"Wer Rad fährt, reduziert das Risiko, verfrüht zu sterben"
Interview - Elf Ausreden von Autofahrern

Elliott Kaufman Photography / Getty Images

"Okay, ich versuche es, morgen fahre ich mit dem Rad zur Arbeit. Aber daran gewöhne ich mich nie!"

Interview - Elf Ausreden von Autofahrern

13 Ausreden von Autofahrern, die nicht aufs Rad umsteigen wollen – und was Sie freundlich-faktenreich erwidern können!

"Mit dem Auto bin ich schneller als mit dem Rad!"

Anika Meenken, VCD: Das ist so pauschal falsch. Innerhalb von Städten sind Sie mit dem Fahrrad schneller als mit dem Auto unterwegs, wenn die Strecke bis zu fünf Kilometer beträgt. Mit einem Pedelec, also einem E-Rad, sind Sie sogar auf den ersten acht Kilometern schneller, wenn Sie im Sattel sitzen. Das belegen viele Studien und Untersuchungen. Und knapp die Hälfte der Autofahrten in Deutschland ist kürzer als fünf Kilometer, wir können sie also gut und zeitsparend mit dem Rad ersetzen! Wenn Sie radeln, können Sie ja auch viel besser abkürzen, durch Parks zum Beispiel oder über Wege, die Autos gar nicht benutzen dürfen. Und geht ja nie nur um die reine Fahrtzeit. Erinnern Sie Autofahrer doch auch mal freundlich daran, wie lange sie manchmal nach einem Parkplatz suchen müssen. Oder wie umständlich es sein kann, in einem Parkhaus hin- und herzurangieren oder die Parkgebühr zu bezahlen. Da stapft man erst mal durchs stickige Parkhaus, um zum Automaten zu gehen, vor dem dann schon andere Leute warten ...

"Mein Nachbar sagt, das Klima ist eh ruiniert. Umweltschutz motiviert ihn nicht, vom Auto aufs Rad umzusteigen"

Yann Blumer, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Schweiz: Ihr Nachbar ist keine Ausnahme. Wir sehen in Untersuchungen, dass Umwelt- und Klimaschutz allein noch keine Motivation schaffen, um unser Mobilitätsverhalten zu verändern. Es muss etwas dazu kommen, wir nennen es "multiple Benefits", also viele verschiedene Vorteile. Das heißt: Es reicht den Leuten nicht, etwas Gutes zu tun, wenn sie dadurch einen Mehraufwand haben. Sie können Ihrem Nachbarn sagen: "Du sparst Zeit und Geld, du wirst gesünder, du schläfst besser, wenn du Rad fährst!" All das ist gut belegt. Der Klimaschutz kommt dann noch dazu.

Nils Husmann

Nils Husmann hat Glück: Mit dem Rad sind es für ihn 2,6 Kilometer bis ins Büro, mit dem Auto 800 Meter mehr. Da ist ja klar, wie die Wahl ausfällt!
Lena Uphoffchrismon Redakteur Nils Husmann, September 2017

"Wenn ich durchgeschwitzt bei der Arbeit ankomme, ist das unprofessionell!"

Anika Meenken, VCD: Ja, das will man nicht, das kann ich gut verstehen. Aber man kann auch langsamer fahren, sich Zeit lassen. Und wer ein E-Rad fährt, ist etwas weniger schweißtreibend unterwegs. Außerdem gibt es richtig gute atmungsaktive Kleidung, die Wärme vom Körper ableiten und trotzdem vor Wind und Kälte schützen kann. Auf der Arbeit kann man sich umziehen. Oder vielleicht sogar duschen. Auch wenn ich nachvollziehen kann, dass einem das zu aufwendig ist. Ich frage dann: "Gehst du ins Fitnessstudio? Und duschst du dort? Die Zeit im Studio kannst du ersetzen, weil Radfahren dein neuer Sport ist – und geduscht hättest du auch im Fitnessstudio, unterm Strich sparst du noch Zeit." Mir ist das selbst erst so richtig klar geworden, als ich bedingt durch Corona und Homeoffice viel weniger Arbeitswege mit dem Fahrrad hatte und die Pfunde stiegen. Diese musste ich dann über dafür extra eingeplante Zeit wieder abtrainieren. Radfahren auf Alltagswegen spart also die Zeit fürs Fitnessstudio. Und je mehr man Rad fährt, desto fitter wird man auch und desto weniger schwitzt man dann.

"Es bringt der Umwelt eh nichts, wenn ich aufs Auto verzichte, spart doch kaum Benzin oder Diesel, ich mache da keinen Unterschied!"

Anika Meenken, VCD: Ich glaube an die Macht der Einzelnen! Ein Verbrenner stößt pro Kilometer 145 Gramm an Kohlenstoffdioxid aus. Nehmen wir mal an, jemand pendelt fünf Tage die Woche fünf Kilometer mit dem Auto zur Arbeit, einfache Strecke. Das sind pro Tag zehn Kilometer. Das Jahr hat etwa 250 Arbeitstage, das sind dann schon 2500 Kilometer im Jahr – bei denen wir im Auto mehr als 360 Kilogramm an Kohlendioxid ausstoßen. Wer zehn Kilometer am Tag mit dem Rad statt mit dem Auto fährt, verbessert die eigene CO2-Bilanz um fünf Prozent! Sie machen einen Unterschied! In Deutschland fahren fast 50 Millionen Pkw umher, das Potenzial ist also enorm, und jede und jeder kann Vorbild werden, es auch auszuschöpfen. Es geht auch nicht nur um das Klima und CO2, sondern auch um bessere und saubere Luft durch weniger Feinstaub und Stickoxide und eine verbesserte Verkehrssicherheit, wenn weniger Autos unterwegs sind. Wir sind immer beides – Teil des Problems, aber eben auch Teil der Lösung! Und manche Menschen kann man auch mit Geld überzeugen: Bleiben wir bei unseren 2500 Kilometern im Jahr und gehen davon aus, dass das Auto sparsam ist und sechs Liter Benzin auf 100 Kilometer verbraucht, komme ich auf 150 Liter Benzin, die ich sparen kann. Wir haben ja schon Preise von zwei Euro pro Liter Benzin gesehen, das wären dann 300 Euro im Jahr, die ich mir auf dem Rad verdienen kann. Mit dem VCD Kostencheck Mobilität kann man im Internet nachrechnen, was am besten zum eigenen Geldbeutel passt - Fahrrad, ÖPNV oder doch Auto.

"Ich muss mit dem Auto zur Arbeit, weil ich meine Kinder vor der Arbeit zur Kita bringe und sie nach der Arbeit abhole. Mit dem Rad geht das nicht!"

Henrike Rau, Professorin für Sozialgeographie mit Schwerpunkt Nachhaltigkeitsforschung: Mein Tipp: Ausprobieren und früh anfangen! Ich begleite die dreieinhalbjährige Tochter zur Kita, sie auf dem Laufrad, ich auf dem Rad. Da muss man auf die Rücksicht der Fußgänger bauen, weil wir auf den Gehweg ausweichen müssen. Wir brauchen mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer. Zwischen beiden Gruppen wird ja manchmal eine Konkurrenz aufgebaut. Das ist nicht gut. Am Ende sind es die Autos, die den meisten Raum einnehmen. Ich wohne zentrumsnah und habe kurze Wege. Das ist ein Privileg, das ist mir bewusst, denn ich weiß, dass andere Eltern es schwerer haben. Auf dem Land müssen Eltern oft große Distanzen überbrücken. Ich möchte den Eltern trotzdem Mut machen, es zu versuchen, sich nach ruhigen, sicheren Strecken umzusehen und die Kinder anfangs auch zu begleiten. Es ist nicht stressfrei, da bin ich ehrlich. Der großen Tochter haben wir mal eine Kamera an den Fahrradhelm montiert und uns hinterher angesehen, was sie unterwegs erlebt. Da sieht man erst, was ein Kind alles nicht sehen kann, weil Autos die Sicht versperren. Aber die Antwort auf dieses Problem kann nicht sein, dass wir alle Kinder ins Auto verfrachten. Die Antwort muss mehr Platz sein, damit Kinder sicher Rad fahren können. Und mehr Möglichkeiten zu schaffen, damit Kinder sicher Radfahren lernen können. Die "Aktion Fahrrad" bemüht sich darum, schon die Kleinsten in den Kitas an ein Laufrad und später ans Fahrrad zu gewöhnen. Die Grundschulen sind sehr wichtig, in dem Alter lernen Kinder, sicher mobil zu sein. Das Radfahren kann und muss viel stärker im Schulalltag verankert sein. Beispielsweise gibt es die "Schoolbikers", eine Organisation, die sich deutschlandweit für die Integration des Radfahrens in den Schulalltag einsetzt. Super! Es muss Radtouren auf Klassenfahrten geben, damit Jugendliche erfahren, wie gut sie mit dem Rad vorankommen. So verhindern wir, dass wer fahrradferne Eltern hat, selbst später auch kein Rad fährt. Vorbilder wie Politiker*innen oder Influencer*innen sind auch wichtig. Cem Özdemir nimmt auch als Minister wichtige öffentliche Termine wahr, indem er mit dem Rad kommt. Das zu sehen, ist für Kinder und Jugendliche sehr wichtig. Ich hoffe auf viele Influencer*innen, die Rad fahren!

"Oft habe ich morgens nasse Haare und wenn ich damit Rad fahre, werde ich krank!"

Anika Meenken, VCD: Wer gar nicht mit nassen Haaren raus möchte, wird sie sich ja auch zu Hause trocken föhnen, ehe sie oder er ins Auto steigt. Also: Einfach föhnen! Ich persönlich spare mir aber meistens den Föhn und fahre auch mit nassen Haaren Rad, es sei denn, es friert draußen. Dadurch bin ich noch nicht krank geworden, im Gegenteil, Rad fahren ist Bewegung, Bewegung ist gut fürs Immunsystem.

Mai Thi Nguyen-Kim, Wissenschaftsjournalistin: Ich kann mich nicht erkälten, nur weil mir kalt ist, ich muss schon mit Viren Kontakt gehabt haben.

"Der Helm zerstört mir meine Frisur!"

Anika Meenken, VCD: Na ja, nicht jede Frisur, aber manche schon, ja. Es gibt aber auch schicke Frisuren, die nicht so komplex sind, die ich bei der Arbeit also schnell wieder richten kann. Und es gibt Helme, die man gar nicht auf dem Kopf, sondern wie einen Schal um die Schuler trägt. Bei Stürzen lösen sie aus wie ein Airbag im Auto. Manche nennen sie "Nackenhörnchen". Sie sind leider nicht billig, mit 300 Euro muss man rechnen. Aber wie gesagt: Rad fahren spart ja auch Geld.

"Ich habe keine Ahnung, wo gute, verkehrsarme und sichere Radwege sind!"

Anika Meenken, VCD: Wir optimieren unsere Routen doch immer mit der Zeit, machen wir mit dem Auto ja auch. Probieren Sie es aus! Schnell und direkt oder ruhige Genussstrecke – das findet sich. Fragen Sie auch Kolleginnen und Freunde, wie sie fahren. Tun Sie sich zusammen. Und haben Sie Geduld! Man findet selten gleich am ersten Tag, an dem man das Auto stehen lässt, die perfekte Radroute mit der tollsten Aussicht und den kürzesten Rotphasen an der Ampel.

Yann Blumer, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Schweiz: Schaffen Sie Aha-Erlebnisse! Ich habe ein Beispiel, das auf dem ersten Blick nichts mit Fahrrädern und guten Strecken zu tun hat. Wir haben eine Studie zu wassersparenden Duschköpfen gemacht. Klingt erst mal nach Spaßverderberei – Wasser sparen beim Duschen! Wird man da sauber? Friert man? Also haben wir solche Duschköpfe in einem Schwimmbad installiert. Wer dort duschte, wurde darüber informiert, dass er wassersparend dusche. Als die Leute aus dem Hallenbad kamen, haben wir sie befragt. Verglichen mit einer Gruppe, die diese Erfahrung noch nicht gemacht hat, war unter Schwimmbadgästen die Bereitschaft viel größer, sich auch zu Hause einen wassersparenden Duschkopf einzubauen. Die Frage ist also: "Sehen Sie, wie gut das mit dem Radweg klappt?" Nehmen Sie die Leute mit, schaffen Sie solche Erlebnisse. Das heißt nicht, dass das Rad immer die perfekte Lösung ist – aber das ist das Auto auch nicht.

"Was ist, wenn es regnet?!"

Anika Meenken, VCD: Es gibt richtig schicke Regenkleidung, von preiswert bis teuer. Viele Klamotten für schlechtes Wetter sind auch nachhaltig und langlebig. Klar ist das erst mal teuer, aber die nutzt man auch viele Jahre. Und wann fährt man schon kilometerlang im Starkregen? An solchen Tagen steigt man doch eher auf Bus und Bahn um oder eben notfalls doch ins Auto. Mein persönlicher Tipp ist die "Drachenhaut". Das ist eine Art Umhang, den ich um die Hüfte schnalle und während der Fahrt am Lenker festhalte. Dann werden die Oberschenkel nicht nass, was ja das Nervigste bei Regen ist.

"Ich kaufe oft auf dem Rückweg ein, mit dem Fahrrad kriege ich ja nichts transportiert!"

Anika Meenken, VCD: Eine österreichische Studie hat gezeigt, dass ich 80 Prozent aller Einkäufe bequem im Fahrradkorb unterbringen kann. Und weitere 14 Prozent, wenn ich ein Lastenrad nutze. Das wären dann schon 96 Prozent, aber klar: Lastenräder sind die Ausnahme. Aber dafür kann man sich auch Fahrradtaschen zulegen, die man an den Gepäckträger hängt. Da passt richtig viel rein. An dem Argument, ohne Auto könne man nicht mehr einkaufen, sieht man sehr gut, warum das Auto so eine große Rolle in unserer Gesellschaft spielt: Die Werbung hat uns über Jahrzehnte suggeriert, dass wir alle immer ein Auto brauchen, um frei und flexibel zu sein. Wir tun so, als müsste ein eigenes Auto etwas sein, das für jede Lebenslage passen muss – wenn man die betagte Schwiegermutter zur Ärztin bringen oder eine Waschmaschine transportieren muss. Aber wie oft sind wir wirklich in einer Situation, in der es ohne Auto nicht geht? Klar, es kommt vor, aber dann können wir uns ein passendes Auto leihen.

"Okay, ich versuche es! Morgen fahre ich mit dem Rad zur Arbeit. Aber daran gewöhne ich mich nie!"

Yann Blumer, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Schweiz: Das ist nicht gesagt! Wir haben hier in der Schweiz eine Studie durchgeführt, für die rund 1800 Personen - hauptsächlich waren es Berufspendler - für zwei Wochen ihre Autoschlüssel abgeben mussten. Für diese Zeit bekamen sie E-Räder. 40 Prozent der Teilnehmenden haben das Pedelec danach gekauft. Und wir haben sie sofort nach diesem Versuch und dann ein Jahr danach gefragt, welches Verkehrsmittel ihnen als erstes in den Sinn kommt, wenn sie zur Post oder zum Backgeschäft wollen? Wir konnten zeigen: Sogar bei den Menschen, die das E-Rad nicht gekauft haben, dachte eine Mehrheit nicht sofort daran, ins Auto zu steigen, um Brötchen zu kaufen. Also: Wir können Gewohnheiten und Barrieren durchbrechen, wenn wir Vorteile haben. Ich rate Städten und Gemeinden deshalb: Ladet die Leute doch mal zu Testfahrten mit E-Rädern ein! Wir tun so viel für den Autoverkehr, da werden doch Mittel übrig sein, um so einen Versuch zu starten. Auch Zuschüsse sind ein guter Weg, denn Pedelecs sind teuer. Die Anschaffung ist oft die größte Hürde, es ist eine Investition. Aber wer sie gemacht hat, hat eine große Motivation, das Rad dann auch zu nutzen.

"Rad fahren? Damit bin ich gar nicht vertraut!"

Henrike Rau, Professorin für Sozialgeographie mit Schwerpunkt Nachhaltigkeitsforschung: So eine Aussage sollte man ernst nehmen! Es gibt viele Menschen, für die es eine echte Hemmschwelle ist, aufs Rad umzusteigen. Wer schon viel Fahrrad fährt, geht in Gedanken eigentlich immer davon aus, dass alle anderen das auch machen. Aber in Deutschland fahren mehr als 50 Prozent der Erwachsenen selten oder nie Fahrrad und gehören damit zur großen Gruppe der Nicht-Radfahrenden. Das sind, wissenschaftlich definiert, Menschen, die weniger als einmal im Monat Rad fahren. Ein großer Teil dieser Gruppe besteht aus Menschen, die das Rad nicht als zweckmäßiges Verkehrsmittel ansehen. Sie denken zum Beispiel: "Mit dem Rad kann ich nichts transportieren! Ich muss mich zu sehr anstrengen, das schaffe ich nicht! In meiner Stadt gibt es zu viele Hügel! Der Weg zur Arbeit ist zu weit!" Interessant ist, dass viele, die so denken, aus Haushalten und Familien stammen, in der wenig oder nie Rad gefahren wurde oder wird. Es ist ein generationenübergreifendes Problem: Die Großeltern fahren nicht, die Eltern nicht, die Kinder lernen es nicht richtig und haben dann eher mit Freunden zu tun, die auch selten Rad fahren. Es gibt ganze Cluster von Menschen, die nicht mit dem Rad unterwegs sind. Wenn man über Konzepte nachdenkt, wie man den Radverkehr voranbringt, ist das eine sehr interessante Gruppe, auf die wir zugehen müssen. Aber wenn Rad-Infrastruktur gedacht und geplant wird, geht man oft davon aus, dass es durchweg kompetente Radfahrerinnen und Radfahrer gibt, die problemlos mit schwierigen Kreuzungen oder hohen Geschwindigkeiten klarkommen. Der ADFC München hat zum Beispiel Kurse für Senioren, die lange nicht mehr Rad gefahren sind. Das ist eine gute Sache. Und ebenfalls in München bietet die Initiative "Donna Mobile" Fahrradkurse für geflüchtete Frauen an. Für manche Frauen ist das ein ganz wichtiger Schritt in die Unabhängigkeit, weil mobil zu sein immer auch Teilhabe bedeutet.

"Rad fahren ist viel zu gefährlich!"

Anika Meenken, VCD: Ängste sind schwer zu widerlegen. Aber es funktioniert besser, wenn man Risiken richtig einordnet: Pro eine Million Kilometer an Strecke verunglücken zwei Menschen mit dem Fahrrad. Wahr ist, dass es mit dem Auto weniger Menschen auf eine Million Kilometer trifft. Aber zwei auf eine Million? Das sind nicht wahnsinnig viele. Wer Rad fährt, geht kein unkalkulierbares Risiko ein. Und je mehr Menschen sich für das Rad entscheiden, desto weniger Autos sind unterwegs. Das wird die Verkehrssicherheit verbessern und Druck ausüben auf die Politik, die Infrastruktur für Radfahrerinnen zu verbessern. Wir nennen diesen Effekt "Safety by Numbers": Je mehr Radfahrer unterwegs sind, desto geringer ist das Risiko für den Einzelnen zu verunglücken. Und ein ganz wichtiges Argument zum Thema Risiko: Lebe ich ohne Radfahren gesünder? Nein! Eine Studie aus England zeigt: Wer regelmäßig Fahrrad fährt, verringert das Risiko, verfrüht zu sterben, um 20 Prozent – und gegenüber Autofahrern sogar um 24 Prozent.

Mit diesen Fachleuten haben wir über das Thema gesprochen:

Anika Meenken

Anika Meenken ist Sprecherin für Radverkehr und Mobilitätsbildung beim Verkehrsclub Deutschland e. V. (VCD)
VCD/Katja Täubert

Henrike Rau

Henrike Rau ist Professorin für Sozialgeographie mit Schwerpunkt Nachhaltigkeitsforschung an der LMU in München. Sie hat mitgewirkt an dem Papier "Rauf aufs Rad", das sich besonders mit jener Hälfte der Erwachsenen befasst, die als "fahrradfern" gilt.
PR

Yann Blumer

Yann Blumer ist Senior Researcher und Dozent am Institute for Innovation and Entrepreneurship an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in der Schweiz. Yann Blumer beschäftigt sich mit den Themen Energie, neue Geschäftsmodelle im Energiebereich, Energieversorgungsunternehmen, kommunale Energiestrategien, Energieszenarien und digitale Geräte.
ZHAW

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Lesermeinungen

Die Gefahr für Radfahrer ist leider sehr unterschiedlich groß - in Berlin stirbt jedes Jahr eine zweistellige Zahl an Fahrradfahrern durch Unaufmerksamkeit von rechtsabbiegenden Kraftfahrern. Da muss sich noch einiges ändern, allerdings ist bei der Regelakzeptanz der Radfahrer auch noch sehr viel Luft nach oben.

Verfrüht? Was ist denn das für ein Begriff? Mit seinen (ist das gendergerecht?) Lastern (nicht LKW!) zu früh zu sterben ist schlecht. Mit Sport dagegenhalten. Früh und spät. Verspätung ja. Deutsch ist nicht einfach.

Wer früher stirbt ist länger tot, bis zum Jüngsten Tag.

"Wer weiß denn, ob das Leben nicht das Totsein ist und Totsein Leben? (Euripides)

Naja, die holographische Konfusion ist schon mal ziemlich sicher für die irdische Realität erkannt, aber das Fahrradfahren ist in dieser Illusion ganz sicher die bessere Bewegung für göttliche Bewusstseinsentwicklung!?