Kristina Hänel über das Recht auf Entscheidung

"Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe" (Johannes 15,12) "Was ihr einer von diesen meinen geringsten Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan" (Matthäus 25,40)
Kristina Hänel über das Recht auf Entscheidung
Schwächeren beistehen
Sie hat gegen das Werbeverbot für Abtreibungen gekämpft. Nun wird es abgeschafft. Die Ärztin Kristina Hänel über Jesu Gebot.

Jeder Mensch trägt das Potenzial zu Egoismus oder Altruismus in sich. Die Fähigkeit zu altruistischem Handeln macht das spezifisch Menschliche, Humane aus. Es sichert das Überleben der Gruppe, auf das menschliches Leben angewiesen ist. Andererseits ist nur der Mensch fähig, jede Empathie zu unter­drücken, Mitmenschen zu ermorden oder tatenlos zuzuschauen, wenn andere um ihr Überleben kämpfen. Das ist im Tierreich einmalig.

Das Denken und Handeln Jesu, der sich immer auf die Seite der Schwächeren gestellt und scheinbar ­feststehende Gefüge ins Wanken gebracht hat, beeindruckte mich schon als Kind. Den an den Rand Gedrängten die Hand zu reichen, war mir schon immer ein Bedürfnis. Der Junge, der nach Knoblauch roch und neben dem niemand in der Schule sitzen wollte, wurde mein Sitznachbar.

Kristina Hänel

Kristina Hänel, Jahrgang 1956, ist Fachärztin für Allgemeinmedizin in Gießen. Wegen Werbung für Schwangerschaftsabbruch wurde sie nach § 219a angeklagt und verurteilt. Der Bundestag hat am 24. Juni 2022 das Werbeverbot für Abtreibungen abgeschafft.
Evelyn DraganKristina Hänel

Ein tragender Gedanke bei meiner Berufswahl war, Empa­thie mit Professionalität zu verbinden. Konfrontiert mit den Lebensgeschichten der Frauen, die ungewollt schwanger geworden waren und keine Chance sahen, ein Kind auf die Welt zu bringen, musste ich mich entscheiden, ob ich ihnen auf dem Weg zum Schwangerschaftsabbruch ­helfe oder nicht. Als junge Ärztin mit dem Ziel ­angetreten, Menschenleben zu retten, merkte ich bald, dass ich nicht die Macht über Leben und Tod in der Hand hielt. Jede Frau würde letztlich ihren Weg gehen. Sie würde, wenn sie keine professionelle Hilfe erhielte, selbst den Eingriff versuchen oder sich womöglich das eigene Leben nehmen.

Ich begriff auch, dass nur die Betroffene und gegebenen­falls ihr Angehörende entscheiden können, ob sie für ein Kind würden sorgen können und wollen. Ich begann, mich um Kinder zu kümmern, die durch frühe Gewalt­erfahrungen "aus dem Leben geschlagen" worden waren oder anders benachteiligt sind. Diesen geborenen Kindern, die am Rande der Gesellschaft stehen, Halt im Leben zu geben, ist mir im Rahmen meines therapeutischen Reit­angebotes eine sinnvolle, befriedigende Arbeit geworden.

Im Juli 2019 wurden eine Seawatch-Ärztin und ich mit dem Marburger Leuchtfeuerpreis für soziale Bürgerrechte geehrt. In seiner Laudatio sagte der Oberbürgermeister: Wenn ein Mensch im Mittelmeer stirbt und ihm niemand hilft, wird unsere Würde verletzt. Nicht nur die Würde des Opfers wird verletzt, auch die der Zuschauenden.

Frauen wird nicht zugetraut, eine grundlegende Entscheidung über ihr Leben selbst zu treffen

Ich erlebe täglich, dass die Würde von Frauen verletzt wird. Ihnen werden wichtige Informationen ­vorenthalten, sie bekommen keine Termine, dafür aber moralische Vorhaltungen, werden auf falsche Wege geschickt und ­wichtige medizinische Grundlagen werden außer Acht gelassen. Sie verlieren dadurch Zeit, fühlen sich stigmatisiert, sind emotional verletzt. Frauen wird nicht zugetraut, eine grundlegende Entscheidung über ihr Leben selbst zu treffen, zudem wird ihnen die notwendige Unterstützung versagt. Dabei tragen die meisten von ihnen Verantwortung für eine Familie. Sie haben bereits Kinder, versorgen Familienangehörige. Es sind ganz normale Frauen, Menschen wie du und ich. So wie jeden von uns ein Verkehrsunfall treffen kann, geraten Menschen in die Situation, dass Verhütung versagt, sie unter Gewalt schwanger werden oder sich etwas Gravierendes ereignet wie die Krebserkrankung eines Kindes oder der Verlust des Partners.

Menschen denken oft erst Pro Choice, wenn sie selbst betroffen sind, auch wenn sie vorher Pro Life gedacht ­haben. Sie im Stich zu lassen, verletzt meine Würde. ­Jesus wollte es anders: "Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe" (Johannes 15,12). Die Hilfe zu verweigern, kann nicht Teil dieser Liebe sein. Jesus hat den Frauen beigestanden. Aber er ist nicht nur Anwalt der Armen, er macht sie auch zu Richtern. "Was ihr einer von diesen meinen geringsten Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan" (Matthäus 25,40).

Auch ich empfinde die Verantwortung zu handeln. Daraus entwickeln sich Wut und der Wunsch nach Veränderung. Wenn meine Würde verletzt wird, treibt mich das an in meinem Einsatz für die Rechte der Frauen auf Information und menschengerechte, würdevolle Behandlung.

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Lesermeinungen

@Fritz Kurz: "Jeder Mensch ist also ein Ebenbild Gottes."

Das ist echt zu kurz gedacht, denn Mensch bedeutet IMMER ALLE, wo Mensch erstmal seine Vernunftbegabung zu/in Gemeinschaftseigentum OHNE wettbewerbsbedingte Symptomatik "wie im Himmel all so auf Erden" gestalten/fusionieren soll / können muss, aus der bewusstseinsschwachen Konfusion (Angst, Gewalt und egozentriertem "Individualbewusstsein") seit Mensch erstem und bisher einzigen geistigen Evolutionssprung (der "Vertreibung aus dem Paradies").
Gott ist die Metapher für die Vernunft des Geistes des Zentralbewusstseins / des Universums / der Schöpfung, dieses holographischen Universums/Programms (nach neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft in Mathematik und Physik!!!).

Wenn sich alle Menschen so sehr für das wirklich-wahrhaftige Leben "wie im Himmel all so auf Erden" engagieren würden, wie sich einige für den systemrationalen Tod engagieren, dann ..., aber die Kapitulation vor dem konfusionierenden System ist anscheinend schon genetisch geworden, weil die spalterische Kompromissbereitschaft das Bewusstsein von Mensch mit scheinbar unabänderlicher Hoffnungslosigkeit von Dummheit in absoluter Verkommenheit gewandelt hat!?

Alle Achtung, in einem sogenannten christlichen Medienerzeugnis über vorgeburtliche Kindstötung schreiben,ausgiebig Bibelstellen zitieren,ohne jedoch die Menschenwürde und das Lebensrecht des getöteten Kindes zu erwähnen....das muß man erst einmal fertigbringen ....
Vielleicht hätte die Autorin Matth.25,45 zitieren sollen. Dort ist von den "Geringsten" die Rede, und das sind nicht die hier ausschließlich thematisierten "Schwestern"....

Werter Herr querdenker! Erst bezichtigen Sie die Autorin der Untat, "ausgiebig Bibelstellen zitieren, ohne jedoch die Menschenwürde und das Lebensrecht des getöteten Kindes zu erwähnen". Diesen bitteren Vorwurf müssen Sie der Bibel machen, nicht der Autorin! Nirgendwo in der Bibel kommt die Menschenwürde vor. Die Bibel ist zwar voll von ideologischem Unfug sondergleichen, aber die Menschenwürde ist ein Produkt späterer Ideologieproduzenten.

Als nächstes empfehlen Sie Matth. 25, 45 mit der Begründung, dort käme der Begriff Geringste vor. Ihrer geschätzten Aufmerksamkeit ist offensichtlich entgangen, dass die Autorin bereits selber Matth. 25, 40 bemüht hat, wo der Begriff Geringste genau so vorkommt. Bei 40 geht es um das, was getan wurde, bei 45 um das, was nicht getan wurde.

In Spekulationen darüber, welchen Geringsten was erspart worden wäre, wenn die Heilige Gottesmutter sich zu Fragen der Abtreibung hätte ungehindert informieren lassen können, möchte ich jetzt nicht verfallen. Der Engel Gabriel (Lk 1,26–38) als einzige Informationsquelle könnte etwas parteilich gewesen sein.

Fritz Kurz

@Fritz Kurz
Mensch bedeutet ALLE, seit Mensch erstem und bisher einzigen geistigen Evolutionssprung ("Vertreibung aus dem Paradies"), die Bibel spricht nie den Einzelnen / "Individualbewusstsein" an, Glaube und Gebet werden erst sinnvoll und menschenwürdig wirksam wenn - Matthäus 21,18-22

Geistig-heilendes Selbst- und Massenbewusstsein OHNE wettbewerbsbedingte Symptomatik, anstatt egozentriert-konfusioniertes "Individualbewusstsein" in systemrationaler Bewusstseinsbetäubung.

Da Sie diesen Textbaustein bei vielen Gelegenheiten anbringen, könnten Sie evtl. mal hinschreiben, was Sie damit meinen.

"die Bibel spricht nie den Einzelnen / "Individualbewusstsein" an". Die Bibel spricht überhaupt nicht. Die Bibel ist eine Zusammenstellung von Schriften, die zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten unter verschiedenen gesellschaftlichen Bedingungen von verschiedenen Autoren verfasst wurden. Einigendes Band ist die Eigenschaft, dass die Schriften als Reklame für den Gottesglauben herhalten sollen.

In den Schriften kommen Kollektive wie alle Menschen oder das Volk Israel oder die Gläubigen vor. Meistens ist von Individuen die Rede: Adam, Eva, Noah, Abraham, Mose, Jona im Wal, Daniel in der Löwengrube und dann der Protagonist des Neuen Testamentes. Über allem und allen thront das Individuum, das richtig sauer werden kann, wenn man ihm noch andere Götter an die Seite stellt.

Das Ganze wird dann an jedermann hingepredigt, der über den Weg läuft.

Eine ernstzunehmende Gesellschaftsveränderung steht nicht auf dem Programm. Der Versuch, eine solche hineinzulesen oder aus der Bibel herauszusaugen, ist ein eigenständiger Fehler.

Fritz Kurz

Werter Herr Kurz, die Menschenwürde spielt sowohl in der jüdischen als auch in der christlichen Religion von Anbeginn eine zentrale Rolle: Sie weist auf die Auszeichnung, hin,die dem Menschen im Rahmen der Schöpfung zukommt - und läßt sich damit unmittelbar auf die Genesis zurückführen.So ist nach Thomas von Aquin der Mensch vor allen anderen Wesen dadurch ausgezeichnet , daß er als Ebenbild Gottes betrachtet werden muß, und eben diese Gottebenbildlichkeit macht seine Würde bzw. die Würde seiner Natur aus.
Von dort führt ein direkter Weg zu Hegel, nach welchem "...das einzelne Bewußtsein an sich absolutes Wesen ist...", worauf u.a. die neuzeitliche Auffassung der Menschenwürde gründet. (Ich teile Ihnen gerne die entsprechenden Fundstellen in der "Summa Theologiae" bzw. in der "Phänomenologie des Geistes" inkl. der empfohlenen Sekundärliteratur mit...)
Es tut mir natürlich sehr leid, daß ich mich für Sie unverständlich ausgedrückt habe.Es erschließt sich mir einfach nicht, warum Frau Hänel bei dieser Textstelle nur von "Schwestern" spricht. Meine Originalfassung des NT verwendet bei Mtth. 25,40 den Genitiv Objectivus Pluralis "adelphôn"; dies läßt von der Semantik wie vom Kontext nur die Übersetzung "Brüder und Schwestern"" zu. Die "Bibel in gerechter Sprache", welche sicherlich weder des Konservatismus noch der Emanzipationsfeindlichkeit verdächtig ist, übersetzt denn auch richtig mit "Geschwister".Eine Bibelversion, welche bei Matth.25,40 nur von den "geringsten Schwestern "spricht,ist mir nicht bekannt. Frau Hänel muß sich deshalb dem Vorwurf aussetzen,die Bibel verballhornt zu haben, um davon abzulenken, daß nicht grundsätzlich die Frauen die Geringsten sind, sondern meistens die Ungeborenen ....
Abschließend bringen Sie die Vorgeschichte der Geburt Jesu in einen hypothetischen Zusammenhang mit einer Schwangerschaftsunterbrechung. Damit begeben Sie sich endgültig auf ein Niveau,welches für einen weiteren Diskurs nicht mehr in Frage kommt. Matth. 7, 6 wäre hierfür die einzige und richtige Antwort.
Ich hoffe, ich habe mich jetzt verständlich ausgedrückt !

Keine Sorge, werter Herr querdenker! Sie drücken sich regelmäßig sehr verständlich aus, manchmal sogar noch verständlicher, als Sie es vermutlich selber wissen.

Ihr ursprünglicher Vorwurf an die Autorin lautete, dass sie Bibelstellen zitiere und trotzdem nicht von Menschenwürde spräche. Da habe ich Sie darauf hingewiesen, dass in der Bibel nirgendwo von der Menschenwürde die Rede ist. Das wollen Sie jetzt widerlegen, in dem Sie - zumindest auf dem Wege der Vorankündigung - den Kirchenlehrer Thomas und den Philosophen Hegel zitieren. Da muss ich Sie leider erneut enttäuschen: Weder Thomas von Aquin noch G. W. F. Hegel gehören zu den biblischen Autoren.

Weiter erheben Sie den Vorwurf, die Autorin habe die Bibel verballhornt. Sie hat zweifellos die Bibel falsch übersetzt. Da sie das in offenkundiger Weise getan hat, hat sie niemanden damit über den Bibelinhalt täuschen, sondern eine eigene Aussage machen wollen. Welche?

Womit wir jetzt endlich zum Thema kommen können. Jeder Mensch ist also ein Ebenbild Gottes. Ob einem diese Behauptung wie Honig runter geht oder ob man sie für eine erfreulich direkte, grobe Beleidigung hält, hängt davon ab, was man sich zum Konstrukt Gott denkt. Obwohl also alle ungefiederten Zweibeiner Ebenbilder desselben Gottes sind, kriegen sie sich doch bisweilen gehörig in die Wolle. Die einen Ebenbilder wollen ungewollt Schwangeren helfen, ihre Schwangerschaft abbrechen zu können. Die anderen Ebenbilder wollen den Schwangeren das Leben so schwer wie möglich machen und sie zwingen, die Schwangerschaft auszutragen. Jetzt gibt es den biblisch-moralischen Befehl, den Geringsten wohl zu tun. Wer sind hier die Geringsten? Diejenigen, die die Frauen bevormunden wollen? Nein. Die Geringsten sind die schwangeren Menschen. Bei diesen Schwangeren handelt es sich in den weitaus meisten Fällen um Frauen, nicht um Männer. Das kann Ihnen Thomas von Aquin bestätigen. Hier stimmen kirchliches Dogma und aristotelische Erkenntnisgewinnung perfekt überein. Auch Hegel ist überzeugt, dass zum Wesen der Schwangerschaft die Fraulichkeit gehört. Wenn also Frau Hänel aus den geschlechtlich nicht spezifizierten Geringsten gleich mal weibliche Geringste macht, liegt sie richtig und verballhornt nichts.

Und wozu muss jetzt die Menschenwürde bemüht werden? Der Trick ist leicht zu durchschauen. Bei einem Schwangerschaftsabbruch wird ein bewusstloser himbeerähnlicher Zellhaufen oder eine sich schon weiter entwickelt habende, aber immer noch bewusstlose Struktur daran gehindert, sich zu einem Menschen zu entwickeln. Weil der Embryo als Ebenbild Gottes dann doch wohl zu respektlose Bilder von Gott hervorrufen würde, brät man dem Embryo die Menschenwürde direkt über und die Abtreibung wird zum Mord.

Bei dieser Perle von christlichem Denken stimme ich dem von Ihnen gebrachten Bibelzitat zu: "werft auch nicht eure Perlen vor die Schweine" - aus Tierschutzgründen für die Borstentiere nämlich.

Fritz Kurz

Werter Herr Kurz, zum impliziten Enthaltensein der Idee der Menschenwürde in der Bibel - und damit im Christentum- habe ich mich hinreichend deutlich geäußert;mein Verweis auf das I.Buch Mose allein dürfte schon ausreichen. Ich werde mich dazu nicht wiederholen.Auch möchte ich nichts zur moralischen Bewertung des Schwangerschaftsabbruches selbst sagen;mein Beitrag bezog sich nur auf die fragwürdigen Aussagen der Frau Hänel.
Allerdings gehen Sie mit der ontologischen Bestimmung des Nasciturus als "himbeerähnlichen Zellhaufen" weit über das hinaus, was auch ernstzunehmende philosophische,medizinische und juristische Fürsprecher einer geregelten Freigabe der Abtreibung einfordern,nämlich ein "ethisches Minimum".Damit haben Sie sich für mich aus jeglichem weiteren Diskurs zu diesem Thema ausgeschlossen.
<<No so se ben mi spiego>>

So schaut eine Himbeere aus, für die Gläubigen ist sie übrigens auch ein Geschöpf Gottes:

https://www.google.de/imgres?imgurl=https%3A%2F%2Fthumbs.dreamstime.com%...

Und so eine menschliche Blastozyste:

https://www.google.de/imgres?imgurl=https%3A%2F%2Fc8.alamy.com%2Fcompde%...

Ob diese ellenlangen URL's von der von chrismon für die Leserkommentare verwendeten Software richtig verarbeitet werden, weiß ich nicht. Falls es nicht klappt, kann jeder Interessierte selber durch Eingabe von "Himbeere Bild" und "Blastozyste Bild" bei den gängigen Suchmaschinen geeignete Fotos finden.

Fritz Kurz

Werter Herr Kurz, in seiner strukturalistischen Epistemologie führt Michel Foucault aus, daß in der frühen Neuzeit die Walnuß aufgrund ihrer äußerlichen Ähnlichkeit mit dem menschlichen Gehirn als Heilmittel für letzteres angesehen wurde. Offenbar feiert hier das Paradigma der "morphologischen Ähnlichkeit" fröhliche Urständ ...ob es aber im Zusammenhang mit Entscheidungen über Leben und Tod herangezogen werden kann, wage ich doch zu bezweifeln.
Obwohl, ein täglicher Eßlöffel Walnußöl könnte manchem vielleicht nicht schaden ....

Die frappierende Ähnlichkeit hatte schon Herrn Prof. Dr. Wolfgang Zeidler, von 1983 bis 1987 Präsident des Bundesverfassungsgerichts, bewogen, von einem "himbeerähnlichen Gebilde" zu reden. Der einsetzende Entrüstungssturm einschlägiger Kreise war eindrücklich. Nachzulesen auf S. 56 der Ausgabe 47 des Jahrganges 1987 des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel".

Falls Sie, werter Herr querdenker, Himbeeren gerne essen: Ich wünsche guten Appetit! Derzeit sind im Handel reife und schmackhafte zu erhalten. Zu Risiken und Nebenwirkungen dieser Obstspeise bezüglich der Entscheidungen über Leben und Tod befragen Sie, tja, wen nun?

Fritz Kurz

Werter Herr Kurz, wenn ein höchster Richter sich im "halbgeschlossenen Kreis" zu einer ethischen Frage äußert, so ist dies keine "höchstrichterliche Absegnung". Vom - vermutlich eingeplanten - Medienecho abgesehen, hat dies die gleiche rechtskonstitutive Relevanz, als ob Sie oder ich dies gesagt hätten. In Wolfgang Zeidlers Amtszeit als Präsident des BVerfG hat es zudem keine höchstrichterlichen Stellungnahmen zum Schwangerschaftsabbruch gegeben.
Die Himbeere von Herrn Dr. Zeidler ist also nicht nur aus rechtlicher, sondern auch aus aletheologischer Perspektive genauso viel oder wenig Wert wie Foucaults Walnuß ....

Richtig! Ein Vollfettsegen war das nicht. Himbeer-Zeidler (diese Bezeichnung habe leider nicht ich erfunden) hat nicht ex cathedra gesprochen. Dann hätte er nach Ansicht rechtschaffener Menschen nämlich Recht gehabt, da er Recht gesprochen, also Recht gesetzt hätte.

Das ändert allerdings überhaupt nichts an der Sache. Die Entfernung eines himbeerähnlichen Gebildes ist keine "vorgeburtliche Kindstötung", da eine Blastozyste kein Kind ist. Es wäre wünschenswert, wenn diese Einsicht nicht nur in "halbgeschlossenen Kreisen", sondern in vollgeschlossenen, volloffenen und überhaupt allen Kreisen Einzug halten würde.

Fritz Kurz