Bettina Limperg, Präsidentin des Bundesgerichtshofs, über die Vertreibung aus dem Paradies

Genesis 3, 22: "Und Gott der Herr sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist."
Online-Dachzeile: 
Bettina Limperg, Präsidentin des Bundesgerichtshofs, über die Vertreibung aus dem Paradies
Mit der Sünde kam das Gute
Mit der Sünde kam das Gute

Ahaok

Mit der Sünde kam das Gute

Adam und Eva verstoßen gegen Gottes 
Gebot und lernen, was gut und böse ist.­ Ein Glück, sagt Bettina Limperg.

Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen ­
(1. Mose 5,1) hat mich von jeher erschreckt. Wenn man den Menschen in seiner Unvollständigkeit, seiner Unvollkommenheit, seiner grenzenlosen Ignoranz und dem Hang zum Bösen betrachtet: Was soll 
daran gottesebenbildlich sein? Oder andersherum gedacht: Wer oder was ist der oder die Gott, denen wir ebenbildlich sein sollen? Und was ist ein Ebenbild? Ist das etwas ­Gleiches oder etwas Ähnliches, ist es nur ein Bild oder ein Spiegelbild? Ist das ein Schicksal, eine Herausforderung oder – so habe ich es lange empfunden­ – ­etwas Bedrohliches?

Bettina Limperg

Bettina Limperg ist Juristin und Präsidentin des Bundesgerichtshofs. 2021 wird sie die evangelische Präsidentin des Ökumenischen Kirchentags in Frankfurt am Main sein.
PrivatBettina Limperg

Bei der Vorbereitung einer Bibelarbeit zu einem ganz anderen Text bin ich auf die Schöpfungsgeschichte ­gestoßen und habe sie mit einem neuen Blick gelesen. Ich lese Bibeltexte manchmal zunächst wie einen juris­tischen Sachverhalt. Ich schlage sozusagen die Akten auf und versuche zu verstehen. Und so dachte ich anders als sonst über die Geschichte von Adam und Eva und das 
Paradies (1. Mose 2–3) nach. Die Geschichte vom Baum der Erkenntnis stellte sich mir plötzlich nicht mehr nur als Sündenfall, als Verstoß gegen Gottes Gebot dar. Das Entscheidende und Erstaunliche war für mich nun, dass erst dieser Verstoß dazu führte, dass die Gottesebenbildlichkeit hergestellt wurde. Ein Paradox. "Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist" (1. Mose 3,22).

Der Verstoß selbst hat diesen Erkenntnisprozess ausgelöst. Erst der Regelverstoß hat den Menschen wissend gemacht um das, was gut und richtig oder böse und falsch ist. Der Baum der Erkenntnis hat eine große Tür zur Welt aufgemacht, die in der Schöpfungsgeschichte ganz ­plastisch wird: Das Tor zum Paradies wird geöffnet und der Mensch da hindurch vertrieben. Aber: Gott vertraut dem Menschen bei allem Zorn. Er kündigt ihm nicht ­seinen Segen und vernichtet ihn nicht. Ganz im Gegenteil. Die Schwäche des Menschen wird fortan zwar ein Leit­motiv des Alten Testaments, aber es ist immer verbunden mit dem Auftrag, gerade aus der Erkenntnis von Gut und Böse das Gute zu wählen.

Der Mensch hat sich von Gott empanzipiert

Mit einigem weiteren Nachdenken kann man das auch als eine Emanzipationsgeschichte verstehen: Der Mensch hat sich von Gottes Allmacht und seiner Unterwerfung emanzipiert, indem er Gottes Gebot missachtet hat; aber auch Gott hat den Menschen von sich und seiner paradiesischen Sorge emanzipiert. Er hat dem Menschen in dem Bewusstsein seiner Sünde und im Bewusstsein, dass der Mensch nun die Kategorien von Gut und Böse unter­scheiden kann, die Erde anvertraut.

Gottesebenbildlichkeit heißt für mich seither, dass wir Statthalter des Guten in der Welt sind. Aus all unserer Fehlbarkeit, aus all unserem Versagen, aus all dem, was wir an Gutem unterlassen und an Bösem tun, folgt nicht die Verdammnis, sondern unsere Verantwortung für diese Welt. Dass Gott uns dafür als Sünder braucht, ist keine Belastung, sondern Voraussetzung dafür, dass wir dieser Verantwortung gerecht werden können. Ohne die Sünde wüssten wir nichts vom Guten. Und ohne das Wissen um das Gute könnten wir nicht das Böse bekämpfen. Dieser Verantwortung müssen wir gerecht werden. Dazu ge­hören die Bewahrung der Schöpfung und unser Einsatz für ­eine gerechte Verteilung der Gaben und Chancen, dazu gehört, dass wir uns für Schwache einsetzen und sie stark ­machen. Dazu gehört auch, dass wir Rechte schaffen und nicht nur Almosen verteilen.

Schaut hin!

"Schaut hin" ist das Leitwort des 3. Ökumenischen ­Kirchentages 2021 in Frankfurt am Main. Es ist abgeleitet aus der Geschichte von der Speisung der 5000 (Markus 6, 38) und für mich die Fortsetzung der Schöpfungsgeschichte. "Schaut hin" übernimmt Verantwortung, versucht, den Blick zu öffnen, versucht, das Unmögliche möglich zu machen; "schaut hin" gibt nicht auf und gibt nicht nach. "Schaut hin" ist ein Appell zum Handeln. Das ist unser Auftrag, und das ist Gottes Ebenbildlichkeit. Schaut hin!

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Lesermeinungen

Nun ist Frau Bettina Limperg, die Präsidentin des Bundesgerichtshofes, wohl eher Juristin als Theologin. Allerdings schreibt sie über theologische Inhalte, die zu kennen sicherlich jedem Christenmenschen aufgegeben sind. Dazu gehört einige Bibelkenntnis, um die richtigen Schlüsse aus Bibeltexten und die Deutung unserer Lebenswirklichkeit ziehen zu können.
Frau Limperg irrt häufig.
Sie schreibt: „Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen (1. Mose 5,1)“ habe sie „von jeher erschreckt. Wenn man den Menschen in seiner Unvollständigkeit, seiner Unvollkommenheit, seiner grenzenlosen Ignoranz und dem Hang zu Bösen betrachtet: Was soll daran gottesebenbildlich sein?“ Und sie fragt sich, ob man von solch einem Menschen auf Gott schließen könne, dem oder der der Mensch als ebenbildlich zu verstehen ist, und ob Ebenbildlichkeit, „etwas Gleiches oder etwas Ähnliches (...) nur ein Bild oder ein Spiegelbild (…), ein Schicksal, eine Herausforderung oder (…) etwas Bedrohliches“ sei.
Nichts von alledem: Gottesebenbildlichkeit beschreibt die Wertigkeit des Menschen als eines Geschöpfes, dem sein Schöpfer eine besondere Gottesnähe (Gott redet mit ihm und er redet mit Gott) eingestiftet und eine besondere Verantwortung auferlegt hat (er soll stellvertretend königsgleich Herrscher über die Erde und das Tierreich sein, allerdings in der eindeutigen Begrenzung durch den Veganismus, gegeben im Speisegebot Gen 1,26-31). Und er darf den Paradiesgarten Eden bebauen und soll ihn bewahren (Gen 2,15). Der Schöpfungsbericht beschreibt den Menschen, wie er ursprünglich von Gott gedacht war: gewaltlos, gesegnet und gehorsam gottebenbildlich.
Das blieb nicht so: Gen. 3! D.h. von der gefallenen Welt, bzw. dem gefallenen Menschen (Gen. 3) auf die Schöpfung und Gottes Absicht mit ihr zu schließen, ist falsch und ist schon der Kardinalfehler Darwins gewesen, der die Rede von der Schöpfung gleichsam von den Füßen auf den Kopf stellt.
In ihrem Erschrecken und Nachsinnen über die Gottebenbildlichkeit des Menschen unterliegt Frau Limperg ebenfalls diesem Fehler. Und sie legt 1. Mose 3 wie folgt aus:
„Die Geschichte vom Baum der Erkenntnis stellte sich mir plötzlich nicht mehr nur als Sündenfall, als Verstoß gegen Gottes Gebot dar. Das Entscheidende und Erstaunliche war für mich nun, dass erst dieser Verstoß dazu führte, dass die Gottesebenbildlichkeit hergestellt wurde. Ein Paradox. „Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist“ (1. Mose 3, 22). Der Verstoß selbst hat diesen Erkenntnisprozess ausgelöst. Erst der Regelverstoß hat den Menschen wissend gemacht.... Der Baum der Erkenntnis hat eine große Tür zur Welt aufgemacht, die in der Schöpfungsgeschichte ganz plastisch wird: Das Tor zum Paradies wird geöffnet und der Mensch da hindurch vertrieben.“
Nichts von alledem. Zunächst einmal wurde nicht das Tor zum, sondern vom Paradies geöffnet und die Menschen hinausgetrieben. In ihrer Gottesebenbildlichkeit beschädigt, weil ungehorsam (und es gab nur ein einziges Gebot!) und eher auf die alte Schlange, denn auf Gott hörend, und sein wollend wie dieser, verloren sie das Paradies und wurden so, wie Gott gewarnt hatte: sterblich! Schmerz und Mühsal folgten, und sie hatten gelernt, was gut oder böse ist: Gottes Gebot halten oder übertreten. Sie hatten gelernt, dass sie nicht wie Gott sein können und dass sie geneigt sind, hereinzufallen auf die Einflüsterungen des Bösen, der Zweifel sät (sollte Gott gesagt haben...?) und lügt (ihr werdet mitnichten sterben...). Sie hatten gesündigt und konnten nicht mehr zurück.
Mitnichten wurde durch den Sündenfall Gottesebenbildlichkeit „hergestellt“ - das Gegenteil ist der Fall: beschädigt! Gottesebenbildlichkeit ist die ursprüngliche Absicht des Schöpfers für sein Geschöpf Mensch. Der wollte, dass dieses nicht sündigt, sondern Ihm, Gott, vertraut und in Gehorsam (man könnte auch sagen: ehrfürchtig) als Statthalter Gottes in der Welt unterwegs ist.
Frau Limperg meint weiter: „Gott vertraut dem Menschen bei allem Zorn. Er kündigt ihm nicht seinen Segen und vernichtet ihn nicht. Ganz im Gegenteil: Die Schwäche des Menschen wird fortan zwar ein Leitmotiv des Alten Testaments, aber es ist immer verbunden mit dem Auftrag, gerade aus der Erkenntnis von Gut und Böse das Gute zu wählen.“
Nichts von alledem. Gott gibt keinen Auftrag, aus solcherlei Erkenntnis, „das Gute zu wählen“. Denn, was ist das Gute? Ein immer neu auszuhandelnder Konsens in Gesellschaft und Geschichte? Wohl eher nicht. In der Bibel ist vielmehr ständig zu lesen, dass Er will und dafür wirbt, Seine Gebote zu halten. Wie einstens das einzige im Paradies.
Gott „vertraut dem Menschen“ eben nicht, dazu ist dieser zu leicht vom Bösen beeinflussbar (Gen. 3), mit allen negativen Folgen für sich selbst, für andere und die Welt. Aber er bleibt tatsächlich gesegnet und geliebt, so dass Gott es sich viel kosten lässt, ihn immer wieder auf den rechten Weg zu bringen: durch Seine Gebote. Durch Mahnung und Gericht, durch Liebeswerben und durch Seine Propheten. Zuletzt durch SEINEN EINGEBORENEN SOHN.

Frau Limperg denkt nach und kann den Sündenfall in Gen 3 „auch als eine Emanzipations-geschichte verstehen: Der Mensch hat sich von Gottes Allmacht und seiner Unterwerfung emanzipiert, indem er Gottes Gebot missachtet hat; aber auch Gott hat dem Menschen von sich und seiner paradiesischen Sorge emanzipiert. Er hat dem Menschen im Bewusstsein seiner Sünde und im Bewusstsein, dass der Mensch nun die Kategorien von Gut und Böse unterscheiden kann, die Erde anvertraut.“
Nichts von alledem: Der Mensch in Gen. 3 emanzipiert sich nicht, sondern geht in die Irre, indem er auf den Falschen hört. Es ist vielmehr die tragische Geschichte eines Vertrauens-verlustes: Eva und Adam vertrauen eher der alten Schlange, die auch Satan heisst, als Gott, ihrem Schöpfer. Sie lassen sich vom Bösen verführen und geraten unter dessen Herrschaft. Die Folgen kennen wir alle: Mord und Totschlag, Lug und Trug, Schamlosigkeit und Gewalt, Krieg und Verwüstung der Erde. Nicht dem gefallenen Menschen ist diese anvertraut, sondern dem in seiner Gottesebenbildlichkeit unbeschädigten, dem ehrfürchtigen und seinen Schöpfer liebenden und gehorsamen Menschen, dem, der Gottes Allmacht preist, Ihm vertraut und glaubt.
Gott fordert eben keine Unterwerfung! Er hat den Menschen frei geschaffen. So dass er sich frei entscheiden kann. Für das Gute oder das Böse. Für die Gebote oder dagegen. Für Gott. Oder gegen Ihn. Nicht einmal Jesus Christus, der die Sünder zur Umkehr rufen will, weil er sie liebt und Sein Leben für sie opfert, muss er folgen. Aber wenn er auch nur halb bei Verstand ist, tut er`s!

Fazit: Der ganze Artikel von Frau Limperg stellt die Aussagen der Bibel auf den Kopf. Schon die Überschrift stellt das sinnfällig vor Augen, wenn es heisst: „Mit der Sünde kam das Gute“. Das ist die Rede Satans, des Verwirrers, Lügners und Verführers aus Gen. 3, der bis heute verwirrt und verführt, auf den Kopf stellt und sich verehren lässt durch das umgedrehte Kreuz.

„Durch einen Menschen ist die Sünde in die Welt gekommen und der Tod durch die Sünde“
Römer 5,12
Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen, sowohl vor als auch nach dem Sündenfall hat seit jeher die Christliche Theologie beschäftigt. Irenäus von Lyon unterscheidet die Ebenbildlichkeit (imago) von der Ähnlichkeit (similitudo) des Menschen mit Gott.
Diese Ähnlichkeit (similtudo) ist seit dem Fall Adams verloren gegangen und drückt sich in dem Hang aller Menschen zum Bösen und zur Sünde aus.
Martin Luther nennt den Zustand des Menschen, der bereits in 1. Mose 1,26ff zum Ebenbild Gottes erschaffen und die Herrschaft über die Welt übertragen bekam, vor dem Sündenfall in 1. Mose 3: status originalis, und nach dem Sündenfall: status peccatoris.
Es verhält sich also genau umgekehrt: der Sündenfall hat nicht zur Herstellung der Gottesebenbildlichkeit geführt, sondern zu ihrem Verlust.
Auch in ihrem ungefallenen Zustand, dem status originalis, muss Adam und Eva die kategorische Unterscheidung von richtig und falsch klar gewesen sein, sonst hätte Gott ihnen nicht ein Gebot geben können, das sie beachten sollten. Und auch das war vor dem Sündenfall.
Die einzige gewonnene „Erkenntnis“ ist die der Sünde, des Fluches und des Todes in einer gefallenen Welt. Siehe 1. Mose 3,14ff von den Flüchen über die alte Schlange, die da heißt Teufel und satan (Offenbarung 12,9), über Eva und Adam bis zu ihrer Vertreibung aus dem Paradies Garten.
Die Versuchung Adams und Evas konnten bisher nur Gnostiker, Okkultisten und andere satanisten als „Emanzipation“ bezeichnen.
Der Christlichen Theologie war es seit dem Alten Testament, den Evangelien, den Kirchenvätern, über Mystiker wie Hildegard von Bingen und den Reformatoren immer klar gewesen, dass die Übertretung des Gebotes Gottes, die Sünde das Einfallstor des Bösen war, ist und bleiben wird.
Mit der Sünde kam der Tod und nicht das Gute.
Es sei denn, man sieht Gulags, Auschwitz, Atombomben und Genozid als erstrebenswert an.
„Denn der Tod ist der Sünde Sold aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christo Jesu, unserem Herrn.“ Römer 6,23

Der Auftrag an die Nachfolger Jesu könnte nicht klarer sein: „Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes,
und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Matthäus 28,19f