Ahrens über Vorsorge in Römer 8,12-15

14. Sonntag nach Trinitatis
So sind wir nun, liebe Brüder, nicht dem Fleisch schuldig, dass wir nach dem Fleisch leben. Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet, sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!
Römer 8,12-15
Online-Dachzeile: 
Ahrens über Vorsorge in Römer 8,12-15
Lieber Geist als Fleisch
Landespastor Dirk Ahrens

Hanna Lenz

Landespastor Dirk Ahrens

Möglicherweise ist es ganz natürlich, dass Menschen Angst bekommen, wenn sie allabendlich in den Nachrichten mit Krieg, Terror und Flucht konfrontiert werden. Aber Angst verengt die menschlichen ­Reaktionsmöglichkeiten auf die Alternativen Flucht oder Angriff. Beides gehört wohl zu unserem genetischen Code und mag während der Eiszeit angesichts einer unerwarteten Begegnung mit einem Säbelzahntiger überlebenswichtig gewesen sein. Auch heute befinden wir uns manchmal in Situationen, in denen es wichtig ist, sich schnell und instinktiv für eine der beiden Optionen zu entscheiden. Der natürliche Mensch – oder wie Paulus sagen würde: der „fleischliche“ Mensch – in uns kann im richtigen Moment unser Leben retten. 

In der komplexen politischen Situation der Gegenwart ist Angst allerdings ge­fährlich, wenn sie zum Leitmotiv unseres Handelns wird. Denn Angst kennt letztlich nur einen einzigen Wert: das eigene Überleben! Überhaupt empfindet sich der natürliche Mensch oft als vom Tod bedroht: Da draußen gibt es Feinde, Krankheiten, Unwetter und Unfälle, und der nackte Mensch ist den Gefahren des Lebens hilflos ausgesetzt. Die Sicherung des eigenen Überlebens hat absolute Priorität. 

Der Überlebenskampf des Fleisches schafft Katastrophen

Das ist nicht nur falsch. Der natürliche Mensch erinnert uns, dass Vorsorge vernünftig ist: Eine Krankenversicherung abzuschließen ist durchaus eine gute Idee. Und ebenso sinnvoll ist es, warme Sachen zu besitzen, damit man im Winter nicht ohne Mantel vor die Tür gehen muss. Ganz zu schweigen davon, dass die Nahrung mindestens bis morgen reichen sollte. 

Aber die Sorge des Fleisches kennt kein Genug. Die Angst macht uns zu Egoisten. Angesichts der möglichen Gefahren reicht die Absicherung nie aus. Und unter dem Gesetz begrenzter Ressourcen wird der Wohlstand der einen zur Not der anderen. Mit seinem ungebremsten Trieb zur Daseinsvorsorge erschafft der natürliche Mensch die Finanzkrise ebenso wie die Klimakatastrophe. „Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen“, so sagt es Paulus bedrohlich aktuell, auch wenn er sich eigentlich auf das jenseitige Leben bezieht. Der Überlebenskampf des Fleisches erschafft Tod und Katastrophen schon im Diesseits. 

Gegen Angst und übertriebene ­Sorge hilft nur Vertrauen. Für Paulus liegt der Grund des Vertrauens in der Zusage Gottes, dass der Tod überwunden ist. Ja, wir sind weiterhin sterblich, aber der Tod hat nicht mehr das letzte Wort. Letztlich sind wir in Gott geborgen und sicher, auch über den Tod hinaus. Solches zu glauben fällt nicht ganz leicht. Aber wenn wir es glauben ­können, gewinnen wir Freiheit. Wir sind dann nicht mehr Knechte des Fleisches und des Todes, sondern Gottes Kinder. 

Große gesellschaftliche Herausforderungen

„Wenn ihr durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben.“ Der geistliche Mensch kann seine Angst überwinden und sich am Doppelgebot der Liebe ausrichten: Liebe Gott, und liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Von Gott gehalten können wir uns dem Nächsten zuwenden. Das Wohl des anderen ist nicht weniger wichtig als das meine. 

Unsere Gesellschaft steht vor großen Herausforderungen, die wir nicht bewältigen werden, solange Ängste und Partikular­interessen im Vordergrund stehen. Es gilt eine Lösung für die Flüchtlings­katastrophe zu finden, es gilt die EU zusammenzuhalten, das Klima zu retten. Und wir müssen uns eingestehen, dass auch bei uns viel zu viele Menschen sich sorgen, weil ihre finanzielle Absicherung für Wohnen und Leben nicht ausreicht. Wenn wir Lösungen finden wollen, braucht unsere Gesellschaft dringend geistliche Menschen: angstfrei, ausgleichend und lösungsorientiert.

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